Alles nachvollziehbar und korrekt. Aber der springende Punkt ist grundsätzlicher. Die Produktivität der deutschen Wirtschaft hat schon vor einigen Jahrzehnten die inländische Kaufkraft hinter sich gelassen. Die Übernahme der Ex-DDR hat nochmals eine Atempause verschafft, doch zu Zeiten der Schröder-Regierung war klar, dass nur eine aggressive Exportförderung die überschüssige Produktion allokationsfähig machen würde. Also wurde 'reformiert', sprich in erster Linie ein Niedriglohnsektor durchgesetzt, der die inländischen Produktionskosten erheblich senkte. Damit wurde die Kaufkraft der Betroffenen zwar mitgesenkt, was aber, bei gleichzeitig von China angetriebener, relativ robuster Weltkonjunktur, noch verkraftbar war, zumal die übrigbleibende Mittelklasse nach Kräften kompensierte.
Und so stieg der Exportanteil am Output der deutschen Wirtschaft immer höher. Das war eine weitgehend erzwungene Entwicklung. Erzwungen durch die inneren Aporien des Wirtschaftssystems. Dass diese nicht ewig unter Kontrolle gehalten werden können, ist naheliegend. Die durch den Krieg gegen Russland ausgelöste Verschlechterung der Terms of trade bringt Deutschland in eine prekäre Situation, zumal gleichzeitig die globale Verschuldungsorgie der letzten Jahrzehnte nun ihren Tribut in Form von Inflation fordert, das Wirtschaftswachstum also global gebremst wird. Dazu rieselt immer mehr Klimasand ins Getriebe der kapitalistischen Weltwirtschaft.
Kurz, eine eigentliche Lösung gibt es nicht. Die ökonomischen Dinge werden sich schleichend oder auch ruckartig verschlechtern. Daran ändern auch neue megalomane Infrastrukturprogramme, wie sie der westliche Teil der G20 angekündigt hat nichts. Im Gegenteil, die damit verbundene erhöhte ökologische Belastung wird das Problem vergrössern.