Die meisten Artikel zur Affäre Aiwanger bei der SZ befinden sich hinter einer Paywall. Da ich dem Zentralorgan der Öko-Bourgeoisie ums Verrecken keinen einzigen Cent in den Rachen schieben will, habe ich darauf keinen Zugriff. Die meisten bayerischen Wähler, die in anderthalb Monaten einen neuen Landtag wählen sollen, dürften ebenfalls keinen Zugriff darauf haben. Allein das gibt der Sache einen üblen Beigeschmack. Wenn die SZ meint, gegen den Spitzenmann einer im Landtag vertretenen Partei mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs solche Vorwürfe zu erheben, dann sollten sie frei zugänglich sein. Aber Vorwürfe in die Welt zu setzen und die Details dann hinter eine Paywall zu stellen, das geht in diesem Fall nicht.
Mal abgesehen davon: Nach meinen Informationen zitiert die SZ einen namenlosen Lehrer, der Aiwanger allein deshalb für überführt hält, den Text geschrieben zu haben, weil man einige dieser Flugblätter in seinem Schulranzen gefunden hätte. Was ist denn das bitteschön für eine Logik? Etliche Schüler, beispielsweise ich, hatten während ihrer Schulzeit in den 80er Jahren allen möglichen Krempel in ihren Schultaschen. Natürlich gab es auch die Ordnungsfanatiker, die täglich ihren Schulranzen aufräumten, aber das taten längst nicht alle. Diese Äußerung eines Lehrers ist nicht einmal ein Indiz dafür, dass Hubert Aiwanger den Text verfasst hat, sondern eher ein Beweis, dass der Disziplinarausschuss der Schule schlampig gearbeitet hat.
Inzwischen meint die SZ, aufgrund eines Fehlers beim Buchstaben W die Smoking Gun, die Hubert Aiwangers Urheberschaft beweisen soll, gefunden zu haben. Inzwischen ist aber auch allgemein bekannt geworden und hinlänglich durch die Medien gegangen, dass es zu jener Zeit zwei Aiwangers im 11. Jahrgang dieses Gymnasiums gegeben hat: einmal den Hubert, den erfolgreichen Schülersprecher, und den Helmut, einen deutlich weniger erfolgreichen Sitzenbleiber. Spätestens hier hätten die Schreiberlinge der SZ innehalten und sich die Frage stellen müssen, wessen Urheberschaft wohl plausibler ist: Die von Hubert, dem erfolgreicheren der beiden Brüder, oder die von Helmut, dem Sitzenbleiber. Es liegt auf der Hand, dass wohl eher der frustrierte der beiden Brüder als Urheber in Betracht kommt.
Aber das Naheliegende zieht man bei der SZ nicht in Erwägung. Statt dessen spekuliert die SZ, natürlich hiter einer Paywall, warum Hubert Aiwanger sich für das Flugblatt hat bestrafen lassen. Die Antwort darauf liegt ebenfalls auf der Hand: Weil man seinen eigenen Bruder nicht verpfeift, vor allem nachdem die Lehrer mit der Polizei gedroht haben und weil Hubert befürchten müsste, dass sein Bruder Helmut ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung an den Hals bekommt, wenn er ihn verpetzt? Was ist schon ein Straf-Referat im Vergleich zu dem Ärger, den das verursachen würde?
Unterdessen frohlocken die anderen grün angehauchten Medien, etwa die Zeit, dass die Affäre Aiwanger den bayerischen Wahlkampf verändern und vor allem die Grünen davon profitieren könnten, etwa hier: https://www.zeit.de/politik/2023-08/hubert-aiwanger-antisemitismus-bruder-nachrichtenpodcast. Auf das Offensichtliche, dass er hier seinen Bruder schützen will, geht dieser Podcast natürlich ebenfalls nicht ein.
Ich bin weiß Gott kein Freund der Freien Wähler. Das sind neoliberale Ultras, die nicht begreifen, dass ihre neoliberalen Rezepte zur Verarmung der Mittelschicht, deren Interessen sie zu vertreten vorgibt, führt. Aber das, was die Medien in der Causa Aiwanger abziehen, ist für mich schlicht eine widerliche Schmutzkampagne.