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Avatar von Mathematiker
  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Schuld ist das Bayern-Syndrom

Wenn unser Experte da tatsächlich enteignen will, darüber ist ja im Forum hier schon genug geschrieben worden.

Gönnen wir uns ein paar andere Aspekte:

Auch ein erfolgreicher deutscher Mittelstandsunternehmer, der pro Jahr einen Gewinn von drei Prozent macht, investiert etwa die 50 Millionen nicht in seinen Betrieb, sondern überweist sie lieber an BlackRock & Co., weil die zwischen sieben und zwölf Prozent Gewinn herausholen.

Na, wie kommt unser Experte denn auf seine 3%?
Da wirft unser Experte wohl die Nettoumsatzrendite mit der Eigenkapitalrendite durcheinander.
Nettoumsatzrendite = Gewinn bezogen auf den Umsatz des Unternehmens.
Die Bruttoumsatzrendite (also vor Steuern), liegt bei deutschen, produzierenden Unternehmen bei 4,7-4,9% und bei sonstigen Dienstleistungen bei 5,4%.
Nur die Brainer, also wissensintensive Dienstleistungen, erwirtschaften 12,5%.

Eine wichtige Kennzahl, aber für den Unternehmer als Investor zählt viel mehr die Eigenkapitalrendite. Also die Frage, wieviel wirft das Unternehmen im Bezug auf das eigene, eingesetzte Geld ab. Dort liegt die durchschnittliche Eigenkapitalrendite bei 17,2%. Sonst wären unsere Unternehmer ja auch völlig bescheuert, sich kaputtzurackern, während die BlackRocker für Lau viel mehr Knete erwirtschaften würden.

Beide Kennzahlen haben wiederum nur wenig Einfluss darauf, wo ein Unernehmer oder allgemein ein Investor sein neues Kapital in eine Unternehmung steckt.
Dort geht es um Renditechance, Marktentwicklung und Risikoaspekte.
Da ist in Deutschland aber nicht mehr allzuviel Luft mit seinen gesättigten Märkten und der sich prekarisierenden, überalterten Bevölkerung.
Hier machen nurnoch Politiker, Juristen und die Sozialkonzerne richtige Asche. Aber das ein geschlossener Markt, in denen Oligarchen den Kuchen unter sich aufteilen.

So war das mal in der alten "Deutschland AG". Aber die wurde wie in den anderen wichtigen westlichen Staaten ab Anfang der 2000er Jahre schrittweise aufgelöst.
...
LEG (größter privatisierter Wohnungskonzern in NRW mit etwa 140.000 Wohnungen)

Hm, da war doch noch was...
Ach ja, das Bayern-Syndrom, als man damals mit 2 Billionen Euro an Staatsknete versuchte aus Ostdeutschland so eine Art Bayern 2.0 zu machen. Im kleineren Umfang versuchte man dies auch bei der Osterweiterung der EU.
Man verschenkte dieses Geld oder klopfte dafür massiv Infrastruktur in den märkischen Sand. In der Goldgräberstimmung damals kalkulierte so mancher Bürgermeister dort schon mit der 4-fachen Einwohnerzahl (und ließ ein entsprechend großes Klärwerk bauen). Auch Träume von Großflughäfen im Nirgendwo machten damals die Runde.
Auch schenkte der Staat der Cargolifter AG diese riesige Zeppelinhalle.
Der Adam Opel AG wurde ein komplettes Werk in Ostdeutschland geschenkt.
Die Brandt Zwieback-Schokoladen GmbH + Co. KG bekam ein Werk in Ohrdruf in Thüringen durch Steuermittel fast geschenkt. Und vieles andere mehr....

Folge:
Die Firma Brandt machte ihr Stammwerk in Hagen dicht. Die Marke Opel rutschte in die roten Zahlen, weil die Werke nie ausgelastet waren. Das Werk wurde ein sog. weißer Elefant, der letztendlich dazu führte, dass an der Qualität gespart werden mußte, sich die PKW immer schlechter verkauften und als Konsequenz zuerst das Werk in Bochum srtillgelegt wurde und dann GM Opel an den PSA Konzern verkauft wurde.

Durch den ganzen Wahnsinn wurden die Gebietskörperschaften im Westen massiv entreichert und mussten auch das "Tafelsilber", wie z.B. die LEG verkaufen, um die Schulden bedienen zu können.

Die sog. Deutschland AG war einmal ein Zusammenspiel aus Wirtschaftspolitik, Unternehmertum und gemeinwirtschaftlichen Wirken. Das ist für Deutschland praktisch vorbei. Bei uns wird nurnoch umverteilt, Arbeitsplätze exportiert, Arbeit prekarisiert und Schulden gemacht.

Während man hier in Richtung bankrotte DDR marschieren will, wurmt es doch kräftig, dass andere wirklich eine tragfähige Rente mit BlackRock und Co. hinbekommen.

