Antwort auf Re: Demokratie und Gewaltenteilung von jsjs.
jsjs schrieb am 17.03.2021 18:46
Und da bist du der Idealist, der meint, dass die Demokratie eigentlich zum Wohle des Volkes eingerichtet wäre - oder sein müsse. Und das ist ein gewaltiger Irrtum.
Falsch.
Ich bin mir durchaus bewußt, dass Demokratie dann von den Eliten gewährt wird, wenn die Kosten der Repression höher sind als die Verluste durch teilweise Abgabe von Macht.
Interessant dazu ist der Vortrag "Angst und Macht" von Rainer Mausfeld auf YT.
Die "parlamentarische Demokratie" wurde von den führenden Köpfen des Unabhängigkeitskrieges der USA, also Leuten wie Washington, Madison u.A. eingeführt, die allesamt Großgrundbesitzer und Sklavenhalter waren.
Denen war klar, dass sie den Menschen so Etwas wie Mitbestimmung für ihren Einsatz geben mußten, wollten aber verhindern, vom "Pöbel" überstimmt werden zu können.
Die Wahl war das demokratische Scheinelement, aber während der Legislatur hatten sie das Sagen.
Idealist bin ich aber durchaus, weil ich begriffen habe, dass zuviel Macht in zu wenigen Händen nie zum Wohl der Bürger sein kann.
Wer wie Schmitt-Schnauze meint " wer Visionen habe, solle zum Arzt gehen", kann sich gleich in den Sarg legen.
Organisation von was? Das ist doch die Frage.
Organisation eines Gebildes von ü. 82 Mio. Bürgern, auch Staat genannt, innerhalb dessen das Zusammenleben gestaltet werden muss.
Du redest von Allgemeinwohl, von Minderheiten, von Macht oder Machtmissbrauch. Worin besteht denn das Allgemeinwohl in der Marktwirtschaft?
Was ist denn das Kennzeichen eines funktionierenden Marktes?
Es muss einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage geben.
Dazu gehört eine Ordnungspolitik, die verhindert, dass es zu Monopolen oder Oligopolen kommt.
Konzernbildung verhindert die Angebotsvielfalt und Innovation.
So entstehen dann Situationen wie das "too big to fail" bei den Banken oder der Automobilindustrie.
In einer gesunden Marktwirtschaft bestünde eine gezielte Förderung des Mittelstandes, der für deutlich mehr Beschäftigung sorgt als die durchautomatisierten Konzerne und ein Einkommen zu haben, dass die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht, ist ein wesentlicher Bestandteil des Gemeinwohls, solange man nicht am Eigentum der Unternehmen partizipiert.
Auch unser Sozialsystem ist Teil des Gemeinwohls, dass nur auf der Basis von Beschäftigung und solidarischer Einzahlungen in die entsprechenden Sicherungssysteme funktionieren kann.
Der Staat gehört mit seinen Investitionen ( Konsum von Rüstungsgütern im Übermaß oder Prestigeprojekte wie BER oder S21 zähle ich nicht dazu ), die den Standort attraktiver machen, ebenfalls zum Gemeinwohl.
An diesen Investitionen müssen sich aber Alle beteiligen und zwar angemessen, nach ihrem Vermögen.