und zwar bis genau zu dem Zeitpunkt, bis sich die Widerlegung als falsch erweist. Dies gilt umgekehrt auch für die Richtigkeit einer These.
Das ist Wissenschaft. Wissenschaft hat nie den Absolutheitsanspruch, die reine Wahrheit zu verkünden. Wissenschaft ist sich stets der Tatsache bewusst, dass vermeintliche Fakten stets dem Vorbehalt unterliegen, dass sie künftig durch neuere Erkenntnisse widerlegt werden können.
Während die Wissenschaft weiter diskutiert, wo genau der Ursprung des Sars-Cov2 Virus liegt und die Ursprungssequenzen sucht, suchen Medien nach einem Ausweg ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten, denn viele hatten sich 2020 bereits festgelegt, dass die These einer natürlichen Übertragung vom Tier auf den Menschen (Zoonose) richtig, die Laborthese hingegen falsch sei.
Da stellt sich doch bereits die Frage, ob Journalisten schlauer sind als Wissenschaftler? Welches Ausmaß an Hybris mag dahinter stecken, sich allen offenen Fragen in der Wissenschaft für die eine oder andere These zu entscheiden und, was mir noch wichtier erscheint, die andere These bis aufs Messer zu bekämpfen?
Wir werden diese Frage nicht klären, weil sie auch die Wissenschaft nach wie vor nicht geklärt hat, aber wir werden der Frage nachgehen, wie es sein kann, dass Medien – die sich als Inbegriff der vierten Gewalt, also in einer machtkritischen Wächterfunktion sehen – sich für eine der beiden Theorien entschieden haben und diese lange als absolute Wahrheit verkündeten?
Weil die Medien dieser Aufgabe nicht nachkommen. Die Selbsternennung zur vierten Gewalt ist ein Euphemismus und ein weiterer Beleg für die Hybris der Medien.
Medienschaffende unterliegen wirtschaftlichen Zwängen, hierarchischen Strukturen und sind direkt oder indirekt durch zahlreiche Think-Tanks oder Foundations in die Strukturen der Machtelite eingebunden.
Die Vorstellung, ein Journalist sei frei in dem was er sagt ist genau so naiv und weltfremd wie die Vorstellung, ein Abgeordneter sein frei in seinen Entscheidungen und bei seiner Stimmabgabe nur seinem Gewissen unterworfen.
Außerdem sehen wir ja seit zwei Jahren, wie es denen ergeht, die es wagen, Kritik oder kritische Fragen am veröffentlichten Narrativ zu äußern.
Im Prinzip wird Journalisten genau so wenig eine eigene Meinung zugestanden wie in allen anderen Berufen. Sie sind nur Werkzeuge für diejenigen, die sich für cleverer halten oder einfach den Ton angeben.
Die Ingenieuere bei den Automobilkonzernen wussten sehr wohl, dass die verbauten Mini-Tanks für Ad-Blue nur ein Placebo waren. Ein Chemiker konnte schnell nachrechnen, dass eine Tankfüllung niemals reichen wird, um die geforderten Abgaswerte im Betrieb einzuhalten. Erst recht nicht, wenn, wie ursprünglich geplant, der Tank nur bei der regulären Inspektion nachgefüllt werden soll.
Trotzdem hat dort niemand das Maul aufgemacht. Sie alle haben sich zu Werkzeugen gemacht und ihren Verstand nur dazu eingesetzt, Kunden und Öffentlichkeit zu belügen und zu betrügen.
Genau wie bei Boeing. Dort hatte sich irgend ein Manager weit aus dem Fenster gelehnt und einem Großkunden die mit einer Million Dollar Strafzahlung pro verkauftem Flugzeug abgesichtere Zusage gemacht, dass die runderneuterte 737Max, ein Redesing einer fast 50 Jahre alten Konstruktion, von dessen Piloten ohne zusätzliche Schulung geflogen werden könne.
Natürlich wussten die Ingenieure, dass man eigentlich das Flugzeug von Grund auf hätte neu konstruieren müssen. Aber dafür wurde weder die Zeit noch das Geld bereit gestellt. Also hat man unter die vorhandene Konstruktion größere Triebwerke geklebt und diese nach vorne versetzt. Weil sich bereits bei Test im Flugsimulator herausstellte, dass der Flieger in bestimmten Situationen unbeherrschbar wird, hat man halt noch ein aus von Kamfjets bekanntes System in der Steuerung angeklebt.
Um jedoch die ursprüngliche Zusage, die Maschine könne ohne Nachschulung geflogen werden, zu halten hat man alle Hinweise auf dieses System aus den Unterlagen für die Zulassung entfernt.
Alles qualifizierten und eingeweihten Mitarbeiter müssen gewusst haben, wie gefährlich das ist. Trotzdem hat dort niemand das Maul aufgemacht. Sie alle haben sich zu Werkzeugen gemacht und ihren Verstand nur dazu eingesetzt, Kunden und Öffentlichkeit zu belügen und zu betrügen.
Und Journalisten machen sich im Prizip auch nur zu Werkzeugen, die ihren Verstand und ihre Rhetorik nur dazu benutzen, Leser, Hörer und Öffentlichkeit zu belügen.
Weil diese Diskrepanz zwischen Selbstbild und Wahrnehmung in Teilen der aufgeklärten Öffentlichkeit partout nicht unter einen Hut zu bringen ist, reagieren Journalisten wie andere Menschen auf diese kognitive Dissonanz mit hysterisch keifender Stimme und schreiben alles nieder, was ihr schönes selbst gezimmertes Weltbild ins Wanken bringen könnte.