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  • Naturzucker

mehr als 1000 Beiträge seit 06.03.2012

eine These ist erst dann falsch, wenn sie eindeutig widerlegt ist

und zwar bis genau zu dem Zeitpunkt, bis sich die Widerlegung als falsch erweist. Dies gilt umgekehrt auch für die Richtigkeit einer These.

Das ist Wissenschaft. Wissenschaft hat nie den Absolutheitsanspruch, die reine Wahrheit zu verkünden. Wissenschaft ist sich stets der Tatsache bewusst, dass vermeintliche Fakten stets dem Vorbehalt unterliegen, dass sie künftig durch neuere Erkenntnisse widerlegt werden können.

Während die Wissenschaft weiter diskutiert, wo genau der Ursprung des Sars-Cov2 Virus liegt und die Ursprungssequenzen sucht, suchen Medien nach einem Ausweg ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten, denn viele hatten sich 2020 bereits festgelegt, dass die These einer natürlichen Übertragung vom Tier auf den Menschen (Zoonose) richtig, die Laborthese hingegen falsch sei.

Da stellt sich doch bereits die Frage, ob Journalisten schlauer sind als Wissenschaftler? Welches Ausmaß an Hybris mag dahinter stecken, sich allen offenen Fragen in der Wissenschaft für die eine oder andere These zu entscheiden und, was mir noch wichtier erscheint, die andere These bis aufs Messer zu bekämpfen?

Wir werden diese Frage nicht klären, weil sie auch die Wissenschaft nach wie vor nicht geklärt hat, aber wir werden der Frage nachgehen, wie es sein kann, dass Medien – die sich als Inbegriff der vierten Gewalt, also in einer machtkritischen Wächterfunktion sehen – sich für eine der beiden Theorien entschieden haben und diese lange als absolute Wahrheit verkündeten?

Weil die Medien dieser Aufgabe nicht nachkommen. Die Selbsternennung zur vierten Gewalt ist ein Euphemismus und ein weiterer Beleg für die Hybris der Medien.

Medienschaffende unterliegen wirtschaftlichen Zwängen, hierarchischen Strukturen und sind direkt oder indirekt durch zahlreiche Think-Tanks oder Foundations in die Strukturen der Machtelite eingebunden.

Die Vorstellung, ein Journalist sei frei in dem was er sagt ist genau so naiv und weltfremd wie die Vorstellung, ein Abgeordneter sein frei in seinen Entscheidungen und bei seiner Stimmabgabe nur seinem Gewissen unterworfen.

Außerdem sehen wir ja seit zwei Jahren, wie es denen ergeht, die es wagen, Kritik oder kritische Fragen am veröffentlichten Narrativ zu äußern.

Im Prinzip wird Journalisten genau so wenig eine eigene Meinung zugestanden wie in allen anderen Berufen. Sie sind nur Werkzeuge für diejenigen, die sich für cleverer halten oder einfach den Ton angeben.

Die Ingenieuere bei den Automobilkonzernen wussten sehr wohl, dass die verbauten Mini-Tanks für Ad-Blue nur ein Placebo waren. Ein Chemiker konnte schnell nachrechnen, dass eine Tankfüllung niemals reichen wird, um die geforderten Abgaswerte im Betrieb einzuhalten. Erst recht nicht, wenn, wie ursprünglich geplant, der Tank nur bei der regulären Inspektion nachgefüllt werden soll.

Trotzdem hat dort niemand das Maul aufgemacht. Sie alle haben sich zu Werkzeugen gemacht und ihren Verstand nur dazu eingesetzt, Kunden und Öffentlichkeit zu belügen und zu betrügen.

Genau wie bei Boeing. Dort hatte sich irgend ein Manager weit aus dem Fenster gelehnt und einem Großkunden die mit einer Million Dollar Strafzahlung pro verkauftem Flugzeug abgesichtere Zusage gemacht, dass die runderneuterte 737Max, ein Redesing einer fast 50 Jahre alten Konstruktion, von dessen Piloten ohne zusätzliche Schulung geflogen werden könne.

