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pro Bahn

Weitgehend einverstanden. Wie der Autor selbst richtig bemerkt:

Das sind, wohlgemerkt, keine grundsätzlichen Argumente für die Trennung. Beschrieben wird mit diesen Fakten der unterschiedliche Weg der Zerstörung integrierter Eisenbahnen, wie es diesen in Europa spätestens seit Mitte der 1990er-Jahre gibt.

Und:

Wenn die FDP die Trennung fordert, so hat sie dafür spezifische Gründe. Es geht um "maximalen Wettbewerb" und um Privatisierungen.

Und daher ist das abzulehnen und als das zu bezeichnen, was es ist - ein weiterer Versuch die bisher gescheiterte vollständige Neoliberalisierung der Bahn doch noch zu vollbringen.

Grundsätzlich ist die unternehmerische Trennung von Schiene und Rollmaterial eine vollständig falsche Diskussion. Entscheidend ist, ob man der Bahn eine wichtige Rolle im Mobilitätsmix zuerkennt oder nicht. Das war in den letzten drei Jahrzehnten nicht der Fall und muss sich aus bekannten Gründen nun wieder komplett ändern. Dazu braucht es schlicht einen kompakten Non-Profit-Betrieb, der sich mit Schienenverkehr und nichts anderem beschäftigt. Keine Aktiengesellschaftsgruppe unter einem Holding-Hut.

Und dann muss geklotzt werden, der Abbau der letzten Jahrzehnte kompensiert, ja überkompensiert werden. So viel Personen und Güterverkehr auf die Schiene gebracht werden wie nur möglich, die Stromversorgung dekarbonisiert werden. Buchstäblich koste es was es wolle. Und dazu gehört natürlich auch:

Bahnzerstörerische oder kontraproduktive Projekte wie Stuttgart 21, die Verlegung des Bahnhofs Altona nach Diebsteich, der Bau eines 40 Meter tiefen Frankfurter Fernbahntunnels, die 300-km/h-Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover - Bielefeld oder der Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke müssen aufgegeben und die hier vorliegenden Alternativen geprüft werden.

Kurz, eine kompromisslos bahnfreundliche Politik.

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    Re: pro Bahn, d.h. pro SCHNELLE Bahn

    Antwort auf pro Bahn von Pnyx (1).

    Pnyx (1) schrieb am 09.11.2021 14:58:

    Weitgehend einverstanden.
    [...]
    dazu gehört natürlich auch:

    Bahnzerstörerische oder kontraproduktive Projekte wie Stuttgart 21, die Verlegung des Bahnhofs Altona nach Diebsteich, der Bau eines 40 Meter tiefen Frankfurter Fernbahntunnels, die 300-km/h-Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover - Bielefeld oder der Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke müssen aufgegeben und die hier vorliegenden Alternativen geprüft werden.

    Kurz, eine kompromisslos bahnfreundliche Politik.

    Quatsch. Übrigens ist der Bau des Bahnhofs HH-Diebsteich durchaus sinnvoll. Das ist dann ein Durchgangsbahnhof, der dann den Fernbahnteil von HH-Altona überflüssig macht.

    HH-Altona gibt es nur deshalb als Sackbahnhof, weil Altona zur Zeit des Eisenbahnbaus im 19. Jahrhundert zu Dänemark gehörte, und eine Staatsgrenze Altona und Hamburg trennte. Die dänische Krone hatte kein Interesse an einem Durchgangsverkehr über Hamburg in die weite Welt hinein. Es wird Zeit, diesen Fehler zu korrigieren.

    Und ich kann nicht verstehen, warum irgendwelche Leute an diesem zeitfressenden Monstrum HH-Altona so viel Gefallen haben, daß sie das unbedingt der Nachwelt erhalten wollen.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.11.2021 16:06).

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    Re: ...

    Antwort auf Re: pro Bahn, d.h. pro SCHNELLE Bahn von L.Willms.

    Ihr Verdikt scheint sich nur auf dieses eine Detail zu beziehen. Die Altona'sche Situation ist mir ehrlich gesagt nicht geläufig. Ich hab in diesem Punkt dem Artikelautor vertraut und seinen Satz nicht verstümmelt. Zur Sinnhaftigkeit der diesbezüglichen DB-Pläne kann ich daher nichts sagen.

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    Vom Sackbahnhof HH-Altona zum neuen Fern- und Regionalbahnhof HH-Diebsteich

    Antwort auf Re: ... von Pnyx (1).

    Pnyx (1) schrieb am 09.11.2021 16:53:

    Ihr Verdikt scheint sich nur auf dieses eine Detail zu beziehen. Die Altona'sche Situation ist mir ehrlich gesagt nicht geläufig. Ich hab in diesem Punkt dem Artikelautor vertraut und seinen Satz nicht verstümmelt. Zur Sinnhaftigkeit der diesbezüglichen DB-Pläne kann ich daher nichts sagen.

