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Avatar von crumar
  • crumar

mehr als 1000 Beiträge seit 08.03.2007

Ist schon faszinierend, grünem "Denken" bei der "Arbeit" zuzuschauen

Vorab: Sobald sich jemand an mich mit einem vorausgesetzten "WIR" anwanzt, werden bei mir innerlich mehr rote Fahnen geschwenkt, als bei einem Aufmarsch der KPCh.

Unvermeidlicher Einstieg: "Wirtschaftswachstum, unsere Art und Weise der Produktion hängt unweigerlich mit dem Klimawandel zusammen."

Dass "unsere" Art und Weise der Produktion von "uns" bestimmt wird, ist natürlich eine Legende. "Wir" leben in einem kapitalistischen System, deren "Art und Weise der Produktion" wir nolens volens mit reproduzieren, weil wir in überwältigender Mehrheit gezwungen sind, unsere Arbeitskraft zu verkaufen.

Für die Entscheidung, unter welchen Bedingungen und zu welchen Konditionen produziert wird gibt es kein "wir" und Motor der Entwicklung ist nicht die Befriedigung gesamtgesellschaftlicher Bedürfnisse, sondern die Erwirtschaftung von (privaten) Profiten.

Nicht "wir" haben entschieden, die Produktion in Länder mit niedrigen Umweltstandards zu verlagern, "wir" bestimmen dort auch nicht die dortige Höhe der Löhne via Einkaufspreise für die Güter, "wir" haben auch nicht entschieden, dass die Transportkosten so spuckebillig sind, dass es sich lohnt, die Krabben zum pulen nach Marokko und zurück zu karren, weil dort die Löhne spuckebillig sind.

Da der Autor über diese Sachverhalte nicht weiter nachdenken möchte, folgt seine Denkweise zwangsläufig einer Personalisierung des Sachverhalts und er wundert sich zwar: "Was ist das nun für ein seltsamer Freiheitsbegriff, der hier durch den Diskurs wabert. Eigentlich geht es immer um Konsumfragen."

Um dann via Fleischkonsum zu seinem Kernanliegen zu kommen, es müsse um "Verzicht und Einschränkungen" zugunsten einer zukünftigen Generation kommen.
Und für dieses Anliegen muss Fleisch eben - Überraschung! - teuer werden.

Damit reproduziert er die Marktlogik zweifach, die er auf der anderen Seite kritisiert, weil, es herrsche die Illusion vor, "(a)n der grundsätzlichen Architektur unserer Gesellschaft muss nicht geschraubt werden.", nämlich erstens, mache ein Produkt teurer und es gibt weniger Nachfrage, zweitens, es ist alles eine Frage der individuellen Konsumentscheidung.
Über die Produktion - siehe oben - zu entscheiden ist damit bereits entschieden worden nicht zu entscheiden.

Die Illusion einer unlimitierten Wahlfreiheit in Sachen Konsum auf der Basis illusionär identischer möglicher Kaufentscheidungen lässt ihn dann auch nur noch die "Verweigerung (sehen), die erwirtschafteten Privilegien aufzugeben."
Nämlich WIR (TM) müssen UNSER ALLER (TM) "Privilegien" (TM) aufgeben.
Man sollte sich die Einkommensverteilung in der Bevölkerung anschauen, bevor man eine solche These formuliert.
Diese per Unterstellung getätigte Phrase "unserer Privilegien" erfolgt auf der Basis einer "Theorie", die sich nie mit der empirischen Realität beschäftigt hat und die in einer Filterblase existiert, in der es (Handlungs-) Zwänge nicht gibt.

Ein Beispiel: 70% der Deutschen wohnen in Städten unter 100.000 Einwohnern, in denen der ÖPNV nicht existiert, den sie alternativ zum PKW nutzen könnten.
Unter diesen Bedingungen das Benzin/Diesel zu verteuern - in der Marktlogik also die Nachfrage zu reduzieren - ändert an den Verhältnissen gar nichts.
Man rät den Menschen nicht existierenden Kuchen zu essen und fragt sich dann, warum sie sauer reagieren. Shocking!

Man könnte die Arbeitsplätze per staatlicher Direktive selbstverständlich auch in der Nähe dieser kleineren Städte ansiedeln, so dass der Zwang langer Wege zum Arbeitsplatz entfällt.
Ich bin mir aber ganz sicher, solche staatlichen Eingriffe in "Freiheitsrechte" von Unternehmen spuken nicht im Kopf des Autors herum.

Schade eigentlich.

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  • Avatar von lfence
    • lfence

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.06.2019

    Antwort auf Ist schon faszinierend, grünem "Denken" bei der "Arbeit" zuzuschauen von crumar.

