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Re: Die Unterstellung der "Klimakleber"

Lingen2 schrieb am 12.04.2023 10:13:

Es stimmt nicht, dass Wirtschaftswachstum nur mit gesteigertem Ressourcenverbrauch möglich ist.

Beispiel: Kauf eines neuen Fahrrads im Vergleich zum Kauf eines aufbereiteten Gebrauchtrades. Der Gebrauchtkauf kann über die Reparaturleistung durchaus einen höheren Beitrag zum BIP leisten als die Herstellung eines Neuproduktes.

Ja, mehr Dienstleistungen, weniger Produktion - das ist die Formel der Entkoppelungsfans. Stell dir die Reparatur-Nummer mal im großen Stil vor, also als verbreitete Alternative zum Neukauf und mit Handys, Autos, Fernsehgeräten, Textilien, usw., usw. - dann schrumpft die Wirtschaft natürlich, was denn sonst? Übrigens kommen Dienstleistungen auch nicht ohne Energie aus.

Mithin ist Klimaschutz auch bei fortgesetztem Wirtschaftswachstum möglich.

Sicher nicht. Ein wenig Entkoppelung kriegt man hin, aber lange nicht genug, um wirksamen Klimaschutz zu machen. Es hilft nichts, das Wachstum muss enden.

Nicht möglich ist dagegen Klimaschutz ohne individuelle Verhaltensänderungen - und da haben wir leider ein massives Problem. Zu viele Menschen meinen, dass der Betrieb einer 20 Jahre alten Ölheizung oder der tägliche Arbeitsweg alleine in einem Auto unantastbares Gewohnheitsrecht seien.

"Individuell" läuft garnix. Die Leute sehen zu, wie sie ihren Alltag auf die Kette kriegen, und selbst wenn sie supergenau wissen, wie schlimm es um das Klima steht und wie klimaschädlich Autofahren ist, entscheiden sie sich für den Moment stets für die bequemste Lösung. Wissen ist überbewertet. Selbst Klimaforscher reisen mit Auto oder gar Flugzeug zum Klimakongress an. Es geht nur mit politischen Maßnahmen. Anfang der 2000er Jahre kam trotz heftigen Gemeckers das Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen. Von einem Tag auf den anderen sah die Gastronomie völlig anders aus.

Was aber stimmt: Die Politik muss die Leute mitnehmen. Es ist auch nicht schwer, eine breite Mehrheit davon zu überzeugen, dass der Gesundheitsschutz wichtiger ist als die Freude am Qualmen. Ich habe damals geraucht, und die neue Regelung war bitter für mich, aber ich habe sie kapiert und akzeptiert.

Genau sowas fehlt beim Klimaschutz. Weil dafür eine wichtige Voraussetzung fehlt: ein Gesamtkonzept. Das kann auch nicht geben, denn die Meinungen darüber, was getan werden muss, gehen stark auseinander. Es gibt den Mainstream des "grünen Wachstums", es gibt die Postwachstumsökonomie, und dazwischen gibt es noch viele weitere Lösungsansätze. Und es gibt Studien... so richtig viele, aber so ganz wasserdicht ist keine.

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  1. - Barbarix 74 Die Unterstellung der "Klimakleber"
    1. unbekannter Benutzer -50 Re: Die Unterstellung der "Klimakleber"
      1. xj12 50 Re: Die Unterstellung der "Klimakleber"
        1. unbekannter Benutzer   Re: Die Unterstellung der "Klimakleber"
      2. Lingen2   Re: Die Unterstellung der "Klimakleber"
        1. Orca30   Re: Die Unterstellung der "Klimakleber"
          1. ACD   Re: Die Unterstellung der "Klimakleber"
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