Ein paar Auszüge aus
„Der Körper wird ständig von Viren angegriffen“
WiWo, 16. Mai, 2014 von Susanne Kutter
Der Virologe Christian Drosten hält die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung der Seuche Mers für sehr gering. Ein paar Tipps für unterwegs hat er trotzdem.
Christian Drosten war einer der Entdecker des Coronavirus, das seit November 2002 als Verursacher des schweren akuten respiratorischen Syndroms (Sars) die Welt in Angst und Schrecken versetzte. Für diese bahnbrechende Arbeit erhielt er 2005 das Bundesverdienstkreuz. Nun forscht Drosten mit seinem Team intensiv an einem anderen Coronavirus, das gerade auf der arabischen Halbinsel grassiert und eine ganz ähnliche Atemwegserkrankung auslöst – das Middle East Respiratory Syndrome (Mers).
WirtschaftsWoche: Professor Drosten, auf der arabischen Halbinsel wütet derzeit eine tödliche Seuche, das Middle East Respiratory Syndrome (MERS). Fast 500 Menschen haben sich damit schon infiziert, laut amtlicher Angaben starben 142 von ihnen daran. Wie können Reisende sich schützen?
Christian Drosten: Derzeit gibt es eigentlich keinen Grund, sich bei einer Reise in eines der arabischen Länder Sorgen zu machen. Gerade für Geschäftsreisende gibt es wohl kaum Gelegenheiten, sich mit dem Erreger zu infizieren.(...)
Was können besorgte Reisende tun, um auf Nummer Sicher zu gehen – oder einfach, um sich ganz sicher zu fühlen?
Ich empfehle, sich die Hände sehr häufig zu waschen. Das ist die effektivste Maßnahme. Denn wie die meisten Erkältungsviren werden auch Coronaviren durch den direkten Kontakt übertragen, zum Beispiel beim Händeschütteln. Vor den Händen gelangen die Krankheitserreger an Mund und Nase und beginnen dort mit der Vermehrung.Seife und warmes Wasser sind genug? Desinfektionsspray ist im Handgepäck überflüssig?
Anders als zum Beispiel bei Brechdurchfall verursachenden Noroviren, denen nur mit alkoholischen Lösungen beizukommen ist, reichen bei Coronaviren Wasser und Seife aus.(...)
Wo liegen die regionalen Schwerpunkte der Erkrankung?
Außer der Aussage, dass die arabische Halbinsel sehr stark betroffen zu sein scheint, lässt sich bisher wenig sagen. Deshalb wird ja so intensiv geforscht. Auch die Fälle in Europa oder USA lassen sich alle auf Infektionen in der arabischen Region zurückführen. Allerdings muss man auch ganz klar feststellen: In dieser Region und vor allem in Saudi-Arabien wird momentan am intensivsten getestet.Was ja an sich kein Fehler ist, oder?
Nun ja. Es ist eben so, dass es bisher eine klare Fall-Definition gab, also ein striktes Schema, das festlegte, welcher Patient als Mers-Fall gemeldet wurde. Dazu gehörte zum Beispiel, dass der Patient eine Lungenentzündung hat, bei der beide Lungenflügel betroffen sind. Als in Dschidda Ende März diesen Jahres aber plötzlich eine ganze Reihe von Mers-Fällen auftauchten, entschieden die dortigen Ärzte, alle Patienten und das komplette Krankenhauspersonal auf den Erreger zu testen. Und dazu wählten sie eine hochempfindliche Methode aus, die Polymerase-Kettenreaktion (PCR).Klingt modern und zeitgemäß.
Ja, aber die Methode ist so empfindlich, dass sie ein einzelnes Erbmolekül dieses Virus nachweisen kann. Wenn ein solcher Erreger zum Beispiel bei einer Krankenschwester mal eben einen Tag lang über die Nasenschleimhaut huscht, ohne dass sie erkrankt oder sonst irgend etwas davon bemerkt, dann ist sie plötzlich ein Mers-Fall. Wo zuvor Todkranke gemeldet wurden, sind nun plötzlich milde Fälle und Menschen, die eigentlich kerngesund sind, in der Meldestatistik enthalten. Auch so ließe sich die Explosion der Fallzahlen in Saudi-Arabien erklären. Dazu kommt, dass die Medien vor Ort die Sache unglaublich hoch gekocht haben.Sie meinen, dass die Medien einen Einfluss auf die Meldezahlen haben?
In der Region gibt es kaum noch ein anders Thema in den TV-Nachrichten oder Tageszeitungen. Und auch Ärzte in Krankenhäusern sind Konsumenten dieser Nachrichten. Die überlegen sich dann ebenfalls, dass sie mal ein Auge auf diese bisher auch in Saudi-Arabien sehr seltene Erkrankung werfen müssten. Die Medizin ist nicht frei von Modewellen.142 Tote muss man aber doch ernst nehmen.
Unbedingt. Aber die 142 Todesfälle sind innerhalb von mehreren Jahren aufgetreten, sie kommen nicht alle aus dem jetzigen Ausbruch. Ich befürchte, dass der jetzige Anstieg eher der erhöhten Aufmerksamkeit geschuldet ist. Das ist hierzulande nicht anders. Berichten „Bild“ oder die Abendnachrichten über einen Ausbruch eines bestimmten Virus, steigt die Zahl der Laboruntersuchungen deutlich an. Einfach, weil auch Ärzte dann sensibilisiert sind und gezielt Ausschau halten nach den Erregern, über die berichtet wird.
Und da müsste man also Journo in 2020 schon fragen, was sich seitdem verändert hat und weshalb? Oder ob das "neue" Coronavirus eine völlig neue Gattung ist und wenn ja, warum (schon zu dem Zeitpunkt hätte man der Labortheorie - erst recht nach der dramatischen, inhaltlichen Kehrtwende von Dr. Doom - intensiv nachgehen müssen)? Gehört es nicht mehr zur Familie der Coronaviren? Und falls doch - warum muss plötzlich alles neu und anders gemacht werden aus virologischer Sicht?
Nichts ist passiert. Keine Kritik. Kein Hinterfragen. Stattdessen Übernahme von Forderungen an die Politik. Stattdessen schwurbelten die Medien unisono Unheil oll von der "Stunde der Exekutive". Ein sehr lange Stunde. Sie geht jetzt schon 2 Jahre lang. Medien berichten und informieren nicht mehr. Sie sind selbst zum politischen Akteur geworden. Sie haben Gestaltungswillen und - Macht und folgen einer eigenen Agenda.