Wer profitiert wirtschaftlich, wer ideologisch?
Es ist tatsächlich so, dass in Deutschland fast niemand etwas davon hat, jedenfalls materiell. Top-Spekulanten können sich vielleicht an Warenterminbörsen aktuell eine goldene Nase verdienen, das ist aber nix für Otto Normalverbraucher und seine Frau. Diesen ist oft noch nicht bewusst, wie negativ sich die Krise auf ihren Wohlstand und ihre Lebensqualität langfristig auswirken wird. Noch lassen sie sich von der allgemeinen Kriegslust ablenken und einlullen. Das große Staunen, gefolgt vom großen Ärgern, das kommt erst noch. Ich vermute eher keinen heißen Herbst, den wird man mit Hilfe der Medien noch verhindern können, aber ich sehe einen brennenden nächsten Sommer.
Die wirtschaftlichen Nachteile werden uns als temporäres Tal verkauft, durch das wir uns untergehakt gemeinsam durchmühen sollen. Ich habe ein anderes Bild vor Augen. Ich sehe uns, gemeinsam und untergehakt, auf unsicherem Schutt und Geröll eine steile Wand in eine sehr tiefe finstere Grube hinabsteigen, aus der wir ohne fremde Hilfe nicht mehr hinausfinden werden.
Wer wird uns dort unten helfen? Die USA. Für einen entsprechenden Preis. Die brauchen das dringend. Denen geht es nicht so gut. Es ist nicht einmal sicher, ob sie uns wieder zurück ans Licht führen. Vielleicht gefallen wir ihr so, dort unten in der Dunkelheit, abgeschnitten von allen anderen Beziehungen. Ein profitables Loch, in das teure Rohstoffe und Güter hineingekippt werden können, während oben am Rand die Menschen wieder fröhlich lachen. Denn wenn die dort unten nicht verrecken wollen, sind sie gezwungen, nach oben zu überweisen.
Dies beantwortet die Frage, wer wirtschaftlich profitiert.
Und immateriell? Was haben wir ideologisch davon? Tut es uns gut, dem Rest der Welt zu zeigen, dass Demokratie besser ist als Autokratie? Zeigen wir das überhaupt? Interessiert sich der Rest der Welt dafür? Warum machen nicht alle mit auf unserer guten Seite? Was nützt es dem Christen, wenn er den Heiden bekehrt? Und wenn der nicht will, welchen Nutzen hat der Christ, wenn er den Heiden bestraft? Nichts mehr von ihm nimmt? Es macht den Christen zum Guten. Aber nur aus seiner Sicht. Er bestätigt lediglich sich selbst in seinem Denken und in seinen Überzeugungen. Bekehrungsphantasien sind Egoismus, nicht Nächstenliebe.
Hilfe für Angegriffene ist verständlich und soll auch sein. Wir nehmen Flüchtlinge auf, wir liefern Waffen. Aber Selbstverletzung, das Hinunterstolpern in die Grube, ist kein notwendiger Begleiter dieser Hilfe. Führende Entscheider mit viel emotionaler aber wenig sachlicher Intelligenz sehen das anders und sehen es falsch. Sie halten Selbstkasteiung für einen erforderlichen Akt der Nächstenliebe zugunsten eines unklaren höheren Ziels und erkennen im Eifer ihre eigene ideologische Verblendung nicht. Sie blinzeln verzückt gen Westen in den Himmel und stolpern, ohne es zu merken, dabei tiefer und tiefer die Grube hinab.
Die Frage, wer ideologisch profitiert, muss wohl mit einer Gegenfrage beantwortet werden: Welchen Sinn ergibt ideologischer Profit, wenn der Preis dafür ist, unmündig und abhängig unten in einer Grube zu hocken? Dort nervös geschwenkten Fähnchen, auf denen "Wir sind die Guten!" steht, sieht man von oben nur undeutlich. Ideologie sollte kein Stützpfeiler aufgeklärter Gesellschaften sein. Bitte beendet das Dummsein.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.09.2022 12:26).