Zusam schrieb am 02.02.2021 13:07:
Du hattest festgestellt, dass wir in Europa einen überalterten AKW-Park haben und nahezu kein Zubau stattfindet um zumindest die alten Anlagen ablösen zu können. Meiner Meinung nach bedroht das mittelfristig die Europäische Stromversorgung. Erst anzufangen wenn die alten Kraftwerke von Netz gehen, ist nicht die beste Strategie, zumal die Bauzeiten und Kosten in Europa scheinbar extrem sind.
Ich behaupte nicht, alle Aspekte und Details des Plans zu kennen. Gleichzeitig halte ich es jedoch für vermessen, immer sofort den Verantwortlichen zu unterstellen, sie wüssten nicht, was sie tun und würden uns alle ins Chaos stoßen. Das wird - wie gesagt - seit vielen Jahren (teils von interessierter Seite) behauptet und bisher sind keine der apokalyptischen Vorhersagen eingetroffen.
Es ist nicht wichtig, ob Deutschland in den letzten Jahren Nettoexporteur war. Ein Gutteil dieser Stromexporte finden nämlich zu Zeiten statt, wo nirgends Mangel an Strom herrscht.
Wäre das so, würde uns den niemand abnehmen.
Außerdem haben wir Strom aus den Kohlekraftwerken verkauft, die notgedrungen als Backup für die erneruerbaren vorhanden sein müssen.
Das ist in der Tat schlecht. Die gute Nachricht ist, dass der Anteil in den letzten Jahren geringer geworden ist, weil als Backups zunehmend Gaskraftwerke genutzt werden, die viel schneller regelbar sind. Das ist übrigens ein Grund, warum der Nettoexport zuletzt geringer geworden ist, siehe
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153533/umfrage/stromimportsaldo-von-deutschland-seit-1990/
https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/news/2019/oeffentliche-nettostromerzeugung-in-deutschland-2019.html
Die letzte Angabe über den Erlössaldo des Stromexports, den ich gefunden habe, stammt merkwürdigerweise aus 2015. Statistiken über die Menge der exportierten Stroms gibt es reichlich, aber auf die Schnelle finde ich keine entsprechenden Angaben über die Einnahmen durch den Export. Was den Verdacht weckt, dass wir zwar (noch) Nettoexporteur sind, der Erlös aber eher gering ist.
Über eine Quelle für die Nettoeinnahmen durch den Stromexport in € der letzten Jahre würde ich mich freuen, vielleicht kennst du ja eine.
Bitte sehr:
https://energy-charts.info/charts/power_trading/chart.htm?l=de&c=DE&dataBase=trade_sum_euro_mwh&interval=year&stacking=grouped&year=2020
Ich war auch überrascht, aber offenbar wurden im Saldo letztes Jahr über 500 Mio. € erlöst (kann man sich auf o.g. Seite anzeigen lassen). Funfact: Daten von 2015 und davor lassen sich dort nicht abrufen ...
Nein, das ist noch kein Thorium-Reaktor:
https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/chinas-nimmt-ersten-selbst-entwickelten-atommeiler-in-betrieb-a-158c8491-0e88-47c9-a7ec-1ebd747132f6
OK, ein herkömmlicher Druckwasserreaktor. Hatte mich schon gewundert. Klingt lt. Wikipedia ganz ordentlich. Wieviel Geld die dafür in die Hand genommen haben, ist jedoch nicht bekannt. Aber China hat offenbar schon Neubauprojekte in andere Länder verkauft (u.a. Pakistan). Was die dort tatsächlich umtreibt, darüber kann man nur spekulieren.
Und wie sieht es bei der Energiewende aus? Wer versichert die PV-Anlagenbetreiber und Windmüller gegen einen längeren Blackout?
Der Wetterbericht :-). Im Ernst: Der Vergleich ist nicht fair. Die Betreiber von WKAs können heutzutage den zu erwartenden Energieertrag recht gut vorausberechnen.
Bei den AKWs geht es darum, dass wenn ein Störfall eintritt die Haftungsfolgen im Umkreis von mind. 20Km so gigantisch sind, dass man das nicht seriös versichern können wird. Stell Dir nur man einen Störfall der Stufe 6 oder 7 in Neckarwestheim vor. im direkten Einzugsgebiet leben über eine Million Menschen. Wenn die alle umgesiedelt werden müssten, reden wir nicht mehr von Milliarden sondern von Kosten im Billionenbereich.
