Just2Cents schrieb am 31.10.2023 15:44:
Als er dann abtrat hatte die Partei nichts besseres zu tun, als sich in internen Grabenkämpfen zu verzetteln. Und niemand war und ist in der Lage, diese Situation einzufangen. Das Ergebnis davon sehen wir heute - die Linkspartei ist auf direktem Kurs in Richtung Bedeutungslosigkeit.
Ja, man hat zu viele Strömungen mit untereinander inkompatiblen Sichtweisen aufgenommen, in der Hoffnung, dass sich das alles irgendwie zusammenrauft - was aber offenkundig nicht geschehen ist.
Lafo war wohl der Mann, der all diese Risse zugetüncht hat, aber als er weg war, ist es halt in seine Brösel zerfallen.
Aus dieser Historie lassen sich mMn. unterschiedlich(st)e Lehren ziehen. Das wird sicherlich auch Frau Wagenknecht, die das alles ja unmittelbar miterlebt hat, tun, denn eins ist sie sicherlich nicht: dumm.
Ich frage mich langsam wirklich, ob sie den klugen Menschen nicht bloß spielt.
Sie hat eine Menge richtige Sätze gesagt, und auch die richtigen Vokabeln genannt. Aber wann immer sie kein Skript hatte, kam da irgendwie nie was Reflektiertes raus - also z.B. ihre eher unsouveräne Reaktion auf ihren Lebensstil, wo sie einfach nur patzig wurde, statt das eigentlich dahinterliegende Anliegen wahrzunehmen.
Ich glaub manchmal, sie hat einfach nur gute Redenschreiber, und die schreiben halt, was zu ihren Ansichten passt - aber manche ihrer Ansichten sind halt wirklich dämlich.
Kleine Auswahl:
"Völliges Staatsversagen" wegen Merkels Asylpolitik. Da hat nichts versagt, ein paar Behörden haben unter Überlastung geächzt, aber als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, haben Polizei, Gerichte, Straßenbau, Energieversorgung, Schulen und was sonst noch so wichtig ist, problemlos weiterfunktioniert.
Anschläge auf eine angeblich unkontrollierte Zuwanderung zurückführen.
Das ist wirklich eine gruselige Erzählung. Und geht völlig daran vorbei, dass der eigentliche Grund ist, dass die Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, also haben sie viel zu viel Zeit, viel zu viel Unsicherheit und Frust aufzubauen, und das macht sie für Extremismus anfällig - aber diesen Teil der Problematik hat Wagenknecht nie aufgegriffen.
Die DDR als „das friedfertigste und menschenfreundlichste Gemeinwesen, das sich die Deutschen im Gesamt ihrer Geschichte bisher geschaffen haben“ zu bezeichnen. Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze sind alles andere als friedfertig, und der permanente Überwachungsdruck durch die Stasi war auch alles andere als menschenfreundlich. (Ich hab das DDR-System auf Familienbesuchen kennengelernt. Innerhalb der Familie haben wir dann so die Stories gehört... und die Leute, die jahrzehntelang mit Chuzpe gegen die DDR-Bonzen opponiert haben, sind recht blass um die Nase zurückgekommen, als sie ihre Stasiakten gesehen haben, das wär nicht mehr lange gut gegangen...)
Grad gegen die Verurteilung des Todesstreifens hat nur Wagenknecht opponiert.
Falschaussagen zu Long Covid.
Der Westen habe Putin zum Ukrainekrieg provoziert. Das ist so unfassbar dämlich, dass man sich nur noch ans Hirn fassen kann (ja, ich weiß, die Putinfreunde heulen jetzt auf, aber wenn man sich seine Politik und seine eigenen Aussagen näher anschaut, stellt man schnell fest, dass er einfach die russische Hegemonie über die Ostblockstaaten wiederhaben will, und zwar inklusive DDR).
Ein paar Gedanken aus der Vorkriegszeit waren hingegen wirklich klug.
Ich frag mich wirklich, ob sie da die Berater gewechselt hat oder ob sie von irgendwem eine Gehirnwäsche verpasst bekommen hat, oder ob die Russen ihr einen Kompromatkoffer gezeigt haben.
Eigenartig, das Ganze. Ziemlich eigenartig.
Die für mich interessante Frage lautet dem entsprechend also, welche Lehren das sind / sein werden, und wie sich diese in der neuen Partei manifestieren werden.
Es hängt davon ab, wie kompromissfähig Wagenknecht ist.
In ihrer Zeit bei der Linken war sie allerdings nie sonderlich kompromissfähig. Ich würde ja erwarten, dass sie das in einer auf sie zugeschnittenen Partei noch stärker ausleben wird.