Ansicht umschalten
Avatar von _Thor_ (1)
  • _Thor_ (1)

47 Beiträge seit 13.11.2019

keine schlechte Idee...

auch wenn sie direkt wieder von selbsternannten Fachleuten verunglimpft wird. Was ist falsch daran, wenn Unternehmen aus der Finanzbranche ihr Wissen in eine solche Debatte einbringen? Wer sollte denn gefragt werden, die Müllabfuhr oder ein Heilpraktiker?

Vielleicht vorweg: ich arbeite seit gut 30 Jahren in meinem Beruf daran, das Geld anderer Leute anzulegen sowie deren Altersvorsorge zu gestalten bzw. zu ergänzen. Da diese Debatte wieder einmal mit viel Emotion bei gleichzeitig wenig Fachkenntnis geführt wird, möchte ich aus fachlicher Sicht meine Einschätzung abgeben.

Das Ausgangsproblem sollte allgemein bekannt sein: umlagebasiertes Rentensystem, seit Jahrzehnten fallende Fortpflanzungsquoten, ergo immer mehr Leistungsbezieher bei zuwenig Einzahlern. Im Ergebnis führt das dazu, dass bereits heute Milliardenbeträge aus Steuermitteln jährlich in dieses System fließen müssen, um es stabil zu halten. Gleichzeitig wird politisch festgeschrieben, dass weder die Leistungen gekürzt noch die Beiträge oder das Eintrittsalter erhöht werden sollen. Insofern ist es mehr als nur einen Gedanken wert, Lösungen zu finden und diese Idee des Aufbaus einer zusätzlichen Einnahmequelle in Form eines Anlagekapitals ist keineswegs schlecht. Die Kritiker können sich am Beispiel des norwegischen Staatsfonds mal informieren, wie erfolgreich so etwas sein kann. Außerdem ist der vorliegende Vorschlag ja nur der, dass man die zusätzlichen Mittel dazu verwenden will, damit Kapitalerträge zu generieren, um damit künftige Zuschüsse zu reduzieren. Wer sich jemals ernsthaft mit einer langfristig geplanten Geldanlagestrategie befasst hat, kann zu keiner anderen Meinung kommen, als dass es fahrlässig wäre, diesen Weg auszuschließen. Ohne hier irgendwelche Dinge empfehlen zu wollen, mal folgende gedankliche Übung: 2021, in der Zeit der Negativzinsphase hat die Republik Österreich am Kapitalmarkt eine Anleihe mit einer Laufzeit von 100 Jahren aufgenommen. Der Zins dafür beträgt 0,85 %. Das heißt, dieses Geld steht jetzt 100 Jahre lang nahezu kostenlos zur Verfügung, um damit Erträge zu generieren. Aufgrund des mittlerweile wieder gestiegenen Zinsniveaus könnten sie übrigens heute diese Anleihe auch zu einem Preis von 48% zurückkaufen, und hätten damit einfach mal gut 50% „geschenkt“ bekommen. Den Anlageberater, der es schafft, mit einer sinnvoll strukturierten Anlagestrategie aus Mitteln, die 100 Jahre lang zur Verfügung stehen, KEINEN Profit zu erzielen, muß man vermutlich erst noch erfinden. Deshalb halte ich diesen Vorschlag unter den genannten Vorzeichen auch für alternativlos, es sei denn, wir möchten weiterhin jährlich steigende Steuerbeträge aus dem Bundeshaushalt direkt in die Rentenkasse fließen lassen. Das Hauptproblem unseres Landes ist leider, dass wir von Ideologie und nicht Sachkenntnis abhängen. Deutschland hat übrigens den skizzierten Weg der langlaufenden Anleihen nicht beschritten und auf geschenktes Geld verzichtet, weil zu „risikobehaftet“. Klug war das nicht so besonders...

Bewerten
- +
  • Avatar von EnergieingenieurLE
    • EnergieingenieurLE

    mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.2014

    Antwort auf keine schlechte Idee... von _Thor_ (1).

    Ex falso quodlibet.

    Mit betriebswirtschaftlicher Argumentation kann kein volkswirtschaftliches Problem gelöst werden. Wenn du dich etwas mit der Grundproblematik der Versorgung nicht arbeitender Bevölkerungsanteile in Gänze beschäftigt hättest, könntest du wissen, dass man Versorgungsprobleme gesamtwirtschaftlich niemals durch finanzielle Taschenspielertricks lösen kann. Wohl kann jeder reich werden, aber eben nicht alle. Man stelle sich doch mal vor, du würdest deinen Job so gut machen, dass jeder ausgesorgt hätte. Können wir dann alle aufhören zu arbeiten? 😃

    Btw…deine sogenannten „Steuermittel …um das System stabil zu halten“ stellen nach allgemeiner Auffassung nur den teilweisen Ausgleich versicherungsfremder Leistungen (gern mal google bemühen) dar. Hier fremdfinanziert die Rentenkasse tatsächlich Aufgaben des Staates.

