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  • kulinux

mehr als 1000 Beiträge seit 29.01.2001

Eine der wichtigsten Fragen …

Wie bedeutsam ist die Eigendynamik des Krieges, die sich von dem Moment an entfaltete, an dem die deutschen Truppen die Grenze überschritten?

Antwort: "sehr bedeutsam" oder auch "wenig bedeutsam" oder meinetwegen "in gewisser Weise bedeutsam".

Wie bedeutsam sind Nervosität und der Einbruch von Ängstlichkeit, der "Wunsch, jedes Risiko zu vermeiden, aber trotzdem fortgesetzt Erfolge einzuheimsen"

hier dieselben "Antworten".

Das sind typische "schwurbelwissenschaftliche" Fragen, die sich weder sinnvoll beantworten lassen noch einen Sinn oder gar Erkenntnisgewinn brächten, wenn sie sich beantworten ließen.

"Wie bedeutsam" etwas ist, für jemanden anderen war oder in Zukunft aus Sicht der Historiker sein wird, hängt von so vielen, weitgehend beliebig zu gewichtenden Aspekten ab, dass die Beantwortung gar nicht sinnvoll sein KANN.

Dagegen könnte man es angesichts eines Verbrechens, das angeblich "viel zu monströs [ist], als dass man [es] begreifen könnte" – noch so eine typische Ausrede der Schwurbelwissenschaftler und insbesondere deutscher "Historiker", um nicht ernsthaft WISSENschaft betreiben zu müssen – doch mal mit den guten alten Römern die Frage stellen: "Cui bono?" Die hat bekanntlich noch immer geholfen, die Motivation hinter einem Verbrechen aufzudecken oder zumindest plausibel zu machen.

Also: Nicht fragen "Was schreibt Person X in ihrem Tagebuch?", sondern: "Was sind die tatsächlich abgelaufenen Geschehnisse und die dabei realisierten Vorteile für wen?"
Dazu müsste man also fragen:
– Wer hat am Weiterlaufen der Kriegsmaschinerie verdient?
– Wer hat sich vom eroberten "Lebensraum" im Osten, seinen Bodenschätzen, Arbeitssklaven, Agrarprodukten etc. den größten Gewinn erhoffen dürfen bzw. diesen sogar realisiert (z.B. durch die deportierten Zwangsarbeiter)?
– Wer hat das Ganze finanziert und damit welche Gewinne gemacht?
– usw. usf.

Aber Vorsicht: Teile der Antwort könnten die Bevölkerung verunsichern (weshalb Historiker vermeiden, diese Fragen zu stellen). Denn es könnte rauskommen, dass dieselben "Eliten" – nicht nur funktionell (Bankster und ihre Auftraggeber), institutionell (dieselben Banken und sonstigen Firmen), sondern sogar familiär – noch immer das Sagen in diesem Land bzw. weltweit haben. Und DIESE einfache historische Erkenntnis möchte man dem Pöbel doch lieber vorenthalten, sonst könnte er angesichts der wieder anlaufenden Hetze gegen den pöhsen Iwan (der jetzt Wladimir heißt), Fragen stellen wie: "Soll ich mich eigentlich schon wieder da in einen Krieg schicken lassen oder mich zuhause opfern – was hätte ICH denn davon?"

Eine "historische Wissenschaft", die die politische Ökonomie hinter ihren Phänomenen nicht sehen kann, nicht sehen WILL und vor allem: nicht sehen DARF, ist dazu verdammt, "Schwurbelwissenschaft" zu bleiben, die sich immer wieder an der Interpretation irgendwelcher Tagebücher "abarbeitet", statt die Rechnungsbücher durchzuschauen, in denen die Antworten stehen.

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  • Avatar von Braman
    • Braman

    mehr als 1000 Beiträge seit 09.07.2013

    Antwort auf Eine der wichtigsten Fragen … von kulinux.

