Warum bricht in China die Geburtenrate zusammen?
Kinder sind in China sehr teuer. Kindergartenplätze sind rar (wobei große Unternehmen eigene Kindergärten haben). Private Kindergärten sind sehr teuer, sie kosten schnell mal 500+€ je Monat. Das entspricht bei sehr sehr viele Menschen dem normalen Einkommen. Private Schulen kosten ebenfalls, zudem diese oft Internatscharakter haben. In staatlichen Schulen sind 50 Kinder je Klasse normal. Schlechte Schulen haben schlechte Lehrer und damit reduzierte Aufstiegschancen für die Kinder (ist in Deutschland auch nicht anders). Die Immobilienpreise in den Einzugsgebieten guter Schulen sind, auch das kennen wir von Deutschland, ebenfalls noch mal höher.
Ein gut ausgebildetes Kind dürfte in China letztlich mehr Kosten als in Deutschland.
Gleichzeitig stellen die Eltern der jungen Leute große finanzielle Ansprüche an diese. Da das Renteneintrittsalter viel niedriger als in Deutschland ist, benötigen sie tendenziell früher Unterstützung von ihrem Nachwuchs. Das Geld der jungen Mittelklasse fließt also brutal ab.
Reiche Leute haben schon seit Jahren zwei oder drei Kinder und reiche Männer natürlich auch mit mehreren Frauen.
Das Problem eine Familie zu gründen wird für Menschen unterhalb der Mittelklasse jedoch nahezu unlösbar. Normale Fabrikarbeiter verdienen sicher ausreichend für ein Leben mit gutem Essen, Smartphone, Kleidung und auch mal einer Reise im Inland. Viele können auch ein bisschen sparen. Aber sie leben dauerhaft in Wohnheimen oder WGs ohne Aussicht auf eine eigene Wohnung. Diese konkreten Menschen werden sich in ihrer Lebensspanne keine Kinder leisten können. Der Faktor 1,3 ist einer, der eben auch viele komplett kinderlose Frauen enthält.
Die Lösung wäre sicher, die Einkommen zu erhöhen. Aber da setzen die entwickelten Länder in der Kombination von Lohn und Produktivität China genauso unter Druck, wie China uns. Teilweise sind die Löhne in China schon zu hoch. Viele Leute im mittleren Management und in der Verwaltung verdienen dort, bezogen auf ihre Fähigkeiten schon mehr als zum Beispiel in Deutschland. Letztlich wird dies durch die niedrigen ArbeiterInnen-Lohne finanziert. Das heißt diese Menschen finanzieren der oberen Mittelklasse ihr zweites und drittes Kind (sowie Wohnungen als Spekulationsobjekte) und müssen dabei auf eine eigene Familie und Wohnung verzichten.
Die chinesische Regierung weiß das natürlich alles. Die eher vorsichtigen Experimente (Freigabe der Anzahl von Kindern, Elternteil, Babyurlaub, Verbot privater Nachhilfeschulen), zeigen, daß sie auch noch nach Lösungen für dieses Problem suchen. Derzeit scheint das alles vor allem von der Mittelklasse für die Mittelklasse gemacht.
Interessant ist vielleicht, dass der Zugang zu Hochschulen und Colleges immer mehr erweitert wird. Es erhalten also immer mehr junge Leute eine bessere berufliche Ausbildung. Die Frage ist, ob die Industrie diese Menschen auch adäquat einsetzten kann. Denn momentan lebt sie vom Geschäftsmodel niedriger Löhne wenig qualifizierter Arbeitskraft ganz gut.
Und eine Lösung muss auch eine Antwort auf meine Überschrift enthalten.