Unvorhandener Winzling schrieb am 07.10.2022 10:39:
Natürlich laufen moderne Motoren bezogen auf den Verbrennungsprozess auch ohne AdBlue. Es gibt aber gesetzliche Vorgaben, die das Ziel haben, den Ausstoß von NOx (gemeinhin als Stickoxide bezeichnet) möglichst auf 0 zu senken. Dazu wird eben Harnstoff in den Verbrennungsprozess eingespritzt.
Okay, soweit so gut.
Ein solches Firmware-Update ist folglich illegal. Man macht das Reduzieren der NOx ja nicht aus Spaß, sondern weil auch die EU Umweltauflagen erlassen hat, die jedes Mitgliedsland einhalten muss, um nicht mit Strafen beaufschlagt zu werden.
Und das ist halt "typisch deutsch": wir stehen möglicherweise vor einem Zusammenbruch der Logistikbranche, wenn die LKW nicht mehr mangels AdBlue fahren können. Und die Begründung dafür liegt nicht in der Technik (man könnte ja), sondern in der Politik. Lieber lässt man also ein GROSSES Übel geschehen, statt etwas zu tun. Das ist einfach unklug.
Nun stand in meinem Beitrag "vorrübergehend": wenn die Spediteure aus Angst vor Strafen lieber in den Konkurs gehen und die Logistik zusammenbricht, ist die Politik gefordert, vorrübergehend die Gesetze zur Grenzwertregelung auszusetzen oder zumindest die Strafen für Verstöße dagegen. Ich meine, wir sprechen aktuell vom Analog des Rettungssanitäters, der lieber 500m Umweg mit seiner Rollliege läuft, statt über den Rasen zu laufen, nur weil da ein Verbotsschild steht. Wir sprechen hier vom Feuerwehreinsatzfahrzeug, dass nach 22 Uhr sich sklavisch an die 30km-Limits wegen Lärmschutz hält, während am anderen Ende des Orts die Kirche brennt.
Sollte man also angesichts der drohenden Katastrophe nicht reagieren und die Grenzwertregelungen aussetzen BEVOR sich kein Rad mehr dreht?
Auf niederländischen Autobahnen wurde deshalb Tempolimit 100 eingeführt, und die Bauern sollen ihren Rinderbestand reduzieren.
Es soll jeder dritte Viehwirt enteignet werden.
Ist ein anderes Thema.
Es hat übrigens seine Gründe, warum ich aktuell beim Thema "Klimaschutz" auf die Barrikaden gehe, wortwörtlich mit Fackel und Mistgabel: wenn der Preis für das Klima der Zusammenbruch von Gesellschaften und Volkswirtschaften in Europa ist, dann ist der Preis zu hoch. Selbstmord aus Angst vor dem Tod ist einfach dämlich.
Natürlich ergibt sich hieraus ein gewisser Zielkonflikt. Wollen wir nach wie vor etwas für den Umweltschutz tun oder wollen wir gefüllte Regale in den Supermärkten haben?
Es ist eigentlich unglaublich, dass man darüber wirklich eine Diskussion führen muss. Es ist offensichtlich: die Aufrechterhaltung der Grundversorgung der Menschen sollte Vorrang haben.
Dabei ziehe ich eindeutig auch den Umweltschutz (regional, national, kontinental) dem Klimaschutz vor: der ist keine Symbolpolitik und keine Ideologie, sondern mehrt den immateriellen Wohlstand der Menschen vor Ort, vulgo, Lebensqualität. Und der Umweltschutz steht NICHT der Grundversorgung im Weg, sondern die Ideologie vom Klimaschutz!
Ich glaube, wir werden bald erleben, wie sich die Menschen in der ehemaligen DDR gefühlt haben. Es ist ja nicht nur das Problem mit dem AdBlue-Mangel, sondern mancherorts finden die Supermarktbetreiber kein Personal mehr für das Auffüllen der Regale!
In der DDR war der Mangel aber nicht wegen Klimaschutzvorgaben bewusst ausgelöst worden, sondern weil Planwirtschaft einfach an der Lebenswirklichkeit vorbeizielt. Und weil man genau EINEN Fehler heute wieder macht, den am Ende die DDR untergehen ließ: man verhöherte die Erträge der Bevölkerung für Devisen ins Ausland. Damals waren es eben bestimmte Luxusprodukte, Möbel, Maschinen und Nahrungsmittel, die im Westen bei Quelle, Ikea oder im Supermarkt als billige "Eigenmarken" auftauchten. Heute verkaufen wir Gas aus dem Gasspeicher, der eigentlich die Reserve für Deutschland enthalten sollte und lässt Industriezweige zusammenbrechen.
Im Grunde sind wir strunzdämlich, wenn wir für's Klima alles machen und dabei unseren heutigen und jeden zukünftigen Wohlstand unserer Kinder zum Teufel jagen.