in denen sich Putins Armee gerade bis auf die Knochen blamiert, von ein paar heldenhaften ukrainischen "Widerstandskämpfern" aufgehalten und fast schon zurückgedrängt wird, sieht Scott Ritter, ehemaliger Inspekteur, der "ergebnisoffen" in den Irak geschickt wurde, um die von Saddam versteckten Chemiewaffen ausfindig zu machen, eine ganz andere Sachlage:
""Die Mainstreammedien behaupten, sie hätten das russische Strategiebuch, denn ich höre immer, dass dieser Einmarsch nicht nach Plan laufe. Wir sehen hier eine klassische Invasion entlang mehrerer Achsen, die versucht, die feindlichen Truppen zu fixieren, ihre Kommando- und Kontrollstruktur zu zerstören, sie einzukreisen und strategisch wichtige Punkte einzunehmen. Das Vordringen ist schneller als jenes im deutschen Blitzkrieg im zweiten Weltkrieg."
Die ukrainische Armee habe 260.000 reguläre Soldaten, die nach NATO-Standards ausgebildet und ausgerüstet seien, mit einheitlichem Kommando und Kontrolle, und weitere 200.000 bis 300.000 Reservisten und Hilfstruppen. Dagegen stehe das russische Militär mit derzeit 190.000 bis 200.000 Mann [in der Ukraine].
"Normalerweise will man in einem militärischen Einsatz eine Übermacht von drei zu eins für die Offensive, die Russen kommen tatsächlich mit einem Nachteil von eins zu drei, eins zu vier. Aber nach den Daten letzter Woche haben sie einen Vorteil von eins zu sechs bei den Verlusten."
Dennoch verzichte die russische Armee auf viele mögliche Vorteile. "Ich war wie alle anderen überrascht, als sie diese Offensive anfingen, geradezu mit einer auf den Rücken gebundenen Hand." Sie hätten die Möglichkeit gehabt, ukrainische Truppen in den Kasernen zu vernichten, aber darauf verzichtet, weil sie nicht nur möglichst wenig Zivilisten, sondern auch möglichst wenige ukrainische Soldaten töten wollten.
Die ukrainische Armee liefere einen soliden Kampf, aber sie verliere:
"Früher oder später wird man sehen, wie sie sich massenhaft ergeben, weil ihnen die Munition, das Essen, das Wasser oder das Benzin ausgehen, und sie vor der Wahl stehen, einen sinnlosen Widerstand aufzugeben oder zu sterben."
Ritter beschreibt die klassische russische Taktik so: "Den Ort bestimmen und dann mit massivem Feuer der Artillerie, aus Raketenwerfern und Mörsern auslöschen und danach wie mit der Dampfwalze darüber rollen." Diesmal habe die russische Armee auf den Vorteil der Feuerüberlegenheit verzichtet. "Wenn man so gegen eine feindliche Einheit auf bebautem Grund vorgeht oder in einer dicht besiedelten Vorstadt, dann führt das zum Tod Zehntausender von Zivilisten." Also werde nur dann Artillerie eingesetzt, wenn genaue Kenntnisse über Fähigkeiten und Lokalisierung des Gegners vorliegen.
Wenn Truppen in bewohnten Gebieten ständen, dann wäre es kein Kriegsverbrechen, sie auszuschalten.
Die wahre Schwäche der Russen läge im Bereich der Propaganda. Diese Art der Kriegsführung beherrsche der Westen dagegen perfekt. Die CIA sitze im ukrainischen Informationsministerium und habe völlig unter Kontrolle, was in Europa erzählt wird. Das sei eine verdeckte politische Aktion, die sogar die Genehmigung des US-Präsidenten benötige, weil schließlich nicht in Europa gelogen, in den USA aber die Wahrheit gesagt werden könne; der CIA aber eine Beeinflussung der Meinung in den USA strikt untersagt sei.
Mit eben dieser Aussage stehen übrigens Scott Ritter und William Burns nicht alleine. In einem Kommentar auf MSNBC vom 4. März 2022 wird ein ehemaliger Direktor der Russland-Abteilung der CIA namens George Beebe zitiert, der sagte:
"Die Wahl, vor der wir in der Ukraine standen – und ich nutze absichtlich die Vergangenheitsform – war, ob Russland sein Veto zu einer NATO-Beteiligung in der Ukraine am Verhandlungstisch oder auf dem Schlachtfeld ausüben würde. Und wir entschieden uns, dafür zu sorgen, dass das Veto auf dem Schlachtfeld ausgeübt wird, in der Hoffnung, dass Putin sich entweder zurückhält oder der Militäreinsatz scheitert."
Anders als die deutsche Presse vermittelt die derzeitige Analyse von Scott Ritter allerdings keineswegs den Eindruck eines Scheiterns."