Worum gehts?
Daß es hier nicht um einen Kotau geht, sondern schlicht um ein geostrategisches Quid pro quo, ist wohl für eine gewisse Klientel, einfach nicht zu begreifen. Marroko ist das Tor zu den französisch dominierten Märkten Westafrikas und selber einer der größten Direktinvestoren in Afrika und größter in Westafrika. Seine Stellung in der Region, ist die einer aufstrebenden Regionalmacht mit hegemonialen Ambitionen. Sein direkter Konkurrent um diesen Platz ist Algerien, welches genau aus diesem Grund die Polisario unter seine Fittiche genommen hat. Beide Staaten versuchen hier die Lücken zu besetzen, die der Krieg gegen Libyen (das vormals ein bedeutender Akteur auf entwicklungs- und sicherheitspolitischer Ebene war) gerissen hat. Marokko setzt dabei ua auf die Integration von Flüchtlingen aus dem Sahel, um sein Gewicht in der Region zu erhöhen. Dabei ist diese Integrationspolitik zwar außenpolitisch erfolgreich, schürt innenpolitisch aufgrund verbreiteter rassistischer Haltungen gegenüber den Menschen der Subsahara, aber Konflikte. Die temporären "Grenzöffnungen", sind somit auch ein innenpolitisches Signal, eben nicht als Bollwerk gegen Flüchtlinge für die EU zu fungieren...
Die Haltung der EU, eine Verhandlungsoption gegenüber einer völkerrechtlichen Position zu vertreten, entspricht hier der Haltung der Afrikanischen Union, welche in der Afrikastrategie der EU stärker integriert werden soll.
Strecks Text weiss von all dem nix, und es ist ihm auch egal. Wichtig ist ihm, daß Deutschland hier Stärke gegenüber dem popeligen Marokko und Stärke gegen den französischen und amerikanischen Rivalen zeigt, am besten mit Kanonenbooten....
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (16.01.2022 13:05).