Gegen einen wirklichen Blackout wäre ein GAU harmlos, was die Opferzahl anbelangt. Und die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit zunehmender Fragmentierung der Stromversorgung.
Da bin ich - wie gesagt - anderer Meinung. Man kann so etwas heute recht gut steuern. Das Problem ist eher, dass unsere Nachbarn bei dem Thema alle Fünfe gerade sein lassen und insbesondere populistisch angehauchte Regierungen das Thema aussitzen und darauf vertrauen, dass mit dem veraltenden Anlagenpark schon nichts passieren wird. Insbesondere Belgien ist da so ein Kandidat, aber auch Polen und Tschechien.
Letztere "drohen" seit Jahren, ihren AKW-Park auszubauen. Viel passiert ist da aber noch nicht und es ist unklar, wie das finanziert werden soll und wer bauen wird (wenn, dann wohl die Chinesen).
Zusammenfassung:
Wir sollen/müssen den CO2-Ausstoß drastisch reduzieren.
ACK.
Eine stabile, zuverlässige Energieversorgung ist für Europa überlebensnotwendig.
ACK.
Die deutsche Energiewende funktioniert nicht, wenn damit erreciht werden soll, dass wir statt über Kohle/Atom durch Erneuerbare versorgen müssen.
Das kann man heute so noch nicht absehen. Noch einmal: Das Problem bei den EEs ist vor allem das Abfedern von Lastspitzen bzw. Unterversorgung aufgrund ungünstiger Wetterlage. Um damit umzugehen, passiert bereits einiges, z.B. der Bau von NorGer und NordLink, siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/NordLink
https://de.wikipedia.org/wiki/NorGer
Atomkraft in Verbindung mit einem vernünftigen(!) Anteil an erneuerbarer Energie.
Selbst wenn meine eher ökonomischen Argumente gegen Atomkraft nicht stichhaltig wären, ist der Neubau von AKWs auf demokratischen Weg in Deutschland nicht durchsetzbar. Da mag auch Irrationalität im Spiel sein, aber die Fakten lassen sich nicht so leicht wegdiskutieren. In dem Zusammenhang erinnere ich auch gerne daran, dass Österreich sogar mal eine Anlage fertig gebaut und nach einer Volksabstimmung nicht in Betrieb genommen hat.
Massive Forschung im Bereich Kernernergie und Kernfusion. Die Kleckerlesbeträge die dort investiert werden, müssen jedem EEG-Profiteur die Tränen in die Augen treiben.
Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber imho hat Atomkraft aus technologischer Sicht mittel- bis langfristig keine Zukunft. Nicht wenige Beobachter in dem Bereich sind der Meinung, dass diejenigen, die AKWs bauen das v.a. tun, um entsprechendes Know-How zu behalten bzw. zu erhalten, weil sie dieses militärisch nutzen wollen. Auf die meisten Länder, die aktuell auf Atomkraft setzen, trifft das zu (Russland, China, Indien, Pakistan, UK und Frankreich).
Wenn der Irrtum erkannt wird, hoffentlich nicht erst nach eine Katastrophe wie sie ein längerer Blackout wäre, dürfte es zu spät dafür sein. Die halbe Billion die bisher verpulvert wurde, ist schlicht weg, wenn die großzügig alimentierten EE Anlagen nach 20-30 Jahren wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt werden.
Sorry, aber das ist Quatsch. Die Gestehungskosten für Windkraft sind in den letzten 20 Jahren massiv gesunken, weshalb auch die EE-Förderung entsprechend abgeschmolzen wurde. Der Prozess ist noch nicht beendet, aber ein Ende der Fahnenstange ist afaik noch nicht erreicht. Ausführlich hier in einer Studie des VDMAs beschrieben:
http://www.vdma.org/documents/106078/913186/Langfassung%20Studie.pdf/4905f857-9892-450a-9cd1-e34569452841
Im Übrigen sind wir nicht die einzigen, die auf erneuerbare Energien setzen.
Alternativ können wir weiter fossile Brennstoffe verfeuern. Das ist zuverlässig und billig, wird uns aber eine Klimaerwärmung bringen, deren Folgen unmöglich seriös abgeschätzt werden können. Dabei mit dem Schlimmsten zu rechnen, ist wohl nicht verkehrt.
ACK
Gerade deshalb sehe ich den chinesischen Weg als den Besten an. Immerhin, wenn China in 40 Jahren CO2-Neutral ist, wird die Welt das merken - bei Deuschland eher nicht, mangels Masse.
Das ist eine gewagte Prognose.
Flinx