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  • archenoe

mehr als 1000 Beiträge seit 05.02.2004

Chomsky versucht wenigstens ...

... aus dem Infokriegskokon des Westens auszubrechen und diesen systematisch zu kritisieren, ohne in den Infokokon Russlands überzutreten und dessen Narrativen kritiklos zuzustimmen.

Seine Analogien und Vergleiche sind dabei teils fragwürdig, aber sein Versuch ist grundsätzlich richtig.

Man kann auch leicht erkennen, auf welchem Hintergrund und mit welchen Erfahrungen Chomsky diesen Versuch unternimmt. Als kritischer US-Bürger weiß er genau, welche Aggressionen, Gewalttätigkeiten und Kriege fast alle US-Regierungen seit 77 Jahren auf den Weg gebracht haben. Er weiß aber auch, welche Aggressionen, Gewalttätigkeiten und Kriege von der Sowjetunion und danach von Russland seit 77 Jahren ausgegangen sind.

Seine Überzeugung, dass
- weitere ukrainische (und russische) Tote zu Tausenden,
- weitere Zerstörung der Ukraine,
- die Ausweitung des Krieges auf andere Staaten
und
- die Ausweitung zu einem (atomaren) Weltkrieg
verhindert werden müssen, unterscheidet ihn noch nicht von wohlmeinenden Aufrüstungs- und Abschreckungstheoretikern und -praktikern, die glauben, mit militärischen Mitteln exakt das erreichen zu können, was Chomsky aber nur, und das unterscheidet ihn von ihnen, durch diplomatische Verhandlungen mit substanziellen gegenseitigen Angeboten für realisierbar hält.

Wenn man die von Chomsky auch beschriebenen und entsprechend scharf kritisierten "Pauschal-Bellizisten", die inzwischen in westlichen Regierungen und in den vorwiegend nationalistischen Bevölkerungen momentan die Mehrheit stellen, also diejenigen, die die Kriegsgefahren im selbstüberzeugten Taumel von angeblicher Gerechtigkeit, Menschen- und Völkerrechtsverwirklichung und angeblichem "Gutsein" nur (!) durch noch mehr Krieg bezwingen wollen, außer Acht lässt, spitzt sich die Frage darauf zu, ob Diplomatie, Verhandlungswille inkl. Kompromissen oder Drohung, Abschreckung und Waffeneinsatz Erfolg versprechend für Kriegsbeendigung und Verhinderung von Kriegsausweitung und 3. Weltkrieg einschließlich möglichem Atomwaffeneinsatz sind.

Der bisherige Verlauf des Russland-Ukraine-Krieges spricht für Chomskys Position, denn was ist bis jetzt als Reaktion auf die russische Aggression durch drastische Wirtschaftssanktionen und verschärfte Waffenlieferungen erreicht worden?

- Der Russland-Ukraine-Krieg findet seit mehr als drei Monaten statt. Kein Ende ist in Sicht.
- Die Zerstörungen des Landes (v.a. im Osten und Südosten) und die Totenzahlen in der Bevölkerung und in den kämpfenden Truppen auf beiden Seiten wachsen täglich.
- Die Gelegenheiten für sogenannte Kriegsverbrechen werden täglich größer.
- Ökonomie und soziale Sicherheit sind nicht nur in Russland, sondern auch in den sanktionierenden Staaten des Westens bedroht.
- Die Welternährungslage verschlechtert sich rapide.
usw. usw.

Die Bilanz von Wirtschaftssanktionen, Abschreckung und Waffenlieferungen ist eindeutig negativ.

Chomsky im Detail zu kritisieren ist einfach, seinen Grundansatz zu widerlegen hingegen sehr schwer.

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