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Die Sache ist ganz einfach

Man kann die Gesamtkosten gegeneinander aufrechnen.
Auf der einen Seite EE + Speicher, inkl. Rückbau und Recycling der Anlagen nach Lebensdauerende.
Auf der anderen Seite Kernkraft mitsamt Brennstoffbeschaffung, ggf. Wiederaufarbeitung und Nachbehandlung + sicherer Endlagerung. Und den volkswirtschaftlichen Schaden und die Wahrscheinlichkeit von einem GAU oder der Zerstörung des Reaktors durch Terrorismus oder einen Krieg.

Ich gehe davon aus, dass bei der Rechnung Reaktordesigs, die anfangs mit Brennstoff für die ganze Lebensdauer beschickt werden und am Ende gleich das Endlager sind (sofern man den Reaktor tief unterirdisch baut), also sowas wie Laufwellenreaktoren, relativ gut abschneiden. Der Vorteil am unterirdischen Reaktor ist, dass selbst ein GAU oder Angriff auf den Reaktor wenig Schaden anrichtet.
Aber trotzdem vermute ich stark, dass EE + Speicher im Endeffekt am günstigsten sind.

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    Antwort auf Die Sache ist ganz einfach von Stimmy.

    Der Denkfehler nennt sich "false dilemma" https://en.wikipedia.org/wiki/False_dilemma : "Ist 100% EE oder 100% KK günstiger?"

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    Antwort auf Re: Die Sache ist ganz einfach von marenghi.

    marenghi schrieb am 20.06.2023 13:25:

    Der Denkfehler nennt sich "false dilemma" https://en.wikipedia.org/wiki/False_dilemma : "Ist 100% EE oder 100% KK günstiger?"

    Das ist definitiv auch ein Punkt. Wobei ich bei dem Thema nicht viel sehe, was AKW besser machen.
    Als Grenzfall stelle ich mir vor: Man bezieht fast 100% des Stroms aus EE und Speichern, hat zusätzlich aber noch ein AKW. Und das AKW produziert wegen angenommener schlechter Regelbarkeit 24/7 Volllast Strom.
    Der Bedarf an EE und Speichern wird damit etwas geringer, weil das AKW ja permanent - also auch bei Dunkelflaute - einen Teil vom Strombedarf deckt. Gleichzeitig produziert man aber auch zu Zeiten teuren Atomstrom, in denen EE ganz ohne Speicher den Strombedarf decken könnten.
    Es ist höchst zweifelhaft, ob so eine kostenmäßige Grenzfallbetrachtung zugunsten eines AKW ausfallen würde. Und wenn das AKW nicht mal in dem Grenzfall wirtschaftlich ist, ist es wohl in keinem Fall wirtschaftlich.

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    Antwort auf Re: Die Sache ist ganz einfach von Stimmy.

    Stimmy schrieb am 20.06.2023 14:10:

    marenghi schrieb am 20.06.2023 13:25:

    Der Denkfehler nennt sich "false dilemma" https://en.wikipedia.org/wiki/False_dilemma : "Ist 100% EE oder 100% KK günstiger?"

    Das ist definitiv auch ein Punkt. Wobei ich bei dem Thema nicht viel sehe, was AKW besser machen.
    Als Grenzfall stelle ich mir vor: Man bezieht fast 100% des Stroms aus EE und Speichern, hat zusätzlich aber noch ein AKW. Und das AKW produziert wegen angenommener schlechter Regelbarkeit 24/7 Volllast Strom.
    Der Bedarf an EE und Speichern wird damit etwas geringer, weil das AKW ja permanent - also auch bei Dunkelflaute - einen Teil vom Strombedarf deckt. Gleichzeitig produziert man aber auch zu Zeiten teuren Atomstrom, in denen EE ganz ohne Speicher den Strombedarf decken könnten.
    Es ist höchst zweifelhaft, ob so eine kostenmäßige Grenzfallbetrachtung zugunsten eines AKW ausfallen würde. Und wenn das AKW nicht mal in dem Grenzfall wirtschaftlich ist, ist es wohl in keinem Fall wirtschaftlich.

