"Das Resümee überrascht: Deutschland müsse den Verteidigungskrieg gegen russische Truppen unterstützen, auch mit der Lieferung von "Waffen (…) in großem Umfang", um Krieg zu verhindern.
Es ist, wie angedeutet, nicht das erste Mal, dass sich eine Bundesregierung unter Rückgriff auf die eigene Schuld der Schuldnerrolle zu entziehen und sich der eigenen Geschichte mit dem Ziel zu entledigen versucht, außen- und verteidigungspolitisch wieder handlungsfähig zu werden."
Erstens trägt keine Bundesregierung eigene Schuld am Zweiten Weltkrieg, die erste Bundesregierung wurde 1949 gebildet.
Zweitens ist die Geschichte des Dritten Reichs gerade die Begründung für die Waffenlieferungen; das ist das genaue Gegenteil davon, sich dieser Geschichte zu entledigen. Es ist die Schlußfolgerung aus dieser Geschichte, die sich mit dem 24. Februar geändert hat. Das "pazifistische" Prinzip der vergangenen Jahrzehnte, dem Opfer einer Aggression genauso Waffen zu verweigern wie dem Aggressor, wurde endlich, endlich revidiert. Nach hunderttausenden Toten in diversen langjährigen Kriegen, denen Deutschland mit Verweis auf die eigene Geschichte tatenlos zugesehen hat.
"Der erstaunliche ähnliche historiografisch-rhetorische Kunstgriff zielt in beiden Fällen darauf ab, sich aus der Gegenwart heraus der lähmenden Vergangenheit zu entledigen."
Ganz im Gegenteil.
"Niemand kommt da mehr auf den Gedanken, dass ein ehrliches und reines Gedenken auch darin münden könnte, dass Deutschland die Kriegsparteien, allen voran die russischen Angreifer, zu Verhandlungen drängen."
Zu Verhandlungen gedrängt haben die Deutschen in der Vergangenheit mehr als genug. Üblicherweise unter dem Motto, beide Seiten müßten zu "schwierigen Kompromissen" bereit sein, die Angegriffenen müßten "schmerzhafte Zugeständnisse" machen. Als wären die Forderungen des Aggressors und die seines Opfers in gleicher Weise legitim. Die Ergebnisse dieser zynischen und rückgratlosen Politik haben wir wieder und wieder gesehen, nicht zuletzt in der jahrelangen Weigerung, den russischen Angriff auf die Krim und die Errichtung der "Volksrepubliken" auch nur als Krieg zu bezeichnen. Besser hätte man Putin zu seinen nächsten Schritten gar nicht ermutigen können. Seine "geniale Strategie" mußte einfach nur darin bestehen, nach jedem "Kompromiß" neue, vollkommen überzogene Forderungen zu stellen, das Doppelte dessen, was er selbst für realisierbar hielt. Wohin das geführt hat, wissen wir ja.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (10.05.2022 07:48).