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  • Flintix

mehr als 1000 Beiträge seit 06.11.2020

Re: "Sind alle Ukrainer für den Krieg?"

Wer mal ein paar Stimmen aus der Ukraine, vor der Invasion, lesen will.

Den fand ich ganz interessant:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-02/ukraine-bevoelkerung-russland-konflikt-kriegsgefahr-alltag

Wladimir Putins Forderungen an die Nato, ihre Truppen in Osteuropa zurückzuziehen, sind aus dessen Sicht schon folgerichtig. Denn sie könnten uns im Zweifelsfall helfen, unsere Verteidigung zu koordinieren. Sie haben erfahrenes Personal, während es in unserer Armee viele Wehrdienstleistende gibt, die keine Kampferfahrung haben. Wenn es nötig sein sollte, wäre auch ich bereit zu kämpfen.

Seit fast acht Jahren leben wir also in der sogenannten LNR (der selbst ernannten Luhansker Volksrepublik, Anmerkung der Redaktion). Langsam ist es den Menschen egal, ob sie zur Ukraine oder zu Russland gehören. Sie wollen einfach wieder in einem Gebiet leben, das international anerkannt wird. Wo, ist zweitrangig. Wir sind heute eine Stadt der überflüssigen Menschen.

Jedes Mal, wenn ich aus der sogenannten Luhansker Volksrepublik hinausfahre, kann ich wieder frei durchatmen. Die Luft der Freiheit!

Vor 2014 konnte ich mir nicht vorstellen, dass es im Europa des 21. Jahrhunderts Krieg geben könnte. Ich habe mich geirrt. Die russische Regierung handelt pragmatisch, sie schaut, was sie sich erlauben kann, und tut es dann. Gleichzeitig ist Wladimir Putin ein Mensch mit Überzeugungen: Er glaubt tatsächlich, dass eine russische Dominanz für die Nachfolgestaaten der Sowjetunion das Beste wäre, und er glaubt an die Unterlegenheit der Demokratie. Die Nato ist für ihn daher ein Glücksfall, er kann sie stets als Bedrohung darstellen und das sorgt für innere Einheit.

Wobei Putin womöglich eines nicht bedacht hat: Seine Außenpolitik war eine Schocktherapie für die Ukraine, ein Schnellkurs in Antisowjetisierung. 2013 wollte hier fast niemand einen Nato-Beitritt, inzwischen wünscht sich das eine Mehrheit. Putin beschleunigt ungewollt die Orientierung der Ukraine nach Westen. Und 2013 hatten wir eine schwache Armee, jetzt ist die ukrainische Armee viel stärker.

Außerdem steht nicht fest, dass es überhaupt Krieg geben wird. Die russischen Soldaten sind auch nur Menschen, normale Jungs und Männer wie wir. Sie befolgen Befehle, selbst haben sie kein Interesse am Blutvergießen. Sie sind nicht motiviert, sie wissen, dass sie in der Heimat nicht geschätzt werden: Wenn sie sterben, wird das vertuscht, sie werden nicht als Helden gefeiert, nicht mal ordentlich beerdigt. Daher erwarte ich höchstens kleinere Gefechte im Osten, keinen großflächigen Angriff.

Putins Drohungen sind ein Bluff. Er steht unter Zugzwang, fürchtet um seine Macht. Den Donbass braucht er an sich nicht. Er hält den Konflikt nur am Laufen, weil er weiß: Die Nato wird kein Land aufnehmen, auf dessen Gebiet gekämpft wird.

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  1. - Desputin 0 "Sind alle Ukrainer für den Krieg?"
    1. Vladimir D. -54 Re: "Sind alle Ukrainer für den Krieg?"
    2. Flintix -40 Re: "Sind alle Ukrainer für den Krieg?"
    3. heiner49 -100 Kein Ukrainer ist für einen Krieg in der Ukraine
      1. unbekannter Benutzer 100 realitätscheck
        1. GBöttcher 80 Re: realitätscheck
          1. unbekannter Benutzer   Re: realitätscheck
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