    Wer hat sich vom eroberten "Lebensraum" im Osten, seinen Bodenschätzen, Arbeitssklaven, Agrarprodukten etc. den größten Gewinn erhoffen dürfen

    z.B. einige GroßGrundbesitzer die als Offiziere in der Wehrmacht (von 1933 bis 1944)"dienten".
    Dann aber, als der Kriegsverlauf nicht wie gewünscht verlief, der Schuss im wahrsten Sinne "nach hinten" los ging, wurde versucht zu retten was nicht mehr zu retten war.
    Das war dann "der Widerstand" derer, die mindestens 10 Jahre die treuesten Unterstützer, Steigbügelhalter eifrigsten Vasallen des "Führers" waren.
    https://www.marx21.de/stauffenberg-ein-nazi-wollte-hitler-toeten/

    MfG: M.B.

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  • Avatar von Emma Peel
    • Emma Peel

    mehr als 1000 Beiträge seit 21.03.2016

    Antwort auf Re: Eine der wichtigsten Fragen … von Braman.

    Braman schrieb am 27.06.2021 18:27:

    Wer hat sich vom eroberten "Lebensraum" im Osten, seinen Bodenschätzen, Arbeitssklaven, Agrarprodukten etc. den größten Gewinn erhoffen dürfen

    z.B. einige GroßGrundbesitzer die als Offiziere in der Wehrmacht (von 1933 bis 1944)"dienten".
    Dann aber, als der Kriegsverlauf nicht wie gewünscht verlief, der Schuss im wahrsten Sinne "nach hinten" los ging, wurde versucht zu retten was nicht mehr zu retten war.
    Das war dann "der Widerstand" derer, die mindestens 10 Jahre die treuesten Unterstützer, Steigbügelhalter eifrigsten Vasallen des "Führers" waren.
    https://www.marx21.de/stauffenberg-ein-nazi-wollte-hitler-toeten/

    MfG: M.B.

    Und nicht umsonst galten die Angehörigen dieser Offiziere in ihrer Gesellschaftsschicht als Verräter, weshalb so noble Namen wie von Dohnanyi in der SPD auftauchten und nicht im bürgerlichen Parteienspektrum. Man hatte sich schließlich doch was ausgerechnet und fleissig beim Feldzug mitgeplant.

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  • Avatar von Braman
    • Braman

    mehr als 1000 Beiträge seit 09.07.2013

    Antwort auf Re: Eine der wichtigsten Fragen … von Emma Peel.

    Man hatte sich schließlich doch was ausgerechnet und fleissig beim Feldzug mitgeplant.

    So war es schon immer und so ist es auch heute noch. Wenn Beute winkt (Land, Posten, Macht, ....) dann macht man doch gerne mit.
    Bei Stauffenberg kam aber die tiefbraune Gesinnung noch dazu.

    MfG: M.B.

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  • Avatar von KoalaHR
    • KoalaHR

    99 Beiträge seit 24.07.2014

    Antwort auf Eine der wichtigsten Fragen … von kulinux.

    Zum Themenkreis "cui bono" lohnt sich m.E. die Lektüre von "Hitlers Volksstaat" von Götz Aly. Dort wird - unter Berücksichtigung der Rechnungsbücher - beschrieben, wie die Hitler-Regierung nahezu das gesamte deutsche Volk zu Begünstigten des Raubkrieges gemacht hat, um negative Entwicklungen an der Heimatfront wie 1917/18 zu vermeiden.

    Bis Anfang '45 hat im Reich keiner gehungert und keiner gefroren. Es kamen Beutepakete gut organisiert und in großer Zahl. Kaum ein Fronturlauber kam mit leeren Händen. Es waren eben nicht nicht nur ein paar Bankster, die profitiert haben. Vielmehr hat man offenbar breite Teile des Volkes korrumpiert und zu Komplizen gemacht.

    Die Verheißung der Ostbesiedlung durch eine Gemeinschaft von Wehrbauern mag für uns Heutige vielleicht bizarr klingen. Für viele Landarbeiter war das ein persönlicher Kriegsgrund. Also nicht nur für adlige Großgrundbesitzer.

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  • Avatar von c.renée
    • c.renée

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.03.2011

    Antwort auf Eine der wichtigsten Fragen … von kulinux.

    Danke.

    Gut dass es Menschen wie Sie gibt, die hier den kühlen Kopf bewahren.

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  • Avatar von kulinux
    • kulinux

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.01.2001

    Antwort auf Re: Eine der wichtigsten Fragen … von KoalaHR.

