Ansicht umschalten
Avatar von Emma Morgentau
  • Emma Morgentau

199 Beiträge seit 30.05.2009

Verdinglichung- der Mensch als Mittel zum Zweck

Ich habe mich schon vor ca 15 Jahren über das konstruierte Menschenbild des egoistischen Homo oeconomicus aufgeregt. Damals, als es im Rahmen der Agenda 2010 so richtig Fahrt aufnahm. Und wenn ich das jetzt in den beiden Artikeln resümiert sehe, empört mich diese Frechheit, nämlich Menschen in Rollen zu zwingen, damit sie in eine konstruierte Theorie passen, die maßgeschneidert für die Umsetzung der Interessen der Wirtschaft entworfen ist, immer noch über die Maßen.
Es ist nämlich auch so - ich habe in den letzten 15 Jahren selbst die Möhre vor die Nase gehängt bekommen - und wenn man das Prinzip erstmal durchschaut hat, hat man ( also ich jetzt) überhaupt keine Lust sich für dumm verkaufen und benutzen zu lassen. Was man ( also ich jetzt) aber muss, wenn man irgendwie die eigene Existenz sichern muss. Jedenfalls muss man lernen sich damit zu arrangieren ohne daran kaputt zugehen...

https://www.istockphoto.com/de/vektor/schwein-auf-einen-esel-gm154282489-19166689

Was aber noch hinzukommt ist die Unterdrückung der Kreativität des Menschen, mit gravierenden Folgen für Entwicklung, Forschung und somit für die Zukunft, wenn Menschen nicht nur in Rollen gezwungen sind, sondern obendrein noch das produzieren, weiterentwickeln müssen, was der Wirtschaft die gewünschten Profite bringt. Das ist doch an Destruktivität kaum noch zu überbieten und grenzt m.E schon an menschenverachtendes Verhalten.

Die in die Tiefe gehende Untersuchung der wahren Natur des Menschen gehört unbedingt wieder in das Zentrum des öffentlichen Interesses und des öffentlichen Diskurses

Genau. Und da fallen mir insbesondere mal zuerst die Charaktereigenschaften und Bedürfnisse ein.
Ich frage mich wirklich, wovon die Konstrukteure des egoistischen Homo oeconomicus getrieben - angetrieben sind. Denn dass sie das Subjekt Mensch in ein nutzbringendes Objekt zwingen, sagt ja im Grunde mehr über die Konstrukteure aus. Wahrscheinlich war´s einfach nur Projektion von sich selbst auf alle anderen, gepaart mit unstillbarer Eitelkeit und Geltungssucht.

vielen Dank für das Aufgreifen auf Aufarbeiten dieses substanziellen Themas

Bewerten
- +
  • Avatar von Propeller15
    • Propeller15

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.08.2013

    Antwort auf Verdinglichung- der Mensch als Mittel zum Zweck von Emma Morgentau.

    Emma Morgentau schrieb am 09.05.2021 08:32:

    und wenn man das Prinzip erstmal durchschaut hat, hat man ( also ich jetzt) überhaupt keine Lust sich für dumm verkaufen und benutzen zu lassen. Was man ( also ich jetzt) aber muss, wenn man irgendwie die eigene Existenz sichern muss. Jedenfalls muss man lernen sich damit zu arrangieren ohne daran kaputt zugehen...

    ...

    Denn dass sie das Subjekt Mensch in ein nutzbringendes Objekt zwingen, sagt ja im Grunde mehr über die Konstrukteure aus. Wahrscheinlich war´s einfach nur Projektion von sich selbst auf alle anderen, gepaart mit unstillbarer Eitelkeit und Geltungssucht.

    Ja, das denke ich mir auch immer, wenn ich im Fernsehen die sogenannten "Experten" für Gewaltforschung, usw. Professorinnen sehe, wie die Vorsitzende des Ethikrats, die dann warnt, es könne ein moralisches Problem auf uns zukommen, statt die Lösung zu sagen.

    Wobei natürlich klar ist, dass die moralischen Zwickmühlen eben Zwickmühlen sind und daher so ein "Ethik-" Rat genau die Eitelkeit und Geltungssucht befriedigt.

    Bewerten
    - +
  • Avatar von Emma Morgentau
    • Emma Morgentau

    199 Beiträge seit 30.05.2009

    Antwort auf Re: Verdinglichung- der Mensch als Mittel zum Zweck von Propeller15.

    Wobei natürlich klar ist, dass die moralischen Zwickmühlen eben Zwickmühlen sind und daher so ein "Ethik-" Rat genau die Eitelkeit und Geltungssucht befriedigt.

