Ansicht umschalten
Avatar von HierIstMarco
  • HierIstMarco

mehr als 1000 Beiträge seit 11.03.2018

Zu teuer

Der Ukrainekrieg zeigt doch gerade den Siegeszug der billigen Ausrüstung: Je günstiger ein Produkt, desto mehr Leute können damit ausgestattet werden, desto größer ist der Nutzen auf breiter Front. Skalierungsfaktor schlägt Hightech.

Vor dem Hintergrund zeigt sich recht gut, dass diese Funkgeräte einfach zu teuer sind. Was nützt Hightech wenn an der Front nur ein viertel der Einheiten ausgestattet ist und der Rest blind und unkoordiniert unterwegs ist?

Ein guter Ansatz wäre zuerst mit wenig Budget ein funktionierendes System zu entwickeln und dann den Doppel-Wums in dessen Skalierung zu stecken (vor allem in die Vorhaltung von Produktionsmöglichkeiten).

Natürlich nur wenn man das Land verteidigen möchte. Aktuell sehe ich bei uns zumindest ausschließlich Nato-Interessens-Einmärsche und dafür ist Hightech good enough.

Exkurs: Hier hilft auch mal ein Blick in die Vergangenheit, in den ersten Weltkrieg z.B. - Schaut euch dort mal den Brotbeutel an. Hochwertiges Segeltuch, Rindsleder und Aluteile zu Kriegsbeginn wurden schnell durch dünnen Stoff, Kunstleder/Schweinsleder und rostendes Eisen ersetzt: http://www.brotbeutel.info/brotbeutel_des_heeres.shtml

Bewerten
- +
  • Avatar von Faltkanute
    • Faltkanute

    mehr als 1000 Beiträge seit 25.06.2003

    Nicht zu teuer.

    Antwort auf Zu teuer von HierIstMarco.

    HierIstMarco schrieb am 02.10.2023 14:04:

    Exkurs: Hier hilft auch mal ein Blick in die Vergangenheit, in den ersten Weltkrieg z.B. - Schaut euch dort mal den Brotbeutel an. Hochwertiges Segeltuch, Rindsleder und Aluteile zu Kriegsbeginn wurden schnell durch dünnen Stoff, Kunstleder/Schweinsleder und rostendes Eisen ersetzt: http://www.brotbeutel.info/brotbeutel_des_heeres.shtml

    Dies Exkursbeispiel muss man pragmatisch sehen. In Friedenszeiten werden solche militärischen Ausrüstungsteile jahrzehntelang verwendet. Ein Wehrpflichtiger bekommt sie von der Standortverwaltung und gibt sie anschließend dort wieder ab.
    Es wird entschieden, ob das Zeug noch brauchbar ist, dann erhält es der nächste.

    Im Krieg ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ausrüstung beschädigt und unbrauchbar wird, deutlich größer. Die Nutzungsdauer sinkt, der Verbrauch steigt rapide. Außerdem werden Ressourcen knapper. Also werden kostengünstigere Materialien verwendet. Das gilt vom Brotbeutel über Feldstiefel, Uniformen und Waffen bis hin zu Zugmaschinen und Lokomotiven.

    Was die Ausgaben für unbrauchbare Funkgeräte, wenig brauchbare Düsenjäger, Panzer und Kleinschießeisen betrifft, so ist das eine andere Geschichte. Ich denke, hier operiert eine deutsche Stand Behind Organisation gekonnt taktisch:

    Die deutsche Bundeswehr war als Verteidigungsarmee von Wehrpflichtigen gedacht (wie auch die NVA). Die Abschaffung Aussetzung der Wehrpflicht und Reduzierung des Personals und der Bestände begann eigentlich mit dem Ghostwriterverteidigungsminister. Der hatte schon begriffen, dass eine Berufsarmee den alten deutschen Großmachtsanspruch wieder puschen könnte.

    Dass das nicht gut wäre, wusste auch die Dame von der Leyentruppe.

    Also holte man sich Berater (für innen). Die meinten, man sei schließlich in der Nato und hätte da Verpflichtungen, aber auch gegenüber der heimischen Industrie und dem dito Kapital.

    Klar, Dividende und Kursgewinne sind für die besitztende Klasse wichtige Faktoren im Rüstungsgeschäft. Aber im Grundsatz möchte man, pazifistisch wie man insgeheim ist, nicht durch funktionierende Armee und Ausrüstung in die Verlegenheit kommen, unschuldige Menschen irgendwo auf der Welt in gefährliche Situationen oder sie sogar umzubringen.

    So wurde geguckt, für welchen unnützen Krempel und welche unnützen Berater man die verpflichtenden Verteidigungsausgaben einschließlich des noch vom Steuerzahler zu erbeutenden Sondervermögens denn am sinnvollsten verpulvern könnte.

    Da hat man dann halt zm Beispiel beim großen Bruder paar nette Flugzeuge, bei der heimischen Waffenindustrie größere Mengen heißlaufender Flinten und bei den gängigen Elektrokonzernen schöne Funkgeräte gekauft.

    Ich finde das ziemlich gewievt^^

    Bewerten
    - +
  • Avatar von Stephmeister
    • Stephmeister

    543 Beiträge seit 18.01.2011

    Antwort auf Zu teuer von HierIstMarco.

    Exkurs: Hier hilft auch mal ein Blick in die Vergangenheit, in den ersten Weltkrieg z.B. - Schaut euch dort mal den Brotbeutel an. Hochwertiges Segeltuch, Rindsleder und Aluteile zu Kriegsbeginn wurden schnell durch dünnen Stoff, Kunstleder/Schweinsleder und rostendes Eisen ersetzt: http://www.brotbeutel.info/brotbeutel_des_heeres.shtml

    Das ist wie Faltenkanute schon sagte:
    Das ist der Unterschied von Friedens- zu Kriegsproduktion.
    Zu Friedenszeiten benötigt man ein klar umrissenes Kontingent von einem bestimmten Ausrüstungsgegenstand. Das soll dann möglichst lange halten, muss also hochwertiger sein. Wird eher kaputt geputzt, als im Einsatz verschlissen.

    Im Krieg ist es genau umgekehrt: Es wird so viel wie möglich, so schnell wie möglich benötigt. Also billig und einfach herstellbar. Haltbarkeit ist egal. Wird wahrscheinlich eher zerstört, als dass es durch normalen Verschleiß kaputt geht.

    Andere potente Beispiele wären z.B. das deutsche MG 34, dass gegen das MG 42 ersetzt wurde. Oder die amerikanische M1 Thompson Maschinenpistole, welche durch die M3 “Grease Gun” ersetzt wurde.
    Die erstgenannten wurden jeweils im Frieden eingeführt und waren eigentlich besser als ihre Nachfolger. Die Nachfolger waren aber besser für Massenfertigung geeignet und billiger.

    Bewerten
    - +
Ansicht umschalten