    KoalaHR schrieb am 28.06.2021 01:02:

    Zum Themenkreis "cui bono" lohnt sich m.E. die Lektüre von "Hitlers Volksstaat" von Götz Aly.

    Jein.
    Denn mit dem Finger auf die vielen kleinen Profiteure zu zeigen, die nachträglich auch 'etwas vom Kuchen abbekamen', ist angesichts der Profite der Anstifter und Verursacher eigentlich auch schon wieder als Ablenkungsmanöver zu bezeichnen.

    Dort wird - unter Berücksichtigung der Rechnungsbücher

    Ich meinte eher die der großen Banken und Konzerne.
    Vom Vermögen der IG Farben ist bspw. nach dem Krieg fast alles für die jahrzehntelange "Liquidierung" draufgegangen, der Rest den Nachfolge- = Vorgängerfirmen (rück)übertragen worden.
    Die IG Farben hat aber überhaupt erst den Anstoß zum Bau von Auschwitz als Arbeitslager für ihr Chemiewerk dort gegeben. Weder sind die (Un)Verantwortlichen und ihre Aktionäre – die ja in Hauptversammlungen das Handeln der Manager absegnen – bestraft worden, noch die Opfer oder ihre Nachfahren entschädigt worden.

    - beschrieben, wie die Hitler-Regierung nahezu das gesamte deutsche Volk zu Begünstigten des Raubkrieges gemacht hat, um negative Entwicklungen an der Heimatfront wie 1917/18 zu vermeiden.

    Dabei dürfte der "Verteilungsschlüssel" aber so ähnlich gewesen sein wie sonst auch im Kapitalismus bzw. sogar schlechter, also z.B. so wie in "Krisen", die nur riesige Umverteilungsaktionen sind – die aktuelle muss man sogar als dreisten Raubzug bezeichnen.
    Warum hatten die "kleinen Leute" denn nach dem Krieg keine Reichtümer und wurde – bis auf Grund- und Aktienbesitz – in der "Währungsreform" enteignet? Den Krupps, Thyssens, Quandts, Henckels … usw. deren Nachfahren heute noch ein Schmarotzerdasein dank leistungsloser Einkommen führen ging es nach dem Krieg nicht schlechter als vorher, sondern sogar besser.


    Bis Anfang '45 hat im Reich keiner gehungert und keiner gefroren.

    Bis auf die paar Millionen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die sich versteckenden Juden und noch ein paar andere … nicht der Rede wert, oder?

    Es kamen Beutepakete gut organisiert und in großer Zahl. Kaum ein Fronturlauber kam mit leeren Händen.

    Aber "einige" kamen eben gar nicht mehr – so wie drei Brüder meiner Großmutter.
    Der "finanzielle" Verlust für die um drei kräftige Handwerker beraubten Familie – inkl. Vertreibung – ist wohl kaum durch die Kriegsgewinne irgendwelcher kleinen Leute aufzuwiegen. Da müsste man sich eben an die Millionen- und Milliardengewinnler halten … übrigens nicht nur die deutschen, sondern auch GM, die dank Opel ja auch ganz kräftig am Krieg verdient haben.

    Es waren eben nicht nicht nur ein paar Bankster, die profitiert haben.

    Nein, aber sie haben das Ganze angezettelt – und am Schluss haben nur sie (und die anderen Großkapitalisten) profitiert. Und abgerechnet wird bekanntlich am Schluss = nach 8.5.1945.

    Vielmehr hat man offenbar breite Teile des Volkes korrumpiert und zu Komplizen gemacht.

    Natürlich, anders wäre das Ganze wohl auch kaum durchführbar gewesen.
    "Wir" sind ja keine "Russen", die einfach so ihre Heimat bis zum letzten Blutstropfen verteidigen, weil sie sahen, was die Deutschen mit ihnen anrichteten – und was und in wessen Interesse das geschah.
    Und leider gilt immer noch Brechts Diktum:
    "Der Schoß ist fruchtbar noch,
    aus dem DAS kroch."