    Danke, vieleicht sollte der Autor das Schreiben von Artikeln lieber Ihnen ueberlassen.
    Im Gegensatz zum Autor zeigen Sie gesunden Menschenverstand, Logik und Realismus
    und kommen, man hoere und staune, sogar ohne das AfD-Wort aus. Vielen Dank.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (04.08.2021 10:02).

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  • Avatar von crumar
    • crumar

    mehr als 1000 Beiträge seit 08.03.2007

    Vielen Dank und noch etwas zu "Privilegien"

    Antwort auf Re: Ist schon faszinierend, grünem "Denken" bei der "Arbeit" zuzuschauen von lfence.

    Erst einmal vielen Dank für das Lob, aber wir beide wissen, der Autor ist gebucht worden, weil er eben so denkt und schreibt, wie er denkt und schreibt. ;-)

    Insgesamt fällt beim Begriff des Privilegs auf, dass von interessierten Kreisen eine Begriffsverschiebung vorgenommen worden ist.
    Es handelt sich nicht um ein "Vorrecht", das einer Personengruppe oder Individuen gewährt wird oder gewährt worden ist.
    Sondern in dieser manichäischen Weltanschauung existiert das "Privileg" für eine Gruppe, weil für eine andere Gruppe die "Diskriminierung" gilt.

    Früher (TM) gab es einen Unterschied zwischen "Nachteil haben" und "benachteiligt werden", jetzt wird suggestiv unterstellt, die bloße Existenz eines Nachteils bedeute bereits eine Benachteiligung - und umgekehrt die Bevorzugung einer anderen Gruppe, die diesen Nachteil nicht hat.
    Wer körperlich behindert ist, ist demnach "diskriminiert" und nicht behindert zu sein, versetzt einen bereits in den Zustand des "privilegierten" Daseins.

    Dass NICHT-Behinderung der Normalfall ist und Behinderung die Ausnahme, macht dann Normalität zu einem Zustand des (unbewussten) "Privilegs" - auf Kosten der Behinderten, so die "Theorie".
    In diesem magischen Denken haben Unfälle und Krankheiten also einen (versteckten!) persönlichen und gesellschaftlichen Nutznießer, dessen/deren "Privilegien" auf der "Diskriminierung" anderer Personen beruhen und man kann sich Gesellschaft nicht anders vorstellen, als ein gigantische Nullsummenspiel.

    Das ist zwar Gaga, aber Zeitgeist.

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  • Avatar von lfence
    • lfence

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.06.2019

    Antwort auf Vielen Dank und noch etwas zu "Privilegien" von crumar.

    crumar schrieb am 04.08.2021 10:54:

    Erst einmal vielen Dank für das Lob, aber wir beide wissen, der Autor ist gebucht worden, weil er eben so denkt und schreibt, wie er denkt und schreibt. ;-)

    Insgesamt fällt beim Begriff des Privilegs auf, dass von interessierten Kreisen eine Begriffsverschiebung vorgenommen worden ist.
    Es handelt sich nicht um ein "Vorrecht", das einer Personengruppe oder Individuen gewährt wird oder gewährt worden ist.
    Sondern in dieser manichäischen Weltanschauung existiert das "Privileg" für eine Gruppe, weil für eine andere Gruppe die "Diskriminierung" gilt.

    Früher (TM) gab es einen Unterschied zwischen "Nachteil haben" und "benachteiligt werden", jetzt wird suggestiv unterstellt, die bloße Existenz eines Nachteils bedeute bereits eine Benachteiligung - und umgekehrt die Bevorzugung einer anderen Gruppe, die diesen Nachteil nicht hat.
    Wer körperlich behindert ist, ist demnach "diskriminiert" und nicht behindert zu sein, versetzt einen bereits in den Zustand des "privilegierten" Daseins.

    Dass NICHT-Behinderung der Normalfall ist und Behinderung die Ausnahme, macht dann Normalität zu einem Zustand des (unbewussten) "Privilegs" - auf Kosten der Behinderten, so die "Theorie".
    In diesem magischen Denken haben Unfälle und Krankheiten also einen (versteckten!) persönlichen und gesellschaftlichen Nutznießer, dessen/deren "Privilegien" auf der "Diskriminierung" anderer Personen beruhen und man kann sich Gesellschaft nicht anders vorstellen, als ein gigantische Nullsummenspiel.

    Das ist zwar Gaga, aber Zeitgeist.

    Ja, es scheint hier ein absolut neues und revolutionaeres System der Privilegientheorie zu entstehen, wir (alten, weissen, cis, maennlichen) Deutschen hier sind quasi per Definition durch unsere Existenz allein schon priviligiert. Der traurige Rest, welcher eben nicht darunter faellt, ist automatisch dadurch aktiv benachteiligt.

