Barbarix schrieb am 12.04.2023 07:44:
Darüber mag man diskutieren, jedoch finde ich, dass man durch Festkleben auf Straßen dem Land unterstellt, dass der "normale" Protest per angemeldeter Demonstration nichts bringt. Erfahrungsgemäß ist das so, wenn kaum einer - aus welchem Grund auch immer - zu der Demo geht. Und wenn das so ist, dann hat man entweder die Menschen mit dem Thema nicht erreicht oder man steht eben mit der Meinung alleine da (und das sollte man dann auch einsehen).
Ne, das ist komplizierter. Das Klimaproblem ist in der Breite der Bevölkerung längst angekommen, die meisten erkennen auch das Ausmaß des Problems. Bemerkenswert ist an den Umfrageergebnissen der letzten Zeit, dass nicht nur eine deutliche Mehrheit entschlossenere Klimapolitik will, sondern dass - anders als bei der Atomkraft, der die meisten Deutschen jahrzehntelang ablehnend gegenüberstanden - das Thema Klimaschutz an sich bei erstaunlich vielen weit oben steht, noch vor den "Klassikern" Sicherheit und Bildung.
Trotzdem steigen die CO2-Emissionen Jahr für Jahr. Wie kann das sein?
Es liegt aus meiner Sicht daran, dass über lange Zeit nicht ehrlich analysiert und kommuniziert wurde. Die Gesellschaft hat sich dem magischen Denken verschrieben; sie pflegt die Vorstellung, dass Wachstum (= gesteigerter Ressourcenverbrauch) auch auf ökologisch unbedenkliche Art möglich ist. Und das soll die Politik nun endlich mal umsetzen. Funktioniert aber eben nicht.
Selbst diejenigen, die die Unvermeidlichkeit einer deutlichen Reduktion unseres ungezügelten Treibens akzeptieren, erkennen oftmals nicht, dass damit ein ökonomisch-technisches Problem verbunden ist: Man kann den Kapitalismus nicht einfach schrumpfen, ohne dass er in eine schwere Krise gerät, die entweder mit Wachstum bekämpft wird oder in den Abgrund führt.
Es ist eine Tragödie.