    Die Verheißung der Ostbesiedlung durch eine Gemeinschaft von Wehrbauern mag für uns Heutige vielleicht bizarr klingen. Für viele Landarbeiter war das ein persönlicher Kriegsgrund. Also nicht nur für adlige Großgrundbesitzer.

    Du glaubst im Ernst die Verteilung des "Lebensraums" im Osten wäre vorzugsweise an die kleinen deutschen Bauern erfolgt? Wirklich??
    Und selbst WENN, dann wäre das im Zuge der kapitalistischen Agrarindustrie durch die dem Kapitalismus innewohnenden Konzentrationsprozesse spätestens in 2 Generationen zugunsten der "Juncker" wieder "korrigiert" worden.

    Also, der gute Herr Aly mag ja in manchem, was er so sagt und schreibt, Recht haben – aber nicht längst in allem. Und es ist eben aus meiner Sicht für einen Historiker unredlich, wenn er angesichts einer vorherrschenden Vertuschung der wahren Verantwortlichkeiten und Profiteure auf die "kleinen Leute" zeigt, ohne die zugegebenermaßen der ganze Krieg gar nicht hätte geführt werden können. Deshalb sollten gerade Deutsche heute ganz besonders hellhörig werden und klar ablehnende Position beziehen, wenn ihnen wieder jemand einzureden versucht, ihre Heimat müsse "im Osten" durch Angriff verteidigt werden, z.B. am Hindukusch.
    Die Kriegsprofiteure und daher auch: -Anstifter und -Treiber sind immer noch dieselben, die Opfer (ob als Täter = Kanonenfutter oder als Einheimische vor Ort auch.
    Denn "Der Schoß ist fruchtbar noch …" – ach ja, schrieb ich ja schon.

    "Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen" (Horkheimer) … den (den Faschismus) übrigens sein "Erfinder" Mussolini als Vereinigung von Kapital und Politik definiert hatte. Und jetzt schaue man mal, in wessen Diensten in DE oder den USA (dort ist es jeweils wissenschaftlich nachgewiesen) die Politik Politik macht … es sind die oberste 10%, d.h. das eine Prozent wirklich entscheidender Kapitalbesitzer samt ihrer 9% willfähriger "Funktionselite" = Marionetten wie Manager und Politiker.

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  • Avatar von kulinux
    • kulinux

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.01.2001

    Antwort auf Re: Eine der wichtigsten Fragen … von c.renée.

    Danke.
    Fällt allerdings schwer*, einen kühlen Kopf zu bewahren angesichts des galoppierenden Irrsinns von Hartz IV über die Politik in der Krise, welche ein Raubzug ist bis zur Russland-Politik, aber man tut, was man kann ;-)

    *…und ist dann gelegentlich in meinen "ausfallenden" Postings rauszuhören. Aber die werden dann ja dankenswerterweise von den Admins wegzensiert. Wo kämen wir auch hin, wenn man Ross und Reiter beim Namen nennt und wütend darüber ist, dass ihr Wüten als Schreibtischtäter heute wie allezeit Millionen von Unschuldigen opfert?

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    • c.renée

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.03.2011

    Antwort auf Re: Eine der wichtigsten Fragen … von kulinux.

    Bei mir geht es eher um ADS, also quasi ein "technisches" Problem. Einem "roten Faden" zu folgen und meine Gedanken auf das Wesentliche einzuhegen gleicht dem Versuch, bei einem Orkan draußen ein Skatspiel zu veranstalten.

    Darum bin ich begeistert von möglichst "sortiert" vorgebrachten Beiträgen, welche schnörkellos und in klaren Worten das Wesentlichste darstellen. ADS heißt leider auch, dass ich mich manchmal auf "Holzwege" mit ablenkenden Nebenschauplätzen verlaufe.

    Schön wäre ja ein Platz, wo man sich auch mal in Ruhe unterhalten kann.

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  • Avatar von KoalaHR
    • KoalaHR

    99 Beiträge seit 24.07.2014

    Antwort auf Re: Eine der wichtigsten Fragen … von kulinux.

    kulinux schrieb am 28.06.2021 12:00:

    KoalaHR schrieb am 28.06.2021 01:02:

    Zum Themenkreis "cui bono" lohnt sich m.E. die Lektüre von "Hitlers Volksstaat" von Götz Aly.

