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Avatar von teutolith
  • teutolith

mehr als 1000 Beiträge seit 25.03.2014

Widersinnige Argumente

Vieles von dem, was im Interview gesagt wird, halte ich für richtig. Es gibt aber ein paar Stellen, da kann ich mich nur wundern.

Erstens muß man sich natürlich, solange man noch so wenig weiß wie am Beginn der Pandemie, auf den ungünstigsten möglichen Verlauf vorbereiten. "Wird schon gutgehen" kann zigtausende Menschen das Leben kosten, wenn es dann doch schlimmer kommt. Risiko ist Schadenshöhe mal Eintrittswahrscheinlichkeit. Ein einziges Tschernobyl hätte eigentlich reichen sollen, um zu verstehen, daß unwahrscheinlich nicht gleich ausgeschlossen ist.

Je mehr man dann dazulernt, desto genauer kann man die Maßnahmen anpassen. Das erfordert aber, daß man sich korrigiert, und das möglicherweise mehrfach. Das verstehen Gegner irgendwelcher Maßnahmen dann als planlosen Zickzackkurs - nötig ist es trotzdem. In der Rückschau ist es immer leicht, rechtzuhaben, zumal man nicht mit den Folgen einer lockereren Politik konfrontiert ist. Hier ist nochmal das Bild Deutschland gegen Bulgarien:

https://ourworldindata.org/explorers/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=true&time=2020-03-01..latest&facet=none&pickerSort=asc&pickerMetric=location&Metric=Confirmed+deaths&Interval=Cumulative&Relative+to+Population=true&Color+by+test+positivity=false&country=DEU~BGR

Diesem Bild zufolge wäre Deutschland, hätte es die Pandemie auf "bulgarische Weise" bekämpft, jetzt bei etwa 400.000 Toten.

Zweitens kann ich der Behauptung in der Artikelüberschrift nun überhaupt nicht folgen. Gerade wenn es viele unerkannte Asymptomatische gibt, hilft die Einschränkung der Kontakte aller am besten. Wenn man nur Leute mit Symptomen in Quarantäne steckt, breitet sich das Virus unter allen anderen ungehindert aus. Man kann auch nicht die Gefährdeten schützen und das Virus unter allen anderen frei laufen lassen. Die stecken sich sonst mehr oder weniger alle an, und damit steigt das Risiko, sich anzustecken, für den Rest, auch die Gefährdeten, gewaltig. Selbst die Maßnahmengegner argumentieren so ähnlich, wenn sie (zu Recht) darauf hinweisen, daß auch Geimpfte getestet werden müßten, weil sie sonst unwissentlich andere anstecken können. Ich weiß gar nicht, was man da noch erklären kann, das versteht doch ein Fünfjähriger.

Und schließlich die Studien, die den Pharmariesen viel Geld in die Taschen gespült, sonst aber nicht viel bewirkt haben: War das nicht ihr Sinn? Von der Sorte gibt es unzählige. Für echte Verbesserungen im Gesundheitssystem waren die nicht gedacht, selbstverständlich gab es da in den Zeiten vor der Pandemie immer wesentlich Wichtigeres im Kleinklein des politischen Alltags.

Insgesamt wiedermal ein Buch, das ich mir definitiv nicht antun werde.

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