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Avatar von OskarMaria

mehr als 1000 Beiträge seit 22.09.2000

Ein Krieg aus unermesslicher Dummheit des Kremls

Es ist schon schwer zu verstehen, warum das größte Land der Erde meint, neue Territorien erobern zu müssen. Schon mit seiner bestehenden Größe hat das Land Probleme zuhauf. Auch die Sicherheit Russlands war niemals in Gefahr - auch wenn die Ukraine ins NATO-Bündnis aufgenommen worden wäre. Wer will schon ein Land mit dem größten Arsenal an Atomwaffen angreifen?

Tatsächlich ging es den Kremls Führern um andere Dinge - um mehr Respekt als Großmacht, um das Einsickern des "Liberalismus" nach Russland zu verhindern, um der eigenen Bevölkerung zu zeigen, wir sind eine starke Nation, die sich nimmt, was sie will und wir haben eine starke Führung - nicht solche Schwächlinge wie der Westen.

Alle Ziele des russischen Angriffskriegs wurden verfehlt. Kiew wurde nicht in 14 Tagen erobert, die russischen Truppen erfuhren eine bittere Niederlage. Im Donbass setzt man auf Abnutzung, man bombadiert mit zahlenmäßig überlegener Artillerie den Gegner und lässt eine Angriffswelle der anderen folgen. Verluste an Menschen und Material spielen keine Rolle. Doch jetzt brennen jede Nacht die Munitionsdepots hinter der Front und setzen jener Strategie ein Ende.

Schon jetzt hat der Krieg auf russischer Seite mehrere 10 tausend Tote gefordert, die genauen Zahlen sind Geheimsache. Die Verluste an Material sind enorm - ca. 4.700 Fahr- und Flugzeuge wurden zerstört oder aufgegeben, darunter knapp 900 Panzer. (Deutschland hat etwa 300 Kampfpanzer).

Langsam beginnen auch die Wirtschaftssanktionen zu wirken. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, der Produktion fehlen die Zulieferer für wichtige Komponenten, der Automobilbau existiert nicht mehr, Konsumgüter sind knapp und teuer und täglich ziehen die Prozessionen mit gefallenen Soldaten selbst durch kleine Gemeinden.

Da wundert es nicht, dass die öffentliche Meinung langsam sich wendet. Eine unter Verschluss gehaltene Umfrage im Auftrag der russischen Regierung veröffentlichte Meduza:

Nach den Ergebnissen derselben Umfrage sind in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen 56 % für ein Ende des Krieges und nur 19 % für eine Fortsetzung. Unter den Russen im Alter von 25 bis 34 Jahren unterstützen 43 % das Ende des Krieges und 41 % die Fortsetzung der Feindseligkeiten. Im Allgemeinen gilt: Je älter die Befragten, desto mehr unterstützen sie den Krieg. Unter den Befragten über 60 Jahren sprachen sich beispielsweise 72 % der Befragten dafür aus, die Invasion fortzusetzen.

Der Krieg entlarvt auch die technische Rückständigkeit Russlands - über ein Jahrzehnt beglückten die russischen Staatsmedien ihre Leser mit Sensationsmeldungen aus der Rüstungsindustrie. Die unüberwindbaren Panzer, die hyperschnellen Raketen, die U-Boote, die nicht zu orten wären usw sollten den technischen Fortschritt der Industrie zeigen.

Der Krieg zeigt - alles Makulatur. Russland ist im technischen Bereich im letzten Jahrhundert stecken geblieben. Von jenen Wunderwaffen keine Spur, man führt Krieg wie vor 40 Jahren mit Gerätschaften aus dieser Zeit. Und Drohnen bezieht man vom Iran...

Der Krieg wird enden - die Bedingungen wird nicht Moskau stellen.

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  • Avatar von lalilalila
    • lalilalila

    mehr als 1000 Beiträge seit 27.11.2001

    Antwort auf Ein Krieg aus unermesslicher Dummheit des Kremls von OskarMaria.

    Ja. Und es ist trotzdem der russische Bär, der sich eventuell auch immer weiter optimieren wird.

