Sehr geehrter Herr Eisenberg,
die Schließung eines Antiquariates ist grundsätzlich erst einmal ein schrecklicher Vorgang.
Allerdings sollte man sich vor Augen halten dass dies einfach nur ein weiterer Raum des Austausches von Waren ist - der in unserer Gesellschaft einfach keinen Platz mehr hat. Der tolle Vorteil der Digitalisierung ist - und das haben die Musik- und Filmschaffenden schon vor einiger Zeit erkannt - dass Inhalte unabhängig von Orten oder einem gesellschaftlichen Kontext konsumiert werden können.
Um nun Orte gestalten zu können benötigt es - wie man z.B. bei IKEA gut nachvollziehen kann - zunächst einmal die wirtschaftliche Kraft um der Gesellschaft diesen Rahmen überhaupt bieten zu können. Auch dort kann man sicherlich interessanten Menschen begegnen.
Faszinierend in diesem Zusammenhang ist dass selbst Kleinigkeiten wie Dateiformate diese neue Gesellschaft prägen. Wenn man sich z.B. mal die mobi und epub Formate anschaut - dann sieht man dass dem neuen digitalen Menschen offensichtlich weniger an Austausch sondern eher an Protektionismus gelegen ist. Oder wie würden Sie den Erfolg von Amazon erklären im Vergleich z.B. zur Onleihe ?
Wir werden uns in Zukunft noch mit Fragen beschäftigen dürfen wie z.B. welche gesellschaftlichen Auswirkungen die nachträgliche Änderung von Cloud Based Content (z.B. Zensur von nicht politisch genehmen Passagen in den digital bereitgestellen "Büchern") haben wird.
Gedrucktes mag zwar tot sein - allerdings stimmen wir täglich mit unserem Konsumverhalten auch dafür ab dass dies so ist. In der Konsequenz bleibt nur - anders zu wählen - oder selbst mit der Eröffnung eines Antiquariates tätig zu werden.