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  • Frilund

82 Beiträge seit 04.10.2020

Wieder Unvergleichbares zusammengemischt, was getrennt gehört

Zum Thema Bioplastik
Wie leider oft zu lesen, wird auch hier zusammengemischt, was man trennen muss (nicht nur den Müll ;-)). Das Eine ist die Sache selbst, in diesem Fall die Chemie. Das Andere ist das Ökonomische, also, wie verhält sich die Sache in kapitalistischer Hinsicht?
1. Chemie: Selbst wenn die jetzige Forschung noch nicht ganz am Ziel ist, wäre es eine Frage der wissenschaftlichen Ressourcen, die man reinsteckt, um schnell einen Bio-Kunststoff zu entwickeln, der die gewünschten Eigenschaften hat. Nur zur Erinnerung: Vor 50 Jahren waren ein paar auf dem Mond, heute gibt es Computerchips mit Abermilliarden Transistoren drauf, so groß wie ein Fingernagel usw. - also bitte nicht sagen, "das geht nicht".
Warum das nicht oder unzureichend passiert, steckt in 2.
2. Die kapitalistische Ökonomie verhindert das. Denn im Kapitalismus muss aus Geld mehr Geld gemacht werden, dieser Regel hat sich alles Sachliche unterzuordnen, sonst findet es keine Anwendung, so nützlich es auch sein mag. Da wird in der "Höhle der Löwen" lieber ein Startup unterstützt, das neue hippe Handyhüllen auf den Markt bringt als ein anderes, das eine alltagserleichternde App für Blinde entwickeln will. Warum? Weil das erste Startup Gewinn verspricht, beim zweiten zweifeln die Investoren, also wird es nicht unterstützt.
So ist es auch in diesem Fall in mehrfacher Beziehung: Das Verrotten der jetzt schon vorhandenen Bio-Beutel würde mehr Aufwand (= weniger Gewinn) für den Komposter bedeuten (vielleicht auch eine andere, teurere Art von Anlage =weniger Gewinn), also findet es nicht statt. Die Forschung ist teuer für ein Unternehmen, noch dazu mit fraglichem Ausgang (kommt da wirklich mehr Geld raus, als ich reingesteckt habe? ist die einzig ökon. interessante Frage im Kap.; wenn es eine positive Einschätzung gibt, gibt es Forschung; sonst nicht), also findet sie nicht (oder zu zaghaft) statt.

Wer diese beiden Abteilungen immer vermischt, wird sich nie klar, warum hier in einer Tour der Planet systematisch verratzt wird. Antwort: Weil es sich für manche (die, die viel Geld zum Investieren haben) sehr lohnt. Die schießen Geld vor und bekommen mehr Geld zurück - und Geld als abstrakter Reichtum ist das Einzige, was im Kap. in ökonomischer Hinsicht zählt. Alles andere hat sich ihm unterzuordnen. Diese Art von Lohnen führt am Ende zu dem ausgenutzten Planeten, den wir jetzt haben.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (19.01.2023 13:10).

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