    Mit russischer Bär meine ich die schiere Größe und es kann theoretisch immer weiter gehen. Haben die am Anfang große Fehler in der Logistik gemacht, werden die ihre Prozesse natürlich in den Griff bekommen.

    Das bedeutet, dass man der Ukraine sehr entschlossen helfen muss. Denn der Gegner wird potentiell noch stärker werden.

    Aber du hast schon recht - trotzdem gibt es Gegenbewegungen.

    Die Verluste. Die Ablehnung bei denen, die eigentlich kämpfen sollen. Ganz allgemein können die Lügen des Kremls nicht ewig halten.

    Deshalb sehe ich es so wie im Artikel - es ist komplett offen. Und wenn wir nicht entschlossen helfen, dann kann das noch ewig dauern. Für eine annehmbare Verhandlungslösung muss sich die Ukraine in eine vernünftige Position bringen bzw. gebracht werden.

    Wenn man nicht sofort aufgeben möchte, wird alles, was man jetzt spart, später durch eine längere Dauer mehrfach bezahlt.

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  • Avatar von Annando
    • Annando

    mehr als 1000 Beiträge seit 01.10.2011

    Antwort auf Ein Krieg aus unermesslicher Dummheit des Kremls von OskarMaria.

    Da wundert es nicht, dass die öffentliche Meinung langsam sich wendet.

    Mal einen Winter drüber nachdenkenfrieren, mal die Betriebskostennachzahlungen abwarten, mal die fünfte Strompreiserhöhung abwarten, mal ein paar Abende gemütlich in einer zur Wärmeinsel umfunktionierten Turnhalle verbringen, dann wird sich die Meinung tatsächlich wenden.

    Ich denke, Putin setzt genau auf die auch im Artikel angesprochene zu erwartende Ukraine-Müdigkeit. Ich bin davon überzeugt, dass die Bürger irgendwann die Faxen dicke haben werden, sich wegen eines sich ewig hinziehenden Krieges einzuschränken bzw. eingeschränkt zu werden. Die Hilfsbereitschaft wird sich abschwächen, wenn die eigenen Belastungen zunehmen. Völlig normaler psychologischer Prozess. Bisher sind die negativen Folgen nicht einmal wirklich vollumfänglich sichtbar. Das kommt erst noch. Klar, auch wenn das Volk anfängt, die Lust zu verlieren, können die Politiker natürlich weitermachen mit Waffen statt Worten.

    Die ukrainischen Soldaten sind vermutlich früher - zynisch gesagt - "verbraucht" als die russischen. Irgendwann sind alle ukrainischen Wehrpflichtigen tot, verwundet oder haben sich abgesetzt. Dann sind immer noch viele russische Soldaten da. Keine Ahnung, wer dann weiter die Westwaffen bedient, die dann etwas hilflos im ukrainischen Feld herumstehen. Getarnte NATO-Leihsoldaten?

    Putin wird sich niemals freiwillig aus der Ukraine zurückziehen. Lässt sich die russische Armee überhaupt jemals auf konventionellem Weg aus den eroberten Gebieten vertreiben, allein durch die ukrainische Armee? Geht das überhaupt, wenn sich die Russen maximal defensiv eingraben? Kann ich mir nicht vorstellen, aber ich bin ja auch nicht Selenski, der später gar die Krim zurückerobern will.

    Für mich ist die Ende-Option nur die erste im Artikel angesprochene, die De-facto-Teilung. Auch wenn das niemand so haben will. Ich sehe langfristig einfach keine andere Option.

    Oder halt Eskalation. Also Selenski schafft es irgendwie doch, die NATO mit reinzuziehen. Oder schießt doch versehentlich ein wenig zu weit hinein ins russische Hinterland, mit der tollen weitreichenden West-Artillerie und Putin atomt begrenzt zurück, was weiß ich.

