Antwort auf Re: Der Westen ist also der Feind Russlands? von Oliver Schad.
Oliver Schad schrieb am 09.06.2022 12:57:
Der größere Rahmen ist doch, dass sich die USA nicht mit ihrem globalen Abstieg abfinden wollen, relativ gesehen zu China.
Sagen wir mal so: Die USA wollen China nicht gleich mächtig (oder gar mächtiger) werden lassen. Klar, so wie China gerne mächtiger werden möchte als die USA.
Und jetzt hauen die USA einen Verbündeten Chinas kaputt, um im Anschluss China kaputtzuhauen.
Die USA haben den Schluss gezogen, dass sie nur militärisch diese Auseinandersetzung gewinnen können. Daher ist der Krieg gegen Russland schon lange eingeplant.Einschlägige Strategiepapiere liegen seit mehr als 5 bis 10 Jahren vor. Wie kann man Russland optimal ausbluten lassen, wie kann man einen 2-Fronten-Krieg vermeiden gegen China, wie kann man Russland gegen China in Stellung bringen usw.
Mit anderen Worten: Putin folgt dem Planspiel der USA, nach dem Russland sich in einen Krieg hineinziehen lässt und ausblutet damit die USA danach in Ruhe China plattmachen können? Sorry aber das halte ich für ein bisschen weit hergeholt, wenn man davon ausgeht, dass Putin die Interessen Russlands und nicht die der USA vertritt.
Wer denkt, dass der Krieg in der Ukraine, ein Krieg Russland gegen die Ukraine wäre, verkennt doch, warum plötzlich die USA führend so stark gegen diesen Krieg sind, veranstalten sie doch ständig selbst Kriege und das tun auch andere. Da bombardiert die Türkei laufend Syrien und den Irak und annektiert einen Teil Syriens, gerade in diesen Monaten. Das stört die USA nicht.
Jemen wird von Saudi-Arabien seit Jahren bekriegt, stört aber keinen. Syrien wird seit Jahren von Israel bombardiert, das stört keinen.
Da gibt es wohl mindestens zwei Gründe: Zunächst mal haben (nicht nur die USA) eher ein Problem damit, wenn ein demokratischer Staat angegriffen wird, als wenn sich Autokraten untereinander bekriegen. Zumindest so lange keine US-Interessen davon berührt werden. Weiterhin ist es natürlich so, dass man zwischen dem Handeln Verbündeter und der Feinde unterscheidet. Ist ja nun nicht verwunderlich, macht z.B. Russland oder China ja auch nicht anders. Oder wo war der laute Protest Chinas wegen der Krim, wo denen doch eigentlich die Territoriale Integrität so heilig ist? Also zumindest wenn es um das Territorium von China geht. Ist bei Russland ja kein Stück anders. Und klar, was den Schutz der Menschen in der Ostukraine gegen das Regime in Kiew angeht kann man sich schon fragen, wie man gleichzeitig seinerseits ein (in dem Fall tatsächlich autokratisches und höchst brutales) Regime in Syrien militärisch dabei unterstützen kann, Aufständische und Zivilisten zu töten.
Die Antwort ist natürlich: Überwiegend ist das Interessengeleitete bzw. Machtpolitik. Der Jemen wird am Rande bemerkt übrigens nicht nur von Saudi Arabien zerbombt, da findet doch eher ein Stellvertreterkrieg Saudi Arabien und andere vs. Iran statt.
So ist doch verwunderlich, warum jetzt in der Ukraine plötzlich die USA vom Völkerrecht beginnen zu reden, vom unerlaubten Krieg sprechen, der Menschenrechte gefährde.
Klar kümmert einen das eher, wenn es um die Verfehlungen der anderen geht. Machen gerade die restlichen Großmächte doch kein Stück anders. Aber es sind eben auch nicht nur die USA, sondern ja auch nahezu ganz Europa, inklusive Schweiz, Österreich etc. pp.. Und natürlich kann man nicht jede Verletzung des Völkerrechts pauschal gleichsetzen. Ein quasi unprovozierter (von der Ukraine) Angriffskrieg zur Landnahme ist da schon eine besonders üble Nummer in meinen Augen.
So ist doch klar, dass die USA dort ein Interesse geltend machen. Und dieses Interesse zu benennen erklärt auch dann die Ursache der Aufrüstung der Ukraine durch die USA.
Klar machen die da ein Interesse geltend. Die freuen sich selbstverständlich über jedes Land, was sich ihrem Machtbereich sozusagen anschliessen will. Und klar, insgeheim freuen die sich sicher einen Ast, dass Putin ihnen die Gelegenheit gegeben hat, mit geringem Risiko für die USA selber Russland massiv zu schaden durch Waffenlieferungen und so weiter.
Dafür ein Land militärisch zu unterstützen und Waffen zu liefern braucht es davon abgesehen allerdings eigentlich keine besonders große Motivation, die Waffenverkäufe dürften da Motivation genug sein.