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  • holyprime

mehr als 1000 Beiträge seit 12.04.2009

Eine Frage der Prioritäten

Die Bahn gehört für mich wie die Strassen zur kritischen Infrastruktur (Personen als auch Güterverkehr). Hier in der im Artikel gelobten Schweiz funktioniert sie ordentlich, da sie eine absolute Notwendigkeit ist: Hätten wir DB Verhältnisse, oder privatisierte Autobahnabschnitte ala Frankreich oder Italien, es käme zweimal am Tag zu einem Verkehrskollaps im ganzen Unterland.

Dies wurde in den 80ern sogar von Politikern erkannt (es half bestimmt enorm das wir praktisch keine Autolobby zu haben) und es wurden entsprechende Projekte aufgegleist. Das kostete was, NEAT und Bahn 2000 allein kommen auf über 30 Mia SFr, exklusiv Instandhaltung. Sowas könnte sich die SBB allein nicht leisten, auch nicht mit den teils exorbitanten Preisen die wir bereits haben (Halbtax, 165/185 SFr, ist auch für Gelegenheitsbahnfahrer eine Notwendigkeit).

Apropos SBB, die ist auch nicht anders aufgestellt als die DB, ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen welches zu 100% dem Staat gehört. Hier liegt auch einiges im Argen, so macht das Staatsunternehmen zwar Gewinn, der basiert aber darauf dass der Bund und die Kantone Betrieb und Unterhalt finanziert: 2018 zb beliefen sich die vom Staat bestellten Leistungen auf knapp 3.5 Mia SFr.

Dieser Betrag ist eine Hausnummer, die imho zeigt, wohin die Reise mit einem aufspalten der Bahn führen soll: Wenn die Infrastruktur (und der Güterverkehr) ausgelagert werden, dann kann ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen mit dem Bahnbetrieb durchaus gute Profite erwirtschaften, wenn sie nicht verpflichtet werden den Regionalverkehr zu gewährleisten, dann umso mehr. Wenn ich in dem Zusammenhang "rotgrün" höre, dann befürchte ich dass mit der Abspaltung der Infrastruktur bloss die Filettierung des Bahnbetriebs vorangetrieben werden soll.

Die ganz grosse Krux ist imho aber, dass es keinen Unterschied macht. Kritische Infrastruktur ist eine Frage des politischen Willens. Deutschland könnte auch heute schon eine funktionierende Bahn haben, hätte sich in den letzten 20+ Jahren jemand darum gekümmert, anstatt Koryphäen wie Mehdorn oder Pofalla grosszügig für ihre Inkompetenz zu alimentieren: Im herrschenden politischen Klima wäre der 1996 (!) zugesicherte Anschluss an die NEAT auch mit ausgegliederter Infrastruktur erst irgendwann in 20+ Jahren fertig.

Alles eine Frage der Prioritäten. Profit und zivilisatorische Errungenschaften lassen sich nur äusserst selten vereinbaren.

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