    Ist Ihnen der Unterschied zwischen Ethik und Moral geläufig?

    https://praxistipps.focus.de/was-ist-der-unterschied-zwischen-ethik-und-moral-einfach-erklaert_97765

    Aber gut, verwerfen wir mal die Ethik als Kompass für die Entscheidungsfindung. Im Prinzip müssten wir dann auch das Axiom, also die Idee von der Menschenwürde verwerfen.

    Welchen Kompass zur Entscheidungsfindung würden Sie vorschlagen. Ich bin für Ideen offen.
    Aber bitte, kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Bauchgefühl - ;-)

    ...denn, das würde ja die intellektuelle Evolution der Menschheit ja wieder zurück in die Steinzeit werfen. Und da wir ja nicht mehr als Kleingruppe in Höhlen leben müssten wir eine sinnvolle Alternative zur Ethik finden.

    Bewerten
    - +
  • Avatar von Rundulator
    • Rundulator

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.12.2019

    Antwort auf Verdinglichung- der Mensch als Mittel zum Zweck von Emma Morgentau.

    Ein Beitrag dem ich zustimmen kann.
    Ich habe mich ebenso mit dem Homo Oeconomicus befasst.
    Und kam u.a. als Erweiterung der Doku Inhalte "The Corporation"
    https://de.wikipedia.org/wiki/The_Corporation
    auf eine fast unlösbare gesellschaftliche Differenz.

    Die natürliche und die juristische Person und deren Verantwortung nebst Haftung.
    Eine Firma kann nicht in ein Gefängnis verbracht werden.
    Sie zahlt nur wie im Mittelalter "Lex Salica" Geld, der Schaden bleibt dennoch bei der natürlichen Person.
    Die juristische Person, Wirtschaft/Firmen/Unternehmen sind global fast völlig rechtsbefreit gegenüber allen Gesellschaften der natürlichen Person, erst recht was z.B. die Lebensraum die biologische Natur, also Tier-/Pflanzenwelt Lebensraum etc. angeht.

    Es existieren demzufolge minimum zwei Gesellschaften symbiotisch in einer, dem Kapitalismus.
    Der Autor geht in keinem einzigen Punkt auf dieses krasse gesellschaftlich Missverhältnis ein und beschreibt nur die natürliche Person in einer Gesellschaft, halb soziologisch und halb psychologisch.

    Das ganze H4 SGB System kann an abgrundtiefer Menschenverachtung kaum getoppt werden.
    Mit dem System sind wir gesellschaftlich im Mittelalter beim "Arbeitshaus".
    Auch hier die Verdinglichung:

    Dort sollten von Armut betroffene Menschen, vor allem Bettler, aufgenommen und damit aus der Öffentlichkeit entfernt werden.
    Nicht selten gehörten deshalb verwahrloste Waisenkinder zu den Insassen, manchmal auch geistig Behinderte. Gleichzeitig nutzte man die Arbeitskraft dieser Menschen, indem sie sich der manufakturellen Produktionsweise, die unter anderem die Haupteinnahme des absolutistischen Staates bildete, zur Verfügung stellen mussten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitshaus

    Bewerten
    - +
  • Avatar von Propeller15
    • Propeller15

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.08.2013

    Antwort auf Re: Verdinglichung- der Mensch als Mittel zum Zweck von Emma Morgentau.

    Emma Morgentau schrieb am 09.05.2021 09:18:

    Wobei natürlich klar ist, dass die moralischen Zwickmühlen eben Zwickmühlen sind und daher so ein "Ethik-" Rat genau die Eitelkeit und Geltungssucht befriedigt.

    Ist Ihnen der Unterschied zwischen Ethik und Moral geläufig?

    https://praxistipps.focus.de/was-ist-der-unterschied-zwischen-ethik-und-moral-einfach-erklaert_97765

    Aber gut, verwerfen wir mal die Ethik als Kompass für die Entscheidungsfindung. Im Prinzip müssten wir dann auch das Axiom, also die Idee von der Menschenwürde verwerfen.

    Welchen Kompass zur Entscheidungsfindung würden Sie vorschlagen. Ich bin für Ideen offen.
    Aber bitte, kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Bauchgefühl - ;-)

    ...denn, das würde ja die intellektuelle Evolution der Menschheit ja wieder zurück in die Steinzeit werfen. Und da wir ja nicht mehr als Kleingruppe in Höhlen leben müssten wir eine sinnvolle Alternative zur Ethik finden.

    Schauen wir doch einfach in die Geschichte. Dann sehen wir, wie universal die Ethik und die Moral sind.

    Von der Sklavenhaltergesellschaft zum Antirassismus.

    Heute haben wir den Stein der Weisen gefunden. Wir werden NIE WIEDER NIEMALS AGAIN hinter dieses Wissen zurückfallen.

