Zwar wird mit der Etikettierung der Einführung der Aktienrente in gesetzliche
Rentenversicherung als Ausbau der "neoliberalen" Umgestaltung des Sozialstaats
die Gemeinheit der Politikergarde benannt, wie ein für die Bestreitung des
"Lebensabends" unabdingbares Geld als Spekulationsmasse am Kapitalmarkt
freigegeben wird - aber zu kurz gegriffen ist die Vorhaltung, damit zuvorderst
für die Geldinteressen der Kapitalmarktakteure unterwegs zu sein.
Vielmehr ist der Einstieg in "kapitalgedeckte Versicherung" in das bisher
umlagefinanzierte System für die Rentenpolitiker die Verlängerung der
Gemeinheit, die mit der privaten Altersvorsorge eingerissen ist: ein Geld,
dass der Sphäre des Notwendigen entspringt und seinen Bestimmungszweck
in Existenzbestreitung im Alter hat, wie als Überschüssiges zu deklarieren.
Mittel für Lebensnotwendiges wie Kapital zu behandeln, steht unvereinbar
gegeneinander.
Gegen die Anleger von Rentenbeiträgen in Kapitalanlagen macht sich das als
jederzeit zu gegenwärtigende Verlust des Angelegten geltend, je nach den
Kalkulationen der Kapitalmarktagenten, den die sich aus exístenziellen Gründen
garantiert nicht leisten können - im Gegensatz zu dem professionellen
Geldguru, der das Geld übrig hat und nicht auf es für profane Lebenserfordernisse
angewiesen ist.
Natürlich haben die "Neoliberalen" im Sondierungszirkus die Vorstellung, wenn
eine Rentenanstalt gleich mit zig Milliarden wie als institutioneller Anleger
auftritt, dem ganz anderes Agieren auf den Kapitalmärkten offenstünde. Bloß:
an der Gemeinheit, wie hier lebensnotwendige Mittel von Millionen Eigentums-
losen dem finanzkapitalistischen Spekulationsunwesen preisgegeben werden,
ändert das nichts.
Im übrigen ist zentraler Antrieb für diesen "neoliberalen" Feldzug, wie der
Staat schon seit Jahrzehnten daran herumlaboriert, wie die Verköstigung
von endgültig aus der nationalen Wirtschaft Ausgemusterten möglichst
billig zu handhaben geht - angesichts dessen, dass der nationalen
Unternehmerschaft unter dem Titel Lohnnebenkosten die Abzwackung
von Beiträgen für das Leben nach dem Werkelleben als unerträgliche
Kostenlast für ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht oder jedenfalls nur
begrenzt zumutbar sei - und zudem wegen der erfolgreichen Weg-
rationalisierung von Arbeitsplätzen für den Profit immer weniger
aktiv Beschäftigte oder immer mehr mit prekärer Beschäftigung/
Niedriglohnverdiener die Rentenlasten schultern sollen müssen.
Von daher erklärt sich der Einfall, die sog. Rentenlücke lasse sich wie
ein Wunder durch geschickte Händelung des Einsatzes der
Rentenbeitragsmassen auf Geldmärkten bewirtschaften ("Streuung"
der Anlagen ist das Stichwort, damit nicht auf einem Schlage
die ganzen schönen Anlagen futsch sind, wenn sie nach finanzkapitalisten
Rechnungen für wertlos befunden werden).