Meine Weltsicht ist eine andere, darum sind meine Schlussfolgerungen auch andere, als die der links-pazifistischen und rechten an den USA orientierten Theoretiker. Mein Standpunkt ist dezidiert der eines Europäers, der nicht an die Dauerhaftigkeit eines hegemonialen Zirkus atomarer Supermächte glaubt, wo beispielsweise die USA diejenigen sind, die alles in einer Allianz regeln und beherrschen wollen oder müssen.
Schon die Grundthese ist meiner Meinung nach falsch, dass nach dem Ende des 2. Weltkriegs mit der UNO und dem von ihr repräsentierten Völkerrecht so etwas wie eine internationale Friedensordnung errichtet wurde. Vielmehr ging es allein darum, die Weltherrschaft der entscheidenden Siegermächte institutionell abzusichern. Schon die Konstruktion des Sicherheitsrates mit seinen Vetomächten, sowie der Privilegierung der Atommächte, den andern gleiches Recht für alle vorzuenthalten, ist auf die Dominanz Weniger über den Rest der Völkerschaften ausgelegt. Vetorecht aber ist Kriegsrecht. Es ist das Recht ungestraft Krieg zu führen und führt unweigerlich in eine hegemoniale Situation, wo die Schwachstaaten unter die Veto- und Atomschirmdecke einer Supermacht unterkriechen müssen, was zu einem unvermeidlichen Souveränitätsverlust der betreffenden Länder führt.
Leidtragende dieser neuen Ordnung waren folgerichtig die Weltkriegsverlierer und der ganze Haufen europäischer Schwachstaaten, die sich nicht selbst verteidigen konnten. Übrig blieben nur an den Rändern Frankreich und GB.
Nach dem Zusammenbruch des Sowjetimperialismus in Europa muss es nun Aufgabe der europäischen Staaten sein, eine eigenständige Gegenmacht gegen die hegemonialen Ansprüche Russlands zu bilden, um endlich von den Atomknopfdrückern im weißen Haus - seien es nun Trump und seine Genossen oder sonstwelche unsicheren Kantonisten - unabhängig zu sein. Andere Länder wie Indien, Pakistan, Israel und der nur halb verrückte Kim haben es vorgemacht. Anders geht es nicht.
Die Ukraine aber ist Bestandteil unseres europäischen Interesses, ihre Souveränität muss uns heilig sein, wie die des Baltikums. Darum ist Putin mit dem Einmarsch in sein Nachbarland der Feind und nicht die USA; die USA haben nicht Teile der Ukraine mit grünen Männchen besetzt. Europäer sind in diesem Kampf nicht neutral, sie sind eine Schicksalsgemeinschaft. Putin hat sich aus dieser Gemeinschaft rausgeschossen, er gehört als imperialistischer Despot eines überlebten Kolonialreichs nicht mehr dazu. Und wenn Putin meint, er müsste die Rekonstruktion des Zarenreichs militärisch durchsetzen, wird er das nur um den Preis des 3. Weltkriegs erreichen können. Sind aber Warschau, Berlin und Kopenhagen weg, soll auch Russland weg. Zu diskutieren gibt es da nichts.
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