jo_backinTown schrieb am 06.06.2021 16:43:
Und gegen nachhaltige Mischwälder ersetzen.
Ja. Das Problem dabei ist, dass das nicht von heute auf morgen möglich ist. Der Boden in solchen Fichten-Monokulturen ist in der Regel locker und mit geringer Humusauflage - macht man da "tabula rasa", schafft jeder Starkregen den Humus ins nächste Tal. Dazu kommt, dass der Boden (weniger durch sauren Regen & Co als durch die Zersetzung der Nadeln und gebildete Huminsäuren) sauer ist und sich andere Pflanzen erstmal schwer tun, dort zu wachsen.
Größere Fichtenbestände einfach in der Fläche plattzumachen und dort zB Buchen zu pflanzen funktioniert daher eher suboptimal und Ausfälle sind vorprogrammiert. Vor diesem Problem stehen "dank" Dürre und Borkenkäfer gerade unzählige Waldbauern unfreiwillig.
Mit schrittweisem Umbau (immer nur einen Teil der Nadelbäume entfernen, den Boden aufkalken und dort dann "Laubbaumnester" pflanzen) funktioniert es weitaus besser, dauert aber bis zum vollständigen Umbau auch weitaus länger - und man muss es planen. Oder man überlässt das Ganze sich selbst, schaut zu, wie ganze Wälder dürr zusammenbrechen, lässt das Totholz liegen, wartet drauf, dass angeflogene Baumsamen austreiben (und nicht von Reh & Co verputzt werden) und muss damit leben, dass ab und an mal ein Waldbrand durchläuft. Irgendwann hat man dann einen natürlichen, standortangepassten Mischwald. Irgendwann.
Die deutschen Fichtenwälder stammen aus der Kaiserzeit und waren Rohstoffbasis für die Eisenbahn und den Bau.
Unter anderem, siehe https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Die-Klima-Revolution-auf-dem-Bau/Re-Wir-koennten-unsere-Fichtenwaelder-abholzen/posting-39030836/show/
Und das obwohl unsere Fichtenwälder direkt an den Bahngleisen stehen, trotzdem ist unsere Bahn so teuer, dass sich der Transport nicht lohnt. Der Holztransport per Schiff aus Namibia ist preisgünstiger als der mit der Bahn von Kassel nach Hamburg.
Teuer ist nicht der Holztransport in großem Maßstab. Teuer sind der Holzeinschlag selbst und der Transport vom Fällort zur Bahn - und dort sind uns Billiglohnländer halt voraus. Dass man sich in Osteuropa oder Namibia eher wenig Gedanken über irgendwelche Auflagen oder Umweltschutzverordnungen machen wird, senkt die dortigen Kosten nochmal extra.