    Ich versteh diesen Beitrag nicht wirklich. Hier der Link zum Projekt bei der DB, mit weiteren Links: https://bahnprojekt-hamburg-altona.de/

    Ich bin vor nicht allzulanger Zeit mit einem ICE nach Kiel gefahren. Der hält zwar außer in HH-Hbf auch in HH-Dammtor (direkt an den Messehallen), aber macht nicht die Spitzkehre über den Sackbahnhof Altona. In HH-Diebsteich würde der halten, und damit wie alle anderen Verkehre nach Schleswig-Holstein dem Stadteil Altona und Umgebung einen kürzeren Zugang zum Fernverkehr bieten.

    Der erzkonservative Winnie Wolf sieht, daß da was verändert wird und schreit:
    Halt! Die Welt muß stehenbleiben! Nichts darf sich ändern!

    W. Wolf ist ein ausgezeichneter Zeitungsmacher, aber politisch immer weit daneben.

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    Sachkunde anyone?

    Antwort auf pro Bahn von Pnyx (1).

    Pnyx (1) schrieb am 09.11.2021 14:58:

    Und daher ist das abzulehnen und als das zu bezeichnen, was es ist - ein weiterer Versuch die bisher gescheiterte vollständige Neoliberalisierung der Bahn doch noch zu vollbringen.

    Hast Du den Artikel überhaupt gelesen? Und wenn ja, hast Du ihn verstanden?

    Winfried Wolf - MdB von 1994 bis 2002, verkehrspolitischer Sprecher der PDS-Fraktion* - stellt ja das Ziel eines integrierten Bahnbetriebs á la SBB seinen Überlegungen voran. Dann analysiert er welche Situation heute gegeben ist. Dabei stellt er - zutreffend - fest, daß das Eisenbahnunternehmen DB AG schon heute faktisch zerschlagen ist und nur notdürftig über die Holding formal zusammen gehalten erscheint. Dem folgen Überlegungen, wie wir aus der Nummer wieder raus kommen. Ein denkbarer Weg ist, mit der Herausnahme des Netzes aus dem neoliberalen Konstrukt DB AG den Einstieg in den Wiederaufbau eines wirklich integrierten Eisenbahnbetriebs zu finden.**

    Wer das nicht nachvollziehen kann oder will, betreibt die Sache von Abzockern á la Pofalla, Hansen & Co. Und letztlich auch ein "weiter so" in Sachen gescheiterter Verkehrspolitik im Stile von SPD, FDP, CDU, etc. Bei den Grünen muß sich erst noch heraus stellen, ob ihnen das Hemd "FDP-SPD" näher ist, als die Hose "funktionierendes Eisenbahnsystem".

    trainspotter

    * Zuvor schon als sachkundiger Buchautor in Erscheinung getreten. Sein Klassiker "Eisenbahn und Autowahn" ist zwar schon "etwas älter", enthält aber einige originelle Ideen, die heute noch bedenkenswert sind.

    ** Ein Weg der derzeit im Vorzeigeland gescheiterter Privatisierung heimlich still und leise begangen wird: Die zügig und grandios in die Hose gegangene Privatisierung des Netzes in GB ist de facto schon 2002 zurück genommen worden (getarnt mit ein paar gesellschaftsrechtlichen Girlanden) und wird ab 2023 auch wieder offen als staatliches Unternehmen dargestellt. Bezüglich der Verkehrsgesellschaften läuft derzeit ein Verstaatlichungsprozess (in Wales z.B. schon abgeschlossen) der verschämt nicht offen so bezeichnet wird. Am Ende wird alles das zusammengefasst und GB hat wieder eine British Rail, die dann sicherlich anders heißen wird.

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    Semiotische Katastrophe

    Antwort auf Vom Sackbahnhof HH-Altona zum neuen Fern- und Regionalbahnhof HH-Diebsteich von L.Willms.

    L.Willms schrieb am 09.11.2021 18:55:

    Der erzkonservative Winnie Wolf sieht, daß da was verändert wird und schreit:
    Halt! Die Welt muß stehenbleiben! Nichts darf sich ändern!

    W. Wolf ist ein ausgezeichneter Zeitungsmacher, aber politisch immer weit daneben.

    Umberto Eco stellte schon vor langer Zeit fest, daß wir im Zeitalter der semiotischen Katastrophe leben. Dieses Beispiel für eine sinnfreie Umdeutungvon Wortbedeutungen bestätig ihn mal wieder.

    Den sich selbst in trotzkistischer Tradition sehenden und stehenden Winfried Wolf als "erzkonservativ" zu bezeichnen, zeugt von erheblichen Kenntnislücken - sofern man keine böse Absicht unterstellt. (Letzters mache ich nicht, denn meist ist "Dummheit" als Erklärung plausibler.)

    trainspotter

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    Antwort auf Semiotische Katastrophe von trainspotter (1).

    trainspotter (1) schrieb am 10.11.2021 09:58:

    L.Willms schrieb am 09.11.2021 18:55:

    Der erzkonservative Winnie Wolf sieht, daß da was verändert wird und schreit:
    Halt! Die Welt muß stehenbleiben! Nichts darf sich ändern!