    Demografische Probleme können ebenfalls nicht finanztechnisch gelöst werden, weil die Rentner das Geld nunmal nicht fressen können. Realwirtschaftlich lassen sich Güter nämlich nicht für später ansparen. Es gibt hier nur zwei Auswege, die aber beide nicht wahrscheinlich bzw. nachhaltig sind.
    1. Erhöhung der Anlageinvestitionen zur Steigerung der Produktivität. Da ist im Moment eher nicht viel zu erwarten.
    2. Generierung von Kapitalexport, damit unsere Rentner später (mehr als heute schon) vom Ausland versorgt werden. Das ist zumindest ein riskanter Weg. Kann kurz- bis mittelfristig klappen, aber sicher nicht auf lange Sicht.

    Bewerten
    - +
  • Avatar von _Thor_ (1)
    • _Thor_ (1)

    47 Beiträge seit 13.11.2019

    Antwort auf Re: keine schlechte Idee... von EnergieingenieurLE.

    Danke für die Antwort. Ich stimme zu, dass über Jahrzehnte Unmengen versicherungsfremde Zahlungen aus der Rentenkasse entnommen wurden (und werden), die sicher eher aus dem Bundeshaushalt zu zahlen gewesen wären. Stichwort Finanzierung deutsche Einheit. Ansonsten gibt mir Ihr Beitrag leider nicht viel an die Hand, darüber zu diskutieren, weil er außer markigen Worten keine Inhalte enthält. Wie von Ihnen selbst unter Punkt 1. beschrieben, führen Anlageinvestitionen idealerweise immer zur Produktivitätssteigerung. Um nichts anderes geht es hier: statt einfach nur auszugleichen die Mittel sinnvoll zum Aufbau von Ertragsquellen zu nutzen. Wie sähe denn konkret Ihr Lösungsvorschlag aus, vielleicht können wir den in die Diskussion einbeziehen?

    Bewerten
    - +
  • Avatar von EnergieingenieurLE
    • EnergieingenieurLE

    mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.2014

    Antwort auf keine schlechte Idee... von _Thor_ (1).

    _Thor_ (1) schrieb am 05.03.2024 19:29:

    Deutschland hat übrigens den skizzierten Weg der langlaufenden Anleihen nicht beschritten und auf geschenktes Geld verzichtet, weil zu „risikobehaftet“. Klug war das nicht so besonders...

    Ich möchte noch hinzufügen (zur Güte 😉), dass ich zumindest deinem letzten Absatz zustimme. In Zeiten negativer Zinsen auf Schulden zu verzichten und gleichzeitig unter verbortestem Festhalten an der Schuldenbremse die Infrastruktur verkommen zu lassen (Bildung, Verkehr, Energieversorgung, Verwaltung…alles Bereiche die tatsächlich zumindest mittelbar zur Versorgung der Rentner beitragen), grenzt an einen Schildbürgerstreich.

    Bewerten
    - +
  • Avatar von schlamutzelnase
    • schlamutzelnase

    mehr als 1000 Beiträge seit 13.11.2015

    Re: "Das Ausgangsproblem"

    Antwort auf keine schlechte Idee... von _Thor_ (1).

    ist, dass viel zu wenig Bauern für unsere Ernährung arbeiten, jedenfalls viel, viel weniger als vor 100 oder sogar 50 oder 25 Jahren. Jetzt müssen wird verhungern.😉

    Bewerten
    - +
  • Avatar von edm (1)
    • edm (1)

    13 Beiträge seit 25.10.2015

    Antwort auf keine schlechte Idee... von _Thor_ (1).

    Sehr einseitige Sichtweise, hier mal eine andere:

    Volker Pispers erklärt das marode deutsche Rentensystem
    https://www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php?id=10487

    Link zum Video bei YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=xp5H52quEYg

    Das deutsche Rentensystem wird seit Anbeginn beschränkt, zersetzt, ausgeplündert, zerstört usw. Wo das enden wird? Siehe Pispers ... - oh, ich vermisse ihn so sehr ;-(.

    Bewerten
    - +
Ansicht umschalten