OdinX schrieb am 10.03.2021 16:35:
Und man ist sich halt relativ
sicher, dass das nicht deshalb der Fall ist, weil sie sich gegenseitig
umgebracht haben.
Warum ist man sich da relativ sicher?
Andererseits weiß man aber auch, dass sie
sich vermischt
Der Teil ist ziemlich offensichtlich.
und wahrscheinlich auch kulturell ausgetauscht haben.
Warum ist das wahrscheinlich?
Ich halte es ohne weitere Informationen eigentlich sogar als am realistischsten, dass sie sich gegenseitig bekämpft und bestohlen haben.
Welcher Grund soll sonst den Neandertaler so gefährden?
Krankheiten wären bei geringer Siedlungsdichte nicht verhehrend. Klimatische Effekte wären langsamer, wobei man ohnehin annehmen muss, dass sich der Neanderter wie auch wir hervorragend auf neue klimatische Bedingungen einstellen konnte, z.B. durch Wanderung.
Bleiben eigentlich nur drei Möglichkeiten:
1) Freiwillige genetische Assimilation (Verschmelzung der Gruppen)
2) Genozid und Frauenraub.
3) Und natürlich irgendeine Kombination aus beidem
Beide Möglichkeiten halte ich für einigermassen realistisch.
Welche Erkenntnisse der Wissenschaft machen nun eine Option wahrscheinlicher als die andere?
Es gab vor Jahren (4?) einen Artikel der Autorin zu Forschungen über die Möglichkeit der Assimilation des N. durch den H.S., wo die Schlussfolgerung gezogen wurde, dass rein anatomisch betrachtet eine N.-Frau ohne Probleme einen menschlichen Hybriden gebären konnte, eine H.S.-Frau bei der Geburt eines N.-Kindes jedoch gestorben wäre, weil der langgezogene Schädel des N. nicht durch den Geburtskanal passte.
Fand ich sehr einleuchtend. Wenn man dann noch die Annahme macht, dass N.-Frauen resilenter gegenüber (umweltbedingten) Einflüssen waren und damit auch fruchtbarer, machte sie das zu lukrativer Beute.
Jedenfalls würde das eine Erklärung liefern, wie der N.-Genom-Anteil in der heutigen menschlichen DNA Einzug fand, aber wiederum nur begrenzt, was beweist, dass die Vermischung nicht von langer Dauer war. Demzufolge könnten Frauen-Raubzüge gegen N., bzw die Tötung der N.-Männer, die ja keine lebendigen Nachkommen mit Menschenfrauen zeugen konnten, folgerichtig zur Ausrottung des N. geführt hatten.
Frauen assimilieren, Männer töten, das gab es ja noch zu Zeiten der Antike (Raub der Sabinerinnen durch das junge Rom).
Zusätzlich gab es ja schon Hinweise darauf, dass der N. zu allen Zeiten seiner Existenz nie größere Gruppen bildete, sondern wohl immer in (familiären) Kleingruppen von wenigen Dutzend gelebt hat. Auch das war dann ein struktureller Nachteil gegenüber den menschlichen Stämmen die schon weit über Hundert Köpfe zählten. Dadurch entwickelte H.S. Techniken wie den Fernhandel, der sich für kleinere Gruppen nicht auszahlte, selbiges galt vermutlich für die Kultur.
Warum der N. trotz seine sehr langen Geschichte von 400k Jahren niemals in größeren Zusammenhängen agierte, wurde dann auf eine hypothetische Unfähigkeit zurück geführt, die verhinderte, dass sich der N. mit mehr als 20-30 Menschen sozialisieren konnte. Daher trennten sich die wachsenden Stämme viel früher als der H.S. bei dem diese Grenze bei 150-200 Personen liegt.
So beantworte ich mir das Rätsel des Neandertalers. Mag auch romantisch sein, aber eben auch logisch.
Ökokom - gleiche Teilhabe für alle