Natürlich wussten die Ingenieure, dass man eigentlich das Flugzeug von Grund auf hätte neu konstruieren müssen. Aber dafür wurde weder die Zeit noch das Geld bereit gestellt. Also hat man unter die vorhandene Konstruktion größere Triebwerke geklebt und diese nach vorne versetzt. Weil sich bereits bei Test im Flugsimulator herausstellte, dass der Flieger in bestimmten Situationen unbeherrschbar wird, hat man halt noch ein aus von Kamfjets bekanntes System in der Steuerung angeklebt.

Um jedoch die ursprüngliche Zusage, die Maschine könne ohne Nachschulung geflogen werden, zu halten hat man alle Hinweise auf dieses System aus den Unterlagen für die Zulassung entfernt.

Alles qualifizierten und eingeweihten Mitarbeiter müssen gewusst haben, wie gefährlich das ist. Trotzdem hat dort niemand das Maul aufgemacht. Sie alle haben sich zu Werkzeugen gemacht und ihren Verstand nur dazu eingesetzt, Kunden und Öffentlichkeit zu belügen und zu betrügen.

Und Journalisten machen sich im Prizip auch nur zu Werkzeugen, die ihren Verstand und ihre Rhetorik nur dazu benutzen, Leser, Hörer und Öffentlichkeit zu belügen.

Weil diese Diskrepanz zwischen Selbstbild und Wahrnehmung in Teilen der aufgeklärten Öffentlichkeit partout nicht unter einen Hut zu bringen ist, reagieren Journalisten wie andere Menschen auf diese kognitive Dissonanz mit hysterisch keifender Stimme und schreiben alles nieder, was ihr schönes selbst gezimmertes Weltbild ins Wanken bringen könnte.

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  • Avatar von janadann
    • janadann

    710 Beiträge seit 02.01.2022

    Antwort auf eine These ist erst dann falsch, wenn sie eindeutig widerlegt ist von Naturzucker.

    Und Journalisten machen sich im Prizip auch nur zu Werkzeugen, die ihren Verstand und ihre Rhetorik nur dazu benutzen, Leser, Hörer und Öffentlichkeit zu belügen.

    Weil diese Diskrepanz zwischen Selbstbild und Wahrnehmung in Teilen der aufgeklärten Öffentlichkeit partout nicht unter einen Hut zu bringen ist, reagieren Journalisten wie andere Menschen auf diese kognitive Dissonanz mit hysterisch keifender Stimme und schreiben alles nieder, was ihr schönes selbst gezimmertes Weltbild ins Wanken bringen könnte.

    Stimmt.
    Dazu Marco Gallina:

    Die Medien in Deutschland sind spätestens in der Ära Merkel in den Ruf unkritischer Regierungsnähe geraten. Mittlerweile bestreiten Journalisten sogar, dass Regierungskritik eine Kernkompetenz ihres Geschäftes sei. Sie wollen mit „Werten“ und „Haltung“ die Demokratie schützen. In Wirklichkeit schaffen sie diese damit ab.

    Stilbildend ist dabei die Abwehrhaltung, die sich angesichts versäumter Kritik bei den großen Themen eingebürgert hat: Die alleinige Aufgabe der Presse sei es nicht, die Regierung zu kritisieren. Das Argument wiederholt sich in letzter Zeit. Womöglich, weil ein nicht geringer Teil des Mediengeschäfts in Deutschland mittlerweile über staatliche oder halbstaatliche Organisationen läuft. Dabei bedient dieser Vorwurf nichts weiter als einen Strohmann. Niemand fordert, die Presse solle nur Regierungskritik machen. Andersherum argumentiert ist eine Presse ohne Regierungskritik wertlos.