    In Tausend Jahren werden sie unsere Namen nennen im Zusammenhang mit der UNIVERSAL-MORAL und der EWIG-ETHIK.

    Die von uns gefunden wurde.

    Bewerten
    - +
  • Avatar von Der Skeptiker (1)
    • Der Skeptiker (1)

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.07.2017

    Antwort auf Verdinglichung- der Mensch als Mittel zum Zweck von Emma Morgentau.

    Dieser Kram wird von allen möglichen Trainern und Jobcoaches gelehrt. Das Buch von Jack Welsh mussten wir anläßlich eines Führungsprogramms lesen. In einer anderen Firma war es Tom Peters. Oder dieses Buch über Projektmanagement, den Titel weiß ich nicht mehr. Jedenfalls ging es immer darum, Abteilungen in Unternehmen miteinander konkurrieren zu lassen. Über das Toyota-Produktionssystem wurde das ganz dann auch noch visualisiert, Arbeitsgruppen oder Schichten sollten sich verwalten, sollten Krankmacher und Low-Performer ausgrenzen und der ganze Konkurrenzkampf wurde durch Kennzahlen und Schaubilder visualisiert. Es wurde also Druck auf die Teams und innerhalb der Teams aufgebaut. Den gleichen Sch...ß hat man dann auf andere Bereiche wie die Pflege übertragen. Das ist der Grund, warum ganz viele, die Menschen helfen wollten, keine Lust mehr auf den Beruf haben. Es geht nur noch ums Geld verdienen. Sie können "blutige Entlassungen" und Vereinsamung von Patienten nicht mehr verantworten.

    Ähnliches bekommt man eingetrichtert, wenn man einen Job sucht. Man wird darauf getrimmt, man braucht eine unique selling position und anderes. Der Mensch verkauft nicht nur seine Zeit, er verkauft sein Fell auf dem Arbeitsmarkt. Und kaum ein Arbeitgeber wird es ihm danken. Wenn es nicht mehr läuft, Tritt und weg.

    Das ist die Ökonomisierung des Menschen und die Ökonomisierung von allem, was ihn bewegt, sei es die Pflege, sei es Nachhilfeunterricht, für alles, mit dem sich Menschen früher gegenseitig unterstützt haben, findet sich irgendein Geschäftsmodell, das die Freiwilligkeit verdrängt.
    Der Wettbewerb beginnt schon in der Vorschule. Kinder müssen zweisprachig aufwachsen und in einen entsprechenden Kindergarten, vielleicht schon ein Instrument lernen. Jeder hofft, dass sein Kind hochbegabt ist. Wehe es hat ADS, dann wird es ausgestoßen. Inklusion ist eher ein frommer Wunsch. Spätestens in der weiterführenden Schule wird ein mongoloides Kind nicht mehr toleriert oder irgendjemand, der das Fortkommen des bürgerlichen Nachwuchses aufhält. Der geht auf Privatschulen, damit er nicht Ausländern, die kein deutsch können, in Berührung kommt. Die Eltern wählen möglicherweise links/grün, obwohl sie so denken. Sollen sich doch andere mit den "edlen Geflüchteten" abgeben oder man macht das irgendwie privat - Hauptsache der eigene Nachwuchs hat die besten Startchancen.

    Wann hat das angefangen? Ich merke es seit den 90ern und gehe davon aus, dass es mit dem Riesenaufschwung der Automobilindustrie kam und der Konkurrenz zwischen deutschen und japanischen Automobilherstellern.
    Wir wurden systematisch umkonditioniert. Die Leute, die aus der DDR kamen, kamen hier am Anfang gar nicht zurecht, weil sie anderes sozialisiert waren und auch ein anderes Bild vom "Westen" hatten.
    Nun müssen wir unser Menschenbild prüfen und es anpassen.

    Bewerten
    - +
  • Avatar von Propeller15
    • Propeller15

    mehr als 1000 Beiträge seit 29.08.2013

    Antwort auf Re: Verdinglichung- der Mensch als Mittel zum Zweck von Der Skeptiker (1).

    Der Skeptiker (1) schrieb am 09.05.2021 17:21:

    Wann hat das angefangen? Ich merke es seit den 90ern und gehe davon aus, ...

    Der Zeitpunkt dürfte richtig sein. Deine Begründung wohl weniger. Zu dieser Zeit war die DDR zusammengebrochen und im Osten war Goldgräberstimmung. Aber nur für die betuchten Wessis, die sich Stücke aus dem Kuchen grabschen wollten. Alles neben den rechtsstaatlichen Strukturen. Handeln ohne Konsequenzen.

    Und das hat sich verfestigt.

    Bewerten
    - +
Ansicht umschalten