Für ein Ungleichheitsbarometer hat die Universität Konstanz Daten erhoben, die zeigen, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ihren Wohlstand entweder überschätzt oder unterschätzt. Dadurch ordneten sich mehr Menschen der Mittelschicht zu, als ihr tatsächlich angehören.
Das ist so leider nicht richtig, denn tatsächlich war es die Politik unter Angela Merkel, die – übrigens sehr geschickt – denen, die nur ein paar Euro über dem Sozialhilfesatz haben erklärte, dass sie die Mittelschicht seien. Der Hintergrund war nämlich, dass man die Menschen sich über die selbst erschaffene »Randgruppe« der Leistungsbezieher stellen konnte, damit die sich besser fühlen können. Hat ja auch bestens funktioniert.
Um das ganze noch weiter anzuheizen, wurden Leistungsbezieher auch gar nicht erst aufgeteilt, sondern jeder ohne Arbeit, der dort in einem der Jobcenter gelandet ist, wurde ohne jegliche Prüfung Faulheit unterstellt.
Diese neu entstandene fühlte Pseudomittelschicht sich derart überlegen, dass sie gar nicht gemerkt haben, wie sie selbst veralbert wurden.
Wie oft hat man hören müssen, dass z. B. ALG II Bezieher (und jetzt auch die Bürgergeldbezieher) viel zu viel Geld bekämen. Sie kommen nicht ja einmal auf die Idee, dass sie selbst einfach nur unterbezahlt sind!
Aber was solls, man hat für die Geringverdiener ein »Feindbild« erschaffen, das sie von den wirklichen Problemen erfolgreich ablenkt.
Vor Jahren habe ich eine Freundin von der Frau meinen Freundes kennengelernt, die ihrerseits Abteilungsleitern bei der hiesigen Agentur für Arbeit ist. Die hat mal ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert und mal aufgeschlüsselt, wer von den Leistungsbeziehern tatsächlich nicht arbeiten will: Das ist nur ein mittlerer einstelliger Prozentsatz, der zum übergroßen Anteil aus jüngeren Menschen besteht.
In der Hauptsache sind dort chronisch Kranke, zu alte, die nicht mehr vermittelbar sind und sogar »Akademiker« zu finden, die ohne Promotion keine Chance auf einen Job haben. Zumindest in Naturwissenschaftlichen Berufen (was im übrigen auch erklärt, warum kaum noch ein Schüler ein MINT-Fach studieren möchte) und hängen dann beim Jobcenter fest, weil sie noch keine 5 Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, um zumindest ALG I bekommen zu können.
Diese Gruppe, die immer größer wird, hat dazu geführt, dass der große Teil wirklich ernsthaft glaubt, dass sie selbst zur Mittelschicht gehören würden, denn unter ihnen gibt es schließlich noch eine Gruppe.
Klingt doch auch logisch, denn wenn es eine Gruppe (Unterschicht) gibt, die auf staatliche Hilfe angewiesen ist, müssen sie zwangsläufig zur Mittelschicht gehören, wenn sie ohne Hilfe auskommen.
Witzig finde ich ohnehin, dass jemand mit dem niedrigsten akademischen Abschluss, nämlich dem Bachelor, sich ernsthaft für einen Akademiker hält. Dabei haben sie in ihrem Fach nicht einmal das Hauptstudium absolviert, wobei ein schon ziemlich großer Teil der Studenten eigentlich – um es einmal auf einen Auszubildenden im Handwerk zu beziehen – gerade einmal ihre Zwischenprüfung abgeschlossen haben. Kein Handwerksmeister käme auf die Idee jemanden mit dieser »Qualifikation« als Gesellen einzustellen.
Wirklich ernst zunehmende Akademiker haben promoviert und heben sich damit von der Masse ab.
Das sei aber nur mal so nebenher erwähnt.
Wie dem auch sei, die Uni Konstanz hat nur das »herausbekommen«, was ihnen schon die Politik zur Zeit von Angela Merkel immer wieder erklärt hat. Dass die Universitäten von staatlichen Geldern abhängig sind, hat sich doch hoffentlich herumgesprochen; warum sich also über diese »Ergebnisse« wundern?
Vor 40 Jahren war es ganz einfach: zur Mittelschicht gehörten all jene, die selbstständig waren und ein Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten hatten; darunter war dann nur die heute abfällig genannte Unterschicht. Der »einfache« Akademiker der z. B. als Architekt angestellt war gehörte auch damals nicht zur Oberschicht, weil ein Lohn- und Gehaltsempfänger gar nicht dort aufgenommen wurde. Insgesamt ist in erster Linie das soziale Umfeld wie auch das Einkommen der Faktor überhaupt der die Einordnung in die Oberschicht erst erlaubt.
PS: Die Kinder von FfF ordnen sich selbst zu fast 70 % in die obere Mittelschicht ein; ein Teil von immerhin 4 % sogar zur oberen Oberschicht. Für die untere Mittelschicht bleibt wenig Platz. Ein Vergleich der Beruflichen Tätigkeiten der Eltern sagt einiges dazu aus.
Weiteres findet man dazu beim »Institut für Protest- und Bewegungsforschung« aus Berlin.