    Bin wahrlich kein Putinfreund, aber die Hybris des Westens ist kaum zu ertragen. Der sollte ermitteln, welche Sanktionen sinnlos sind und diese lockern oder aufheben - und das nicht als Niederlage werten, sondern als Erkenntnisgewinn durch neue Fakten. Dann lässt sich die Zustimmung des Volkes vielleicht länger aufrecht erhalten. Weiterhin ist Deeskalation eine Option, Verhandlungen müssen immer wieder versucht werden, anstatt diese kategorisch mit einer Handbewegung wegzuwischen, weil es noch "zu früh dafür" sei. Wie viele Menschen müssen denn noch sterben, bis die Zeit dafür endlich reif ist?

    Wir sind nicht die USA, die aus der Ferne zuschaut und sich über den steigenden Dollar freut, wir sind Europa, dass sich nicht aus Dummheit, Sturheit und Überheblichkeit wirtschaftlich ruinieren sollte.

    Als langjähriger Grünwähler bin ich maßlos von der Politik einzelner Spitzenpolitiker enttäuscht, manchmal sogar fassungslos.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (15.07.2022 02:25).

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    • unbekannter Benutzer

    mehr als 1000 Beiträge seit 09.12.2010

    "Alle Ziele des russischen Angriffskriegs wurden verfehlt."

    Antwort auf Ein Krieg aus unermesslicher Dummheit des Kremls von OskarMaria.

    Kiew wurde nicht in 14 Tagen erobert, die russischen Truppen erfuhren eine bittere Niederlage. Im Donbass setzt man auf Abnutzung, man bombadiert mit zahlenmäßig überlegener Artillerie den Gegner und lässt eine Angriffswelle der anderen folgen. Verluste an Menschen und Material spielen keine Rolle.

    Ja und? Am Ende des Spiels ist es egal, ob sie 3 Runden schlecht gepokert haben, aber den Jackpot eingeheimst.

    Und so wie sie es beschreiben, folgt eine russische Angriffswelle der nächsten, ohne Rücksicht auf Verletzte.

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  • Avatar von pg_dump
    • pg_dump

    mehr als 1000 Beiträge seit 14.02.2007

    Antwort auf "Alle Ziele des russischen Angriffskriegs wurden verfehlt." von .

    bienenstich schrieb am 15.07.2022 02:05:

    Ja und? Am Ende des Spiels ist es egal, ob sie 3 Runden schlecht gepokert haben, aber den Jackpot eingeheimst.

    Das dumme für Putin: Der Jackpot geht Ihm flöten.
    Er hat sicher nicht darauf spekuliert ein entvölkertes Land mit kaputter Infrastruktur in die Finger zu bekommen.

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    • unbekannter Benutzer

    mehr als 1000 Beiträge seit 09.12.2010

    An der Börse gibt es eine Schwäbische Hausfrauenregel...

    Antwort auf Re: Ein Krieg aus unermesslicher Dummheit des Kremls von lalilalila.

    ...die da lautet:

    Warum dem schlechten Geld gutes hinterherwerfen?

    Die Ukraine ist schon jetzt durch die Waffenlieferungen und Finanzhilfen für die nächsten 40-60 Jahre verschuldet, gemessen am aktuellen BIP. Oder meinst du ernsthaft, der Westen verschenkt sein Zeugs?

    Gemessen am zukünftigen BIP nach Verlust von Donbas, Krim und die Gebiete bis zum Dnepr werden es eher 100 Jahre werden.

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  • Avatar von CriticalM
    • CriticalM

    308 Beiträge seit 24.10.2012

    Antwort auf Re: Ein Krieg aus unermesslicher Dummheit des Kremls von lalilalila.

    lalilalila schrieb am 15.07.2022 01:26:

    ...
    Mit russischer Bär meine ich die schiere Größe und es kann theoretisch immer weiter gehen. Haben die am Anfang große Fehler in der Logistik gemacht, werden die ihre Prozesse natürlich in den Griff bekommen.
    ...

    Hier hat der russische Bär nun erneut Probleme.
    Durch die Lieferung von präzisen, sehr weit reichenden Systemen werden gerade die russischen Versorgungseinrichtungen gezielt vernichtet.