    Kernkraftwerke sind durchaus gut regelbar sind, da sonst kein Lastfolgebetrieb möglich. Es ist nur wenig sinnvoll, KKW zu drosseln, da ein Großteil der Kosten Fixkosten sind und die Brennstoffkosten demgegenüber kaum eine rolle spielen. Der Betreiben kann also durch eine Drosselung der Leistung kaum kosten sparen. Warum sollte er es daher tun?
    Aus diesem Grund ist ihr Szenario betriebs- und volkswirtschaft Blödsinn. Sie würden niemanden finden, der eine 100%EE aufbauen und betreiben würde. Noch schwieriger dürfte jemand zu finden sein, der dazu noch ein kapitalintensives Backupsystem aufbauen soll, ohne zu wissen, mit wievielen Vollasstunden er rechnen kann-...

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    Antwort auf Re: Die Sache ist ganz einfach von wxlaa.

    wxlaa schrieb am 20.06.2023 15:00:

    Sie würden niemanden finden, der eine 100%EE aufbauen und betreiben würde.

    Warten wir's ab. Schon heute sind EE die - wenn die Sonne scheint und/oder Wind weht - billigste Energiequelle. Und werden eher noch billiger.
    Nur bei den Speichern hapert es noch, das kann sich mit weiter steigenden Kosten für fossile Brennstoffe und Kernbrennstoffe aber ganz schnell ändern.
    Und warum sollte man keine 100% EE bauen, wenn fossile Kraftwerke und KKW teurer sind, keine Vorteile bringen und dazu noch politische Abhängigkeiten zu den Brennstofflieferanten schaffen?

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    Antwort auf Re: Die Sache ist ganz einfach von Stimmy.

    Stimmy schrieb am 20.06.2023 15:25:

    wxlaa schrieb am 20.06.2023 15:00:

    Sie würden niemanden finden, der eine 100%EE aufbauen und betreiben würde.

    Warten wir's ab. Schon heute sind EE die - wenn die Sonne scheint und/oder Wind weht - billigste Energiequelle. Und werden eher noch billiger.
    Nur bei den Speichern hapert es noch, das kann sich mit weiter steigenden Kosten für fossile Brennstoffe und Kernbrennstoffe aber ganz schnell ändern.
    Und warum sollte man keine 100% EE bauen, wenn fossile Kraftwerke und KKW teurer sind, keine Vorteile bringen und dazu noch politische Abhängigkeiten zu den Brennstofflieferanten schaffen?

    m.w. hat man heute schon Probleme, Investoren für windparks zu finden. Habeck hat daher schon die Einspeisevergütungen anheben müssen, damit sich für Investoren ein Geschäftsmodell ergibt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich die Aussichten bei schlechteren Standorten verbessern werden (und diese Standorte werden sie für 100% ee brauchen).
    Darüber hinaus spielen die Brennstoffkosten für KKW nur eine untergeordnete Rolle. Eine Verdopplung der Brennelementekosten wirkt sich nur im Zehntelcentbereich auf die kWh aus.

    Wir werden es abwarten müssen. Mir wäre eigentlich es aber lieber, einen Plan B zu haben, falls die kühnen Rechnungen der Energiewende nicht zu zutreffen. Leider deutet einiges darauf hin...

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    Antwort auf Re: Die Sache ist ganz einfach von Stimmy.

    Es sind solche Faktoren wie die überproportional teureren Grenzkosten von EE auf dem Weg von bspw 80% zu 100%, die die AKW-Zugabe lukrativ machen.

    Der Kollege hat ja schon ein Bsp genannt: Man muss immer schlechtere Orte für Wind und Solar besetzen. Man muss noch mehr komplett neue Stromtrassen legen (als nur einen Teil neu, den anderen verstärken) usw.

    Hier auf Seite 13 eine Demonstration, wie die Kosten ansteigen auf dem Weg zu 100% EE vs einem Anteil KK. https://energy.mit.edu/wp-content/uploads/2018/09/The-Future-of-Nuclear-Energy-in-a-Carbon-Constrained-World-Executive-Summary.pdf

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (20.06.2023 16:28).