    Dies ist besonders kurios in den USA, wo es natuerlich wesentlich mehr weisse Amerikaner gibt, welche an und in Armut leiden und leben als schwarze Amerikaner, dennoch sind aber alle schwarzen Amerikaner per default aktiv benachteiligt und ganz schlimm in Armut verloren, obwohl ihr Bevoelkerungsanteil lediglich knapp 14 % betraegt, was im Vergleich zur armen weissen Einwohnerschaft also ein Witz ist.

    Dennoch ist jeder dieser armen weissen Einwohner per Rasse und Geburt angeblich priviligiert und arbeitet aktiv an der Benachteiligung der schwarzen Einwohner.

    Ich halte diesen Quatsch einfach nicht mehr aus.

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  • Avatar von crumar
    • crumar

    mehr als 1000 Beiträge seit 08.03.2007

    Antwort auf Re: Vielen Dank und noch etwas zu "Privilegien" von lfence.

    Vorab: "Ich halte diesen Quatsch einfach nicht mehr aus."
    Verstehe ich.
    Ich nutze Sarkasmus oder Alkohol oder beides! ;-)

    Ja, es scheint hier ein absolut neues und revolutionaeres System der Privilegientheorie zu entstehen, wir (alten, weissen, cis, maennlichen) Deutschen hier sind quasi per Definition durch unsere Existenz allein schon priviligiert. Der traurige Rest, welcher eben nicht darunter faellt, ist automatisch dadurch aktiv benachteiligt.

    Ja, in diesem Biologismus, der sich als "sozialer Konstruktivismus" bloß tarnt sind biologische Merkmale analog zu einem gesellschaftlichen "Stand" zu sehen.
    Im Feudalismus ist man in den Stand hineingeboren worden und heute tut man seitens dieser Kreise so, als wäre bspw. Hautfarbe und Geschlecht ein ständisches Merkmal.
    Sind sie aber nicht. Ansonsten wären die Deutschen im 18. Jahrhundert zu 100% privilegiert gewesen, weil alles Weiße.
    Versetzt man die "Theorie" in die Geschichte, dann wird die Absurdität ihrer Grundannahmen schneller klar, weil sie aus den USA stammt und auch nur dort (wenigstens dem Anschein nach) "funktioniert".

    Dies ist besonders kurios in den USA, wo es natuerlich wesentlich mehr weisse Amerikaner gibt, welche an und in Armut leiden und leben als schwarze Amerikaner, dennoch sind aber alle schwarzen Amerikaner per default aktiv benachteiligt und ganz schlimm in Armut verloren, obwohl ihr Bevoelkerungsanteil lediglich knapp 14 % betraegt, was im Vergleich zur armen weissen Einwohnerschaft also ein Witz ist.

    Ja. Unbenommen sind die Schwarzen (genauer gesagt: Afro-Amerikaner, für bspw. immigrierte Nigerianer gilt das nicht) überproportional arm - die Mehrheit der Armen stellen dennoch Weiße.

    Ich unterstelle dieser "Theorie" auch deshalb Unterstützung interessierter Kreise, weil man die Mehrheit der Armen nicht nur zum verschwinden bringt, sondern unterstellt, sie hätte aus ihren angeborenen "Privilegien" einfach nichts gemacht.
    Selbst schuld! /sarcasm

    Dennoch ist jeder dieser armen weissen Einwohner per Rasse und Geburt angeblich priviligiert und arbeitet aktiv an der Benachteiligung der schwarzen Einwohner.

    Jup. Laut DiAngelo gibt es bei Weißen - quasi als Nachfolge der christlichen Erbsünde - nur den offenen oder versteckten Rassismus.
    Der versteckte Rassismus versteckt sich insbesondere hinter der Aussage, Menschen nur nach dem Charakter beurteilen zu wollen und nicht nach der Hautfarbe.
    Ist doch erfrischend, wenn die weiße DiAngelo damit M. L. King die Aufforderung zu einem versteckten Rassismus vorwirft. ;-)

    Verrückte Zeiten, aber man sollte sich seinen Humor bewahren.

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  • Avatar von XavierS
    • XavierS

    mehr als 1000 Beiträge seit 17.08.2020

    Antwort auf Re: Vielen Dank und noch etwas zu "Privilegien" von crumar.