    Jein.
    Denn mit dem Finger auf die vielen kleinen Profiteure zu zeigen, die nachträglich auch 'etwas vom Kuchen abbekamen', ist angesichts der Profite der Anstifter und Verursacher eigentlich auch schon wieder als Ablenkungsmanöver zu bezeichnen.

    Ein Ablenkungsmanöver von einer Hypothese. Natürlich haben die Kapitalisten davon profitiert, denn sie profitieren in einem kapitalistischen System immer mehr als andere. Das tun sie aber auch ohne eine offene Diktatur.

    Aber, daß es eine Verschwörung von Junkern und Plutokraten gab, die zum Krieg, zum faschistischen Terror und zur Ausbeutung von Zwangsarbeitern angestiftet haben, ist ja nicht so leicht zu zeigen. Die haben die Zwangsarbeiter nämlich bezahlt, wenn auch auf der geringsten Tarifstufe. Die Löhne sind halt nur nicht Cash ausgezahlt worden, sondern haben über Reichsanleihen und Sozialabgaben den Staatsbankrott verhindert.

    Dort wird - unter Berücksichtigung der Rechnungsbücher

    Ich meinte eher die der großen Banken und Konzerne.
    Vom Vermögen der IG Farben ist bspw. nach dem Krieg fast alles für die jahrzehntelange "Liquidierung" draufgegangen, der Rest den Nachfolge- = Vorgängerfirmen (rück)übertragen worden.
    Die IG Farben hat aber überhaupt erst den Anstoß zum Bau von Auschwitz als Arbeitslager für ihr Chemiewerk dort gegeben. Weder sind die (Un)Verantwortlichen und ihre Aktionäre – die ja in Hauptversammlungen das Handeln der Manager absegnen – bestraft worden, noch die Opfer oder ihre Nachfahren entschädigt worden.

    Die IG-Farben hat das Werk im GG gebaut, weil es dort jenseits der Bombergefahr lag und weil es dort überhaupt Arbeitskräfte gab. Deutsche Arbeiter waren ja an der Front.
    Aber ja, du hast Recht, die Aktionäre haben nicht gegen die barbarischen Bedingungen protestiert. Denn man hat dafür gesorgt, daß sie es nicht wissen mußten, wenn sie es nicht wissen wollten. Und sie wollten nicht.

    - beschrieben, wie die Hitler-Regierung nahezu das gesamte deutsche Volk zu Begünstigten des Raubkrieges gemacht hat, um negative Entwicklungen an der Heimatfront wie 1917/18 zu vermeiden.

    Dabei dürfte der "Verteilungsschlüssel" aber so ähnlich gewesen sein wie sonst auch im Kapitalismus bzw. sogar schlechter, also z.B. so wie in "Krisen", die nur riesige Umverteilungsaktionen sind – die aktuelle muss man sogar als dreisten Raubzug bezeichnen.

    Genau.

    Warum hatten die "kleinen Leute" denn nach dem Krieg keine Reichtümer und wurde – bis auf Grund- und Aktienbesitz – in der "Währungsreform" enteignet? Den Krupps, Thyssens, Quandts, Henckels … usw. deren Nachfahren heute noch ein Schmarotzerdasein dank leistungsloser Einkommen führen ging es nach dem Krieg nicht schlechter als vorher, sondern sogar besser.

    Das haben genau die Leute gemacht, die bis heute dieses Land regieren und bis heute eine Erbschaftssteuer auf Eigentum an Produktionmitteln wegschwafeln. Wegen der Arbeitsplätze, weißte ja. Deshalb haben wir hier uralte Parasitendynastien, über deren Babyglück dann die Yellow Press schreibt.

    Das funktioniert also auch ohne Krieg und offene Diktatur. Überall auf der Welt. Warum soll ich dann die Existenz einer Verschwörung annehmen?

    Bis Anfang '45 hat im Reich keiner gehungert und keiner gefroren.

    Bis auf die paar Millionen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die sich versteckenden Juden und noch ein paar andere … nicht der Rede wert, oder?

    Mir geht es darum, welche Deutschen vom Krieg und vom Holocaust profitiert haben. Die deutschen Juden und die deutschen KZ-Häftlinge waren es nicht. Das ist mir auch klar.

