Nein, nicht der euphemistischen Mittelschicht, sondern der gesamten unteren Klasse. Lohn- und Gehaltsabhängige (Wer bemerkts noch?), Arbeitslose.
Der Abstieg geht schon sehr lange und auf vielen Ebenen.
Mein Großvater war Handwerker mit eigenem Geschäft. Friedhofssteinmetz. Relativ Krisensicher. Zu einer Zeit, als in Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut werden musste. Zwei Kinder hat er in die Welt gesetzt und jedes sollte ein Haus erben können. Die Kinder sollten sich nicht so plagen müssen wie er und seine Frau, die sich um die Buchhaltung, die Kinder, den Haushalt, ihren Mann und einen Nebenverdienst als Heimnäherin kümmerte.
Die damit verbundenen Geschichten habe ich noch immer im Ohr. Auch, dass der Vater meines Großvaters wertvolle Grundstücke besaß, die er aber seiner viel jüngeren zweiten Frau vermachte, während mein Großvater enterbt wurde.
Dennoch war es drin, mit viel Eigenleistung zwei Häuser, ein Feriendomizil, eine Laube und regelmäßige Fahrten und Flüge dorthin plus zwei Kinder zu finanzieren.
Von all dem ist noch ein Haus in Familienbesitz, der Rest wurde vor relativ kurzem verkauft.
Und so, wie es im Moment aussieht, wird das letzte Haus dieses Schicksal teilen, sobald meine Eltern nicht mehr sind, was zum Glück noch eine Weile dauern dürfte.
Dann werde ich aber nicht ein Haus verlieren, was eine Million wert ist (Lage!), sondern meine Heimat.
Die Alternative wäre, sich kaputtzumalochen, nur um dieses eine Haus halten zu können.
Und so geht es vielen in meiner Generation, deren Eltern sich noch, ohne sich zu sehr lächerlich zu machen, Mittelschicht geschimpft haben.
Insbesondere denen, die einen sozialen Beruf ergriffen haben oder der Selbstverwirklichungslüge auf den Leim gegangen sind.
DOITSCH-LAND!!!
https://www.youtube.com/watch?v=NeQM1c-XCDc
Gruß
Calyx