    Wir brauchen nicht darüber zu sprechen, dass Russland Munition bis zum Tag des Jüngsten Gerichtes hat, aber sie muss auch an der Front sein.
    Zahlreiche (20-30?+?) große Munitionslager wurden durch die Ukraine innerhalb kürzester Zeit vernichtet und der Beschuss durch die russische Artillerie soll sich schon halbiert haben.

    Russlands Logistik ist vorallem auf die Bahn angewiesen und simple Dinge wie Gabelstapler fehlen.
    Heißt Munition per Hand aufladen, Zug fahren lassen, von Hand von der Bahn auf den LKW laden, per Hand am Bestimmungsort abladen oder auch mal die Panzer direkt an der Bahn aufmunitionieren lassen.
    Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ukraine nach den großen Munitionsdepots in Reichweite, Russlands Archilles Ferse ,die Bahnstrecken ins Visier nehmen würde.
    Russland hatte verglichen mit anderen Nationen nie wirklich viele LKWs und zahlreichen haben sie schon verloren.
    Heißt, wenn die Bahn als Haupttransportweg wegbricht, dann sieht es wie im ersten Kapitel ziemlich düster aus für die russische Versorgung an der Front.

    Bisher waren die Geländegewinne vorallem aufgrund der russischen Artillerie und dem nicht enden wollenden Strom an Granaten möglich.
    Aber diese Maschine gerät ins Stocken und könnte bald ganz versiegen.

    Ein bisschen was würde ich doch gerne als Privatperson noch für HIMARS spenden, obwohl die Überweisung für Bayraktar schon eine Genugtuung war ;)

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  • Avatar von lalilalila
    • lalilalila

    mehr als 1000 Beiträge seit 27.11.2001

    Antwort auf An der Börse gibt es eine Schwäbische Hausfrauenregel... von .

    Nein so läuft das nicht. Der Ukraine wird geholfen werden. Und das ist kein Ding, wo es um Gewinn geht. Da geht es um andere Dinge. Darfst gerne mal raten, warum Polen und die baltischen Staaten so dafür sind, der Ukraine zu helfen.

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  • Avatar von CriticalM
    • CriticalM

    308 Beiträge seit 24.10.2012

    Ist doch egal, ich unterstütze keine mordenen Russen

    Antwort auf An der Börse gibt es eine Schwäbische Hausfrauenregel... von .

    bienenstich schrieb am 15.07.2022 02:14:

    ...die da lautet:

    Warum dem schlechten Geld gutes hinterherwerfen?

    Die Ukraine ist schon jetzt durch die Waffenlieferungen und Finanzhilfen für die nächsten 40-60 Jahre verschuldet, gemessen am aktuellen BIP. Oder meinst du ernsthaft, der Westen verschenkt sein Zeugs?

    Gemessen am zukünftigen BIP nach Verlust von Donbas, Krim und die Gebiete bis zum Dnepr werden es eher 100 Jahre werden.

    Ist mir sowas von egal.

    Heute wieder, Russland feuert eine Hochpräzisionsrakete (4-6m Genauigkeit) von einem U-Boot in Zivilisten.
    23 Zivilisten(3 Kinder) tot, 64 verwundet.

    #Vinnytsia Twitter
    Darunter auch Lisa, 4 Jahre.
    Ihre Mutter hat noch 30 Minuten vorher ein Video gedreht, wo Lisa ihren Kinderwagen schiebt.
    30 Minuten später, beide zerfetzt, Lisa tot in ihrem Kinderwagen, der abgefetzte Fuß der Mutter, auch tot, liegt daneben.

    ES IST MIR EGAL OB DIE UKRAINE DIESE SCHULDEN NICHT ZURÜCKZAHLEN KANN UND WIRD.

    Du kannst anscheinend gut schlafen während Russland mordend und vergewaltigend durch die Ukraine zieht.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (15.07.2022 02:36).

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  • Avatar von lalilalila
    • lalilalila

    mehr als 1000 Beiträge seit 27.11.2001

    Antwort auf Re: Ein Krieg aus unermesslicher Dummheit des Kremls von CriticalM.

    Na das lässt ja hoffen ;-)

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