    W. Wolf ist ein ausgezeichneter Zeitungsmacher, aber politisch immer weit daneben.

    Umberto Eco stellte schon vor langer Zeit fest, daß wir im Zeitalter der semiotischen Katastrophe leben. Dieses Beispiel für eine sinnfreie Umdeutungvon Wortbedeutungen bestätig ihn mal wieder.

    Den sich selbst in trotzkistischer Tradition sehenden und stehenden Winfried Wolf als "erzkonservativ" zu bezeichnen, zeugt von erheblichen Kenntnislücken -

    Wenn der ganz entschieden jede Erweiterung und Beschleunigung des Eisenbahnnetzes ablehnt, er also den aktuellen Zustand konservieren will, dann ist das konservativ.

    Alpenquerende Tunnel und Hochgeschwindigkeitsstrecken abzulehnen -- was soll das? Bimmelbahn anbeten?

    Was die Person angeht -- ich kenn den persönlich seit gut einem halben Jahrhundert.

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    Antwort auf Re: Semiotische Katastrophe von L.Willms.

    L.Willms schrieb am 10.11.2021 10:14:

    Was die Person angeht -- ich kenn den persönlich seit gut einem halben Jahrhundert.

    Und dann ist eines der grundlegenden Argumente Wolfs bis heute nicht wahrgenommen worden? Stichwort "Tempowahn".

    Eine Rennbahn zwischen Köln und Frankfurt nutzt weit über 90% der Bahnnutzer nichts, wenn sie die gewonnene Zeit doppelt und dreifach in irgendwelchen Wartezonen für ihre Anschlusszüge wieder verlieren. Ein 160km/h Kurswagensystem und funktionierende Taktknoten wäre im Sinne kurzer Reisezeiten effektiver. Das macht den Erfolg des schweizerischen Konzept "Bahn 2000" aus.

    trainspotter

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    Antwort auf Re: Semiotische Katastrophe von trainspotter (1).

    trainspotter (1) schrieb am 10.11.2021 10:51:

    Eine Rennbahn zwischen Köln und Frankfurt nutzt weit über 90% der Bahnnutzer nichts, wenn sie die gewonnene Zeit doppelt und dreifach in irgendwelchen Wartezonen für ihre Anschlusszüge wieder verlieren. Ein 160km/h Kurswagensystem und funktionierende Taktknoten wäre im Sinne kurzer Reisezeiten effektiver. Das macht den Erfolg des schweizerischen Konzept "Bahn 2000" aus.

    Die 90%, die in ganz anderen Gegenden oder Richtungen unterwegs sind...

    Mir hat die Westerwälder Achterbahn durchaus genutzt, und an besondere Zeitverluste durch Umsteigen kann ich mich nicht erinnern. Ich fahre gelegentlich auch gerne durchs Rheintal, weils billiger ist, und ich dann ohne Umsteigen zu meinem Ziel komme, z.B. Wuppertal.

    Aber Kurswagen ... das Flügeln der Berlin - Rhein/Ruhr - ICE in Hamm kostet 10 Minuten. Soviel ich weiß, soll das jetzt aufgelöst werden, indem die ICE zwischen Hamm und Berlin im Halbstundentakt statt Stundentakt fahren (sollen). Das spart Zeit.

    Inwieweit Kurswägen die Fahrt von Rhein/Ruhr nach Berlin beschleunigen könnten, ist mir ein Rätsel. Dafür kann man die Fahrt Bielefeld - Hannover von derzeit 50 Minuten durchaus auf 30 Minuten oder weniger verkürzen durch eine Neubaustrecke, auf der höhere Geschwindigkeiten möglich sind. Und damit auch dem langsameren Verkehr (Güterverkehr!) auf der Altstrecke mehr Kapazität verschaffen.

    Es wurden auch mal Nord-Süd-ICEs in Hannover zwischen Hamburg und Bremen geflügelt: kostete auch 10 Minuten.

    Die Schweiz ist klein, zumindest der bewohnbare Teil diesseits der Alpen.

    Und noch eins: die bei Pufferküssern und Nietenzählern übliche Arroganz lassen'se mal bitte fallen.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (10.11.2021 11:26).

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    Re: ...

    Antwort auf Sachkunde anyone? von trainspotter (1).

    Haben Sie meinen Kommentar gelesen? Ich sagte ja schon einleitend, ich sei weitgehend einverstanden. Nur eben nicht mit dieser Aufspaltidee. Man kann auch mit einer kompakten Einheits-DB aus der Holding-Nummer rauskommen.

    Mit Ihren übrigen Bemerkungen tragen Sie jedenfalls bei mir Eulen nach Athen.

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