    Interessant finde ich diesen Vergleich:

    Für Journalisten gilt dasselbe wie für Philosophen: Wenn sie nicht gefährlich sind, sind sie keine
    Es fällt leicht, den staatlichen Medienapparat in Russland oder gar Fox News in den USA aus richtigen wie falschen Gründen zu kritisieren. Was man dagegen nie hört, ist eine Kritik an den eigenen Anstalten.

    Journalisten, die einer Regierung nicht gefährlich sind, sind vermutlich keine. Es überrascht, dass diese simple Aussage, die der Bayerische Rundfunk oben gelten lässt, er nicht auf deutsche Verhältnisse anwendet. Nicht erst seit Corona ist das offensichtlich. Doch Medien erkennen ihr Kerngeschäft nicht mehr, wenn sie selbst dem ideologischen Apparat angehören, den sie eigentlich im Sinne von „checks & balances“ im Zaum halten sollten.

    Auf den Punkt gebracht:

    Insbesondere der öffentlich-rechtliche Rundfunk fällt nicht dadurch auf, bei den großen Themen der Vergangenheit den Verantwortlichen den Zahn gezogen zu haben. Investigative Recherchen erfolgen bei Sachverhalten, die in die Orchideenfächersammlung der Redakteure gehören: etwa bei Gender Pay Gap, Rechtsextremismus oder Klima. Nie hören wir etwas über die Verdrahtung von Öko-Lobbys mit den Mächtigen, von der sicherheitspolitischen Sackgasse der letzten Jahrzehnte, von den Milliardengräbern bundesrepublikanischer Wolkenschlösser. Krönung des Hohns sind die vielfachen „Faktenchecker“, die nicht etwa Politiker und Journalisten prüfen, sondern die Bevölkerung darüber belehren, was sie zu glauben haben.

    Sic!

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    • Naturzucker

    mehr als 1000 Beiträge seit 06.03.2012

    Re: Danke für den Hinweis auf den Artikel

    Antwort auf Re: eine These ist erst dann falsch, wenn sie eindeutig widerlegt ist von janadann.

    janadann schrieb am 06.03.2022 09:22:

    Dazu Marco Gallina:

    Die Medien in Deutschland sind spätestens in der Ära Merkel .......

    Danke für den Hinweis auf diesen lesenswerten Artikel. Leider auf der "falschen" Seite veröffentlicht, daher wird er kaum mehr als diejenigen erreichen, die eh schon nicht mehr den Lügen des Systems glauben.

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  • Avatar von janadann
    • janadann

    710 Beiträge seit 02.01.2022

    Antwort auf Re: Danke für den Hinweis auf den Artikel von Naturzucker.

    Naturzucker schrieb am 06.03.2022 09:54:

    janadann schrieb am 06.03.2022 09:22:

    Dazu Marco Gallina:

    Die Medien in Deutschland sind spätestens in der Ära Merkel .......

    Danke für den Hinweis auf diesen lesenswerten Artikel. Leider auf der "falschen" Seite veröffentlicht, daher wird er kaum mehr als diejenigen erreichen, die eh schon nicht mehr den Lügen des Systems glauben.

    So ist es ...
    Mir ist es allerdings schon seit längerer Zeit völlig egal, WO ein Beitrag oder Artikel veröffentlicht wird oder WER ihn geschrieben hat.
    Mir geht es ausschließlich um den Inhalt.
    Ich möchte mich informieren, und zwar so umfassend wie möglich - und deshalb lasse ich mich nicht auf alberne Spielchen ein nach dem Motto: "Egal wie fundiert der Inhalt dieses Artikels ist, wenn er auf XY veröffentlicht wurde, MUSS man ihn ignorieren!"
    Wer es nötig hat, so zu "argumentieren", der ist nicht an einer sachbezogenen Debatte interessiert, sondern will nur eine einzige Sichtweise (und zwar seine eigene) gelten lassen.
    Das wiederum finde ich extrem schwach ...

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