    Es kamen Beutepakete gut organisiert und in großer Zahl. Kaum ein Fronturlauber kam mit leeren Händen.

    Aber "einige" kamen eben gar nicht mehr – so wie drei Brüder meiner Großmutter.
    Der "finanzielle" Verlust für die um drei kräftige Handwerker beraubten Familie – inkl. Vertreibung – ist wohl kaum durch die Kriegsgewinne irgendwelcher kleinen Leute aufzuwiegen. Da müsste man sich eben an die Millionen- und Milliardengewinnler halten … übrigens nicht nur die deutschen, sondern auch GM, die dank Opel ja auch ganz kräftig am Krieg verdient haben.

    Ich hoffe, ich klinge da nicht unsensibel, aber die Versorgungsansprüche deutscher Familien für an der Front stehende (oder dort gefallene) Männer waren beträchtlich höher als z.B. in den USA oder Großbritannien. Und das Geld dafür kam aus Frankreich, Holland, Polen, Griechenland und eben auch aus der Sowjetunion. Dieses Geld ist nicht in die Bilanzen der Konzerne geflossen, sondern ist in die Kriegswilligkeit investiert worden.

    Es waren eben nicht nicht nur ein paar Bankster, die profitiert haben

    .

    Nein, aber sie haben das Ganze angezettelt – und am Schluss haben nur sie (und die anderen Großkapitalisten) profitiert. Und abgerechnet wird bekanntlich am Schluss = nach 8.5.1945.

    Vielmehr hat man offenbar breite Teile des Volkes korrumpiert und zu Komplizen gemacht.

    Natürlich, anders wäre das Ganze wohl auch kaum durchführbar gewesen.
    "Wir" sind ja keine "Russen", die einfach so ihre Heimat bis zum letzten Blutstropfen verteidigen, weil sie sahen, was die Deutschen mit ihnen anrichteten – und was und in wessen Interesse das geschah.
    Und leider gilt immer noch Brechts Diktum:
    "Der Schoß ist fruchtbar noch,
    aus dem DAS kroch."

    Die Verheißung der Ostbesiedlung durch eine Gemeinschaft von Wehrbauern mag für uns Heutige vielleicht bizarr klingen. Für viele Landarbeiter war das ein persönlicher Kriegsgrund. Also nicht nur für adlige Großgrundbesitzer.

    Du glaubst im Ernst die Verteilung des "Lebensraums" im Osten wäre vorzugsweise an die kleinen deutschen Bauern erfolgt? Wirklich??
    Und selbst WENN, dann wäre das im Zuge der kapitalistischen Agrarindustrie durch die dem Kapitalismus innewohnenden Konzentrationsprozesse spätestens in 2 Generationen zugunsten der "Juncker" wieder "korrigiert" worden.

    Niemand kann sagen, was nach einem "Endsieg" diesbezüglich passiert wäre. Das System hatte aber einen populistischen Zug. Es hätte (zumindest zunächst) liefern müssen, sonst wäre es ins Wanken gekommen.

    Also, der gute Herr Aly mag ja in manchem, was er so sagt und schreibt, Recht haben – aber nicht längst in allem. Und es ist eben aus meiner Sicht für einen Historiker unredlich, wenn er angesichts einer vorherrschenden Vertuschung der wahren Verantwortlichkeiten und Profiteure auf die "kleinen Leute" zeigt, ohne die zugegebenermaßen der ganze Krieg gar nicht hätte geführt werden können.

    Aly zeigt, wie die kleinen Leute profitiert haben. Das kannst du nicht widerlegen und willst es vielleicht auch nicht. Du kannst ihm nicht vorwerfen, daß er nicht beweist, was du behauptest: daß die Plutokraten die Hauptschuld haben. Vielleicht kann er es nicht beweisen. Weil es womöglich nicht stimmt. Man muß m.E. zur Kenntnis nehmen, daß die nationalsozialistische Ideologie eine eigene starke Wirkkraft hatte. Die Dinge können sich also durchaus auch aus deren eigener Agenda so entwickelt haben. Mit mehr oder weniger Beifall aus verschiedenen Interessenlagern.

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