Vorab: Sobald sich jemand an mich mit einem vorausgesetzten "WIR" anwanzt, werden bei mir innerlich mehr rote Fahnen geschwenkt, als bei einem Aufmarsch der KPCh.
Unvermeidlicher Einstieg: "Wirtschaftswachstum, unsere Art und Weise der Produktion hängt unweigerlich mit dem Klimawandel zusammen."
Dass "unsere" Art und Weise der Produktion von "uns" bestimmt wird, ist natürlich eine Legende. "Wir" leben in einem kapitalistischen System, deren "Art und Weise der Produktion" wir nolens volens mit reproduzieren, weil wir in überwältigender Mehrheit gezwungen sind, unsere Arbeitskraft zu verkaufen.
Für die Entscheidung, unter welchen Bedingungen und zu welchen Konditionen produziert wird gibt es kein "wir" und Motor der Entwicklung ist nicht die Befriedigung gesamtgesellschaftlicher Bedürfnisse, sondern die Erwirtschaftung von (privaten) Profiten.
Nicht "wir" haben entschieden, die Produktion in Länder mit niedrigen Umweltstandards zu verlagern, "wir" bestimmen dort auch nicht die dortige Höhe der Löhne via Einkaufspreise für die Güter, "wir" haben auch nicht entschieden, dass die Transportkosten so spuckebillig sind, dass es sich lohnt, die Krabben zum pulen nach Marokko und zurück zu karren, weil dort die Löhne spuckebillig sind.
Da der Autor über diese Sachverhalte nicht weiter nachdenken möchte, folgt seine Denkweise zwangsläufig einer Personalisierung des Sachverhalts und er wundert sich zwar: "Was ist das nun für ein seltsamer Freiheitsbegriff, der hier durch den Diskurs wabert. Eigentlich geht es immer um Konsumfragen."
Um dann via Fleischkonsum zu seinem Kernanliegen zu kommen, es müsse um "Verzicht und Einschränkungen" zugunsten einer zukünftigen Generation kommen.
Und für dieses Anliegen muss Fleisch eben - Überraschung! - teuer werden.
Damit reproduziert er die Marktlogik zweifach, die er auf der anderen Seite kritisiert, weil, es herrsche die Illusion vor, "(a)n der grundsätzlichen Architektur unserer Gesellschaft muss nicht geschraubt werden.", nämlich erstens, mache ein Produkt teurer und es gibt weniger Nachfrage, zweitens, es ist alles eine Frage der individuellen Konsumentscheidung.
Über die Produktion - siehe oben - zu entscheiden ist damit bereits entschieden worden nicht zu entscheiden.
Die Illusion einer unlimitierten Wahlfreiheit in Sachen Konsum auf der Basis illusionär identischer möglicher Kaufentscheidungen lässt ihn dann auch nur noch die "Verweigerung (sehen), die erwirtschafteten Privilegien aufzugeben."
Nämlich WIR (TM) müssen UNSER ALLER (TM) "Privilegien" (TM) aufgeben.
Man sollte sich die Einkommensverteilung in der Bevölkerung anschauen, bevor man eine solche These formuliert.
Diese per Unterstellung getätigte Phrase "unserer Privilegien" erfolgt auf der Basis einer "Theorie", die sich nie mit der empirischen Realität beschäftigt hat und die in einer Filterblase existiert, in der es (Handlungs-) Zwänge nicht gibt.
Ein Beispiel: 70% der Deutschen wohnen in Städten unter 100.000 Einwohnern, in denen der ÖPNV nicht existiert, den sie alternativ zum PKW nutzen könnten.
Unter diesen Bedingungen das Benzin/Diesel zu verteuern - in der Marktlogik also die Nachfrage zu reduzieren - ändert an den Verhältnissen gar nichts.
Man rät den Menschen nicht existierenden Kuchen zu essen und fragt sich dann, warum sie sauer reagieren. Shocking!
Man könnte die Arbeitsplätze per staatlicher Direktive selbstverständlich auch in der Nähe dieser kleineren Städte ansiedeln, so dass der Zwang langer Wege zum Arbeitsplatz entfällt.
Ich bin mir aber ganz sicher, solche staatlichen Eingriffe in "Freiheitsrechte" von Unternehmen spuken nicht im Kopf des Autors herum.
Schade eigentlich.