Der neue, große Wahnsinn nennt sich Entwicklungshilfe. Dort sollen davon von Deutschland 0.7% des BIP in die Welt hinausgeblasen werden. Auch nach China.
Auch eine massive Entreicherung, die in keinem Verhältnis zu einem möglichen Nutzen steht.

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  • Avatar von Rhiannon
    • Rhiannon

    mehr als 1000 Beiträge seit 06.03.2001

    Antwort auf Schuld ist das Bayern-Syndrom von Mathematiker.

    Mathematiker schrieb am 30.09.2021 11:19:

    Wenn unser Experte da tatsächlich enteignen will, darüber ist ja im Forum hier schon genug geschrieben worden.

    Zu den 3 %: Ich gehe davon aus, daß das eine einfache Eingangsschätzung war, nur um das Problem an sich sichtbar zu machen.

    Und: Ihr Kommentar zeigt ganz klar, daß Politiker nicht rechnen können, keine Ahnung von Wirtschaft haben und im Grunde für die Aufgaben, die sie haben, ungeeignet sind.

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  • Avatar von exkoelner
    • exkoelner

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

    Antwort auf Schuld ist das Bayern-Syndrom von Mathematiker.

    Kann es nicht sein, das jetzt auch Deutschland zum Abschuss frei gegeben worden ist? Die Globalisierung fördert eindeutig die Oligo- und Monopolisierung. In gesättigten Märkten bedeutet das Umverteilung der Gewinne auf immer weniger Mitspieler. Und zu holen ist nur dort was, wo schon etwas ist. Klima- und sonstige weltweiten Debatten zeigen auf, das immer mehr der Umsätze nicht mit Wachstum, mit mehr Wohlstand für alle angestrebt werden, sondern mit Ablasszahlungen einige wenige mehr Umsätze machen auf Kosten der Mehrheit.

    "Die Deutschen werden im Schnitt immer reicher: Erstmals hat das Geldvermögen die Marke von sieben Billionen Euro geknackt. Allein im ersten Quartal wurden knapp 200 Milliarden Euro zusätzlich angespart."

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/geldvermoegen-reichtum-deutschland-bundesbank-101.html

    Wir alle kennen das Spiel mit Durchschnitt, Medianwert, etc. in Statistiken. Natürlich ist nicht die große Mehrheit reicher geworden, sondern nur ein kleiner Teil - der aber umso deutlicher. Wenn also materielles Wachstum gedrosselt wird, weil Klima- und Umweltschädlich und die Gewinne nur durch Umverteilung an immer weniger Player (Autokonzerne ist da ein gutes Beispiel) möglich werden, holt man sich die natürlich da, wo am meisten ist, und die sich am schlechtesten wehren können - oder sehe ich das falsch?

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (30.09.2021 12:15).

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  • Avatar von BythMuster
    • BythMuster

    mehr als 1000 Beiträge seit 07.10.2020

    Antwort auf Schuld ist das Bayern-Syndrom von Mathematiker.

    ...
    Na, wie kommt unser Experte denn auf seine 3%?
    ...

    Zustimmung, das passiert, wenn Laien vom Wirtschaften reden. Gewinn = was abends in der Kasse ist? So kriegt man jedes florierende Unternehmen in Nullkommanix zugrunde gewirtschaftet.

    Bei uns wird nurnoch umverteilt, Arbeitsplätze exportiert, Arbeit prekarisiert und Schulden gemacht.

    Sehe ich anders. Durch die "industriellen" Revolutionen gab (und gibt es immer noch) einen massiven Umschwung weg von Hand- und hin zu Wissensarbeit. Letztere kann man nur ab einer gewissen Minimalqualifikation bewerkstelligen, ist also für ungebildete nicht zugänglich. Durch die geburtenstarken Jahrgänge und eine sehr starke Verschiebung hin zu Wissensarbeit und Automatisierung kam es zu einem Überangebot an klassischen Arbeitskräften. Der Druck war so groß, dass er sich im wesentlichen außerhalb der in Deutschland geregelten Arbeitsverhältnisse kanalisierte (Schwarzarbeit, Verlagerung). Das ist aber schon lange vorbei Wir beobachten hier nur noch die letzten Ausläufer. Schon heute kommt kaum noch einer aus Osteuropa, um die deutsche Drecksarbeit zu machen, und und Osteuropa explodieren die Löhne (Ukraine z.B. aktuell +20% pro Jahr). Gerade erst neulich ist mir ein komplettes belarussisches Team abgesprungen, weil eine US Firma ihnen US Gehälter nach Minsk überweist. Wir können uns "nur" westeuropäische Gehälter leisten.

    Der neue, große Wahnsinn nennt sich Entwicklungshilfe. Dort sollen davon von Deutschland 0.7% des BIP in die Welt hinausgeblasen werden.

    Was Du heute nicht entwickelst, steht Dir morgen als Migrant und übermorgen als Büttel Chinas vor der Tür ... kann man wollen, muss man aber nicht.

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