aber ich pick mir da mal ein paar Punkte aus dem Artikel raus die besonders auffällig sind. (von der typisch einseitigen Sichtweise natürlich mal abgesehn aber die zieht sich durch den kompletten Artikel durch)
Der – letztlich erfolgreiche – Versuch der EU mit Unterstützung Washingtons 2014, die Ukraine in das westliche Lager zu ziehen, ohne dabei die historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen der Ukraine mit Russland sowie die innerukrainische Diversität zu respektieren, ja sogar das entweder-EU-oder-Russland-Ultimatum gegenüber Kiew zu stellen und diese Entscheidung Kiews mit der Unterstützung eines Umsturzes gegen die gewählte Regierung W. Janukowitsch in die "richtige Richtung" zu befördern, führte dann tatsächlich zu dem offenen Bruch zwischen Russland und dem Westen.
Die alternative für die Ukraine wäre der Zustand eines von Moskau aus gesteuerten Marionettenstaates im Beispiel von Belarus.
Das blendet der Autor natürlich aus.
EU und USA reagierten angesichts des nur halben Sieges in dem "Schachspiel", um die Ukraine – um es mit den Worten des verstorbenen US-Geostrategen Z. Brzezinski zu formulieren – mit massiven Sanktionen gegen Russland
Der Autor stellt ja selber fest, dass die Annexion völkerrechtswidrige war und nun beschwert er sich über eine entsprechende Reaktion darauf? Welche Reaktion hätte sich denn der Autor vorstellen können?
Die darauffolgende Sezession und völkerrechtswidrige Integration der Krim in die Russische Föderation
die diversen Runden der Nato-Osterweiterung
Warum viele ehemalige SU Länder in die Nato wollen ist ja nun offensichtlich.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, der russische Krieg gegen die Ukraine ist unbestreitbar ein Bruch des Völkerrechts, ebenso die darauffolgenden Annexionen von vier ukrainischen Gebieten. Diesem offenen regionalem Krieg liegt indessen, wie oben erwähnt, ein viel länger währender Krieg unterhalb der Schwelle einer direkten militärischen Auseinandersetzung zwischen dem Westen und Russland zugrunde.
Und hier, erst wird das Verhalten Russlands verurteilt nur um es noch im gleichen Absatz wieder mit dem Verhalten des Westens zu relativieren?!
Die Gefahr des Überspringens in einen direkten militärischen Schlagabtausch wächst mit jedem Tag und jeder weiteren Waffenlieferung, da Russland das westliche Engagement in der Ukraine als das einer Kriegspartei qualifiziert.
Was stellt sich hier der Autor vor? Ein Ende der Waffenlieferung und ein Ende der Existenz der Ukraine unter russischer Herrschaft? Den auf nichts anderes würde dieser Stopp hinauslaufen.
Entgegen vielfacher Verkürzungen und Verzerrungen über die Kriegsursachen hierzulande wie auch in Russland, muss folgendes hervorgehoben werden: Der am 24. Februar 2022 begonnen militärische Angriff Russlands auf die Ukraine hat sicherlich imperiale ("Sammeln russischer Erde"), nicht jedoch imperialistische Motive (diese Termini werden beabsichtigt undifferenziert verwendet).
Dann sollte der Autor mal erklären worin er den Unterschied zwischen imperiale und imperialistisch sieht?
Schauen wir mal genau hin:
Das Wort "Imperialismus" kommt aus dem Lateinischen. Es bezeichnet das Streben von Staaten, ihre Macht weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus auszudehnen. Das kann dadurch erfolgen, dass schwächere Länder gezielt politisch, wirtschaftlich, kulturell oder mit anderen Methoden vom stärkeren Land abhängig gemacht werden. Manchmal führt auch ein stärkeres Land direkt einen Krieg gegen ein schwächeres Land, um die Kontrolle über dieses Land zu erreichen.
Was im Westen jedoch gerne übersehen wird: Dieser Krieg hat auch oder sogar primär eine sehr starke sicherheitspolitische Dimension: Die Nato-Erweiterung nach Osten bis in den post-sowjetischen Raum und somit unmittelbar an Russlands Grenzen.
Und in diesem Punkt hat Russland mit seinem Überfall auf die Ukraine genau das gegenteil von dem Erreicht was es dem Autor nach wollte. Und das war natürlich zu erwarten... nur ein Putin der von Kopfnickern und Jasagern umgeben ist konnte auf die wahnsinnige Idee kommen mit diesem Krieg "durchzukommen".