Es ist müßig, die vielen Fehler und Irrungen aufzuzählen, die nach der Oktoberrevolution von der russischen KP begangen wurden und zum Teil noch heute begangen werden. Wichtig erscheint mir nur der Umstand, dass tatsächlich diese Welt heute eine andere wäre, hätte die Konterrevolution aus Weißen, Briten, US-Amerikanern, Japaner und anderen Erfolg gehabt. Wahrscheinlich hätten die Freiheitsbewegungen auf den unterdrückten Kontinenten Afrika, Asien und Südamerika ebenfalls nie eine Chance bekommen. Dass China einen ganz eigenen Weg gehen kann - was immer dieser Weg auch ist - , dass Indien kein Land als britische Kolonie mehr und wie so viele große und kleine Länder "frei" ist, kann man als Ergebnis des Entstehens der Sowjetunion sehen. Das Fenster zur Weltherrschaft stand für einen Moment offen für die kapitalistischen Staaten, und das hat Lenin geschlossen.
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Antwort auf Fenster zu von Ratsdelftspucker.
Geschichte kennt kein Konjunktiv....
vlt wäre es ohne die Bolschewiki auch zu einer sozialistischen Revolution, statt zu ihrer Verhinderung gekommen.....Das Posting wurde vom Benutzer editiert (07.11.2022 11:00).
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Antwort auf Re: Fenster zu von Morgen komm ich dich holen.
vlt wäre es ohne die Bolschewiki auch zu einer sozialistischen Revolution, statt zu ihrer Verhinderung gekommen...
So ähnlich wie die sozialistische Revolution 1918 in Deutschland, als die Sozialdemokraten eben diese abwürgten - mit allen Folgen in den zwanziger Jahren bis 1933? Ist ein gutes Beispiel für die totale "Machtergreifung" des Kapitals.
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Antwort auf Re: Fenster zu von Ratsdelftspucker.
Die sozialdemokratische Wählerschaft, war schlichtweg nicht mehrheitlich revolutionär eingestellt. Was der Durchschnittsarbeiter wollte, war eine bürgerlich-demokratische Demokratie, keine bolschewistische Revolution.
Dass die Sozialdemokratie hier keine revolutionäre Rolle spielte, kann man ihr Vorwerfen, aber nur aus der idealistischen Perspektive des Revolutionärs herraus. Sich selbst hat die Sozialdemokratie nicht verraten. Der revisionistische Flügel war schon seit gut zwei Jahrzehnten tonangebend. Und die Wahlergebnisse zeigten, das sie, und nicht die USPD (und auch die war lediglich radikalreformerisch) die Mehrheit vertrat....Das Posting wurde vom Benutzer editiert (07.11.2022 12:11).
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Antwort auf Re: Fenster zu von Morgen komm ich dich holen.
Was der Durchschnittsarbeiter wollte, war eine bürgerlich-demokratische Demokratie, keine bolschewistische Revolution.
Was der "Durchschnittsarbeiter" wollte, war eine vollständige Entmachtung der alten, kaiserlichen Kräfte und Gutsherren, waren kraftvolle Gewerkschaften, sichere Arbeitsplätze, gute Löhne und vor allem Frieden. Von all diesen Vorstellungen, die anfangs genauso die "revisionistische" SPD mittrug, blieb am Ende nichts übrig, weil die SPD-Spitze mit Hilfe der äußersten Reaktion jede echte Veränderung verhinderte und alle Proteste mit Waffengewalt niederschlug. Die SPD verhinderte damit am Ende sogar die bürgerliche Demokratie. Mag sein, dass eine Revolution á la Lenin im damaligen deutschen Reich nicht gewollt war - aber die reaktionären Kräfte in der SPD verhinderten mit der Zerschlagung des entstehenden Rätesystems jede wirklich demokratische Entwicklung. Wer's nicht glaubt, siehe sich die Geschichte der Weimarer Republik an - und vor allem ihr Ende!
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Antwort auf Re: Fenster zu von Ratsdelftspucker.
Ratsdelftspucker schrieb am 07.11.2022 12:21:
Was der Durchschnittsarbeiter wollte, war eine bürgerlich-demokratische Demokratie, keine bolschewistische Revolution.