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    Antwort auf Re: Die Sache ist ganz einfach von wxlaa.

    wxlaa schrieb am 20.06.2023 15:41:

    m.w. hat man heute schon Probleme, Investoren für windparks zu finden. Habeck hat daher schon die Einspeisevergütungen anheben müssen

    Das liegt in meinen Augen aber auch an anderen Dingen. Abregelung von Windkraft mangels Netzkapazität wäre ein Grund, die Renditen, die den Netzbetreibern und Stromanbietern zugestanden werden ein anderer.
    Dass es die erhöhte Einspeisevergütung nur für die ersten 12 Jahre gibt, ist auch noch erwähnenswert.
    Und inwiefern man für Deutschland wirklich schlechte Standorte nutzen muss, sei mal dahingestellt. Offshore ist genug Platz... Und das wird hier langsam ziemlich offtopic.

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    Antwort auf Die Sache ist ganz einfach von Stimmy.

    Stimmy schrieb am 20.06.2023 12:45:

    Man kann die Gesamtkosten gegeneinander aufrechnen.
    Auf der einen Seite EE + Speicher, inkl. Rückbau und Recycling der Anlagen nach Lebensdauerende.
    Auf der anderen Seite Kernkraft mitsamt Brennstoffbeschaffung, ggf. Wiederaufarbeitung und Nachbehandlung + sicherer Endlagerung. Und den volkswirtschaftlichen Schaden und die Wahrscheinlichkeit von einem GAU oder der Zerstörung des Reaktors durch Terrorismus oder einen Krieg.

    Ich gehe davon aus, dass bei der Rechnung Reaktordesigs, die anfangs mit Brennstoff für die ganze Lebensdauer beschickt werden und am Ende gleich das Endlager sind (sofern man den Reaktor tief unterirdisch baut), also sowas wie Laufwellenreaktoren, relativ gut abschneiden. Der Vorteil am unterirdischen Reaktor ist, dass selbst ein GAU oder Angriff auf den Reaktor wenig Schaden anrichtet.
    Aber trotzdem vermute ich stark, dass EE + Speicher im Endeffekt am günstigsten sind.

    Laut einer Studie des MIT explodieren ab etwa 80% EE die (Speicher)Kosten, weshalb die eine Kombination mit Kernenergie vorschlagen. Wir sollten auch nicht aus den Augen verlieren, dass die Heizungswende und die forcierte E-Mobilität, die Hydrolyse und ggf. die Meerwasserentsalzung drastisch mehr elektrische Leistung und einen teuren Netzausbau erfordern. Hier müsste staatliche Planung erfolgen. Die Hoffnung, dass bei steigenden CO2-Preisen die unsichtbare Hand des Marktes die Probleme für uns löst, ist zwar berechtigt, jedoch wird die Lösung eine Deindustrialisierung und unser wirtschaftlicher Zusammenbruch sein.

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    • ChewiKowalski

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    Antwort auf Die Sache ist ganz einfach von Stimmy.

    Nope

    EE brauchen Backup. Kernkraft nicht
    EE haben eingebaute Obsoleszenz. Kernkraft nicht
    Wind und Sonne fallen immer wieder ganzheitlich aus. Kernkraft nicht
    Wind und Sonne brauchen viel Platz und passendes Wetter. Kernkraft nicht

    Mit Kernkraft kannst Du Industrieprozessen Hitze bereitstellen.
    Bei Wind und Sonne ist das umständlich
    Kernkraft hilft bei Matierialprüfung. Machen EEs nicht
    Kernkraft hilft in der Medizin. Machen EEs nicht
    Kernkraft bringt den eigenen Speicher mit. Den musst Du erst teuer bei EEs nachrüsten
    Wind und Sonne liefern IRGENDWO. Kernkraft liefert nahe am Verbraucher
    Wind und Sonne kannst Du schwer resilient machen. Kernkraft leichter

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