    US-Demokraten (Bidens Partei) torpedieren Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar
    https://www.wsws.org/de/articles/2021/03/02/pers-m02.html

    Wie Konzerne und Regierung die Gewerkschaften finanzieren
    https://www.wsws.org/de/articles/2020/07/04/gewe-j04.html

    Gegenwärtig vergeht kaum ein Tag, an dem keine neuen Massenentlassungen angekündigt werden. Die Hiobsbotschaften aus den Chefetagen der Konzerne und Banken überschlagen sich. Die Unternehmen nutzen die Corona-Krise und die Milliardensummen aus der Staatskasse, um massenhaft Arbeitsplätze abzubauen und drastische Sozialkürzungen durchzusetzen, die seit langem geplant waren.

    Diese kapitalistische Offensive gegen die Arbeiter stützt sich auf eine enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und ihren Betriebsräten. Viele Rationalisierungsprogramme, die mit einem umfassenden Arbeitsplatz- und Sozialabbau verbunden sind, werden von den Gewerkschaften ausgearbeitet und von ihren Funktionären im Betrieb durchgesetzt. Wer dagegen protestiert, wird eingeschüchtert und mundtot gemacht. Wer aufmuckt, findet sich schnell auf den Entlassungslisten wieder, die die Betriebsräte im Rahmen der Mitbestimmung erstellen.

    Bei mir entsteht der Eindruck, daß der Machtapparat von Merkel und der EU bei ihrem Anti-Gewerkschaftskurse die USA zum Vorbild genommen haben, wo die Mitbestimmung von Gewerkschaften ein Auslaufmodell geworden ist
    Und die USA dienen als Vorbild für Europas Arbeitgeberverbände und Unternehmerverbände:

    http://www.deutschlandradiokultur.de/amerikas-gewerkschaften-mitbestimmung-ist-ein-auslaufmodell.979.de.html?dram:article_id=322487
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fruehaufsteher/verschwinden-amerikas-gewerkschaften-13458389.html
    http://www.fr-online.de/arbeit—soziales/gewerkschaften-in-den-usa-arbeiter-ohne-stimme,1473632,21569228.html

    Die EU bewegt sich immer weiter in Richtung neofeudalistischer Neokorporatismus. Dabei spielt der Kampf gegen Gewerkschaften eine besonders wichtigbe Rolle in EUs Arbeitgeberverbänden

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ausbeutung-im-job-grundrechteagentur-moniert-schwere-verstoesse-a-1036669.html

    https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2015/mai/union-busting-die-zerschlagung-der-gewerkschaften

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  • Avatar von crumar
    • crumar

    mehr als 1000 Beiträge seit 08.03.2007

    Antwort auf Re: Vielen Dank und noch etwas zu "Privilegien" von XavierS.

    Hi, ich finde die Trotzkisten haben einige sehr vernünftige Ansichten, die zu den Gewerkschaften gehören nicht dazu.
    Richtig ist, in Deutschland gibt es zu viel Co-Management und zu viel "Sozialpartnerschaft", was aber an der bisherigen politischen Orientierung auf die SPD gelegen hat. Gewerkschaften waren fast immer die Erbhöfe der Partei und die führenden Gewerkschafter Mitglieder dieser Partei.
    Ich glaube mit schwindender Bedeutung der SPD wird das abnehmen.

    "Bei mir entsteht der Eindruck, daß der Machtapparat von Merkel und der EU bei ihrem Anti-Gewerkschaftskurse die USA zum Vorbild genommen haben, wo die Mitbestimmung von Gewerkschaften ein Auslaufmodell geworden ist."

    Die Bestrebungen gibt es wenigstens seit Kohl, aber das wird in Deutschland wesentlich schwieriger umzusetzen sein, da im Betriebsverfassungsgesetz verankert.
    Zudem macht es das Konzept der Einheitsgewerkschaft schwerer, betriebliches "union busting" zu betreiben.

    "Die EU bewegt sich immer weiter in Richtung neofeudalistischer Neokorporatismus."

    Jup. Sehe ich auch so.

    Deshalb waren wir in der Männerbewegung auch regelrecht elektrisiert, als auf der "progressiven" Seite diese ständischen "Privilegientheorien" Einzug hielten.

    Den "alten weißen heterosexuellen Mann" zum Sündenbock der Gesamtgeschichte zu machen und dessen Entfernung von "der Macht" zu fordern, ist faktisch eine bürgerliche Theorie der Geschichte, basierend auf biologischen Merkmalen.
    Es ist kein "reverser" oder "neo-" Rassismus und Sexismus, sondern es ist Rassismus und Sexismus - nur eben als "progressiv" rehabilitiert.
    Das ist ironisch, oder?
    Dass die neuen Eliten sich wiederum durch biologische Merkmale (Poc, weiblich, homosexuell etc.) auszeichnen zeigt ziemlich deutlich, es ist einfach eine erneuerte bürgerliche Elitetheorie.

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