Was der "Durchschnittsarbeiter" wollte, war eine vollständige Entmachtung der alten, kaiserlichen Kräfte und Gutsherren, waren kraftvolle Gewerkschaften, sichere Arbeitsplätze, gute Löhne und vor allem Frieden. Von all diesen Vorstellungen, die anfangs genauso die "revisionistische" SPD mittrug, blieb am Ende nichts übrig, weil die SPD-Spitze mit Hilfe der äußersten Reaktion jede echte Veränderung verhinderte und alle Proteste mit Waffengewalt niederschlug. Die SPD verhinderte damit am Ende sogar die bürgerliche Demokratie. Mag sein, dass eine Revolution á la Lenin im damaligen deutschen Reich nicht gewollt war - aber die reaktionären Kräfte in der SPD verhinderten mit der Zerschlagung des entstehenden Rätesystems jede wirklich demokratische Entwicklung. Wer's nicht glaubt, siehe sich die Geschichte der Weimarer Republik an - und vor allem ihr Ende!
na ja, kann man einerseits natürlich so sehen, weil die Aufstände in München und Nürnberg, später im Ruhrgebiet ja tatsächlich von Noske und den Freikorps niedergeschlagen wurden.
Wenn man sich andererseits die Wahlergebnisse zum Reichstag anschaut, dann waren diese Revolutionen weit davon entfernt, von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen worden zu sein.
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Antwort auf Fenster zu von Ratsdelftspucker.
Ratsdelftspucker schrieb am 07.11.2022 10:36:
Das Fenster zur Weltherrschaft stand für einen Moment offen für die kapitalistischen Staaten, und das hat Lenin geschlossen.
Und dafür die KZ geöffnet.
"So ordnete er am 9. August 1918 in einem Schreiben an die Behörden von Nischni Nowgorod an: „Organisiert umgehend Massenterror, erschießt und deportiert die Hundertschaften von Prostituierten, die die Soldaten in Trunkenbolde verwandeln, genauso wie frühere Offiziere, etc.“[69] Am selben Tag ordnete er gegenüber den Behörden von Pensa die Einrichtung eines Konzentrationslagers an."
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Antwort auf Re: Fenster zu von .
Soweit nicht falsch. Aber ich weise auf den Ersten Satz in meinem obigen Beitrag hin...
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Antwort auf Re: Fenster zu von Ratsdelftspucker.
Da ist schon was drann, man muss aber auch sehen, dass sie gezwungen waren mit dem alten Apparat zu kooperien. Dass, was heute geheimnisumwittert "tiefer Staat" genannt wird, war damals, ganz banal, die Beamtenbürokratie. Und diese saß an allen Schaltstellen der Macht, war ultrareaktionär und fanatisch demokratiefeindlich. Die neue Regierung war ein zahnloser Tiger, ohne Rückhalt im bürokratischen Apparat. Um überhaupt handlungsfähig zu sein, ging sie quasi jeden dreckigen Kompromiss ein. Sie war somit ein gutes Stück weit, selber Getriebener....
Aber ja, neben diesem Aspekt, herrschte auch eine ordentliche Abscheu gegen "umstürzlerische" Kräfte. Im Kern war die MSPD-Spitze selber reaktionär und ideologisch im alten System stärker verhaftet, als sie es sich selber eingestand..... -
Antwort auf Re: Fenster zu von Ignoramus-et-Ignorabimus.
Ignoramus-et-Ignorabimus schrieb am 07.11.2022 12:41:
na ja, kann man einerseits natürlich so sehen, weil die Aufstände in München und Nürnberg, später im Ruhrgebiet ja tatsächlich von Noske und den Freikorps niedergeschlagen wurden.
Gut daß Du die Freikorps erwähnst. Wir fragen mal ganz böhse: Wer war dort das Fußvolk? Das waren auch Proletarier. Milizen und Armeen bestehen in Bürgerkriegen eben nicht aus außerhalb der Klassenordnung einzuordnenden Personen. Da kämpft der Arbeiter gegen den Arbeiter. btw: auch in Finnland hat man entsprechende Aufstände blutig niedergeschlagen. Die Kampfverbände der Weißen bestanden eben nicht aus lauter Bürgerlichen.