Ich habe schon beim Schreiben gewusst, dass das ein (un)schönes Beispiel dafür ist, wo apolitische Spiele hinführen können. Aber selbst diese Spiele von 1936 hatten zitierwürdige Beispiele zu bieten, in denen Athleten sich als Weltbürger begriffen und politische Grenzen transzendierten - Jesse Owens und Lutz Long zum Beispiel. Generell wird bei Olympia hinter sportlichen Kontrahenten der Mensch begriffen, wo kriegslüsterne Entscheidungsträger die Gegner zu entmenschlichen anstreben. Insofern kann man auch sagen, dass die Berlin-Spiele 1936 den zweiten Weltkrieg leider nicht verhindern konnten.
Rhodesien 1972: Da war wohl der politische Druck Rhodesiens nicht groß genug? Der ehemalige Apartheidstaat USA durfte ja jederzeit ungestört an den Spielen teilnehmen. Dass sich "Black Power" 1968 bei den Spielen äußerte, kann man als Politisierung deuten - wenn nicht die USA den grundsätzlichen olympischen Gedanken ignoriert hätte, indem sie einen Teil ihrer Athleten als minderwertige Menschen behandelte. Auch hier hatten die Spiele letztlich einen positiven Einfluss auf die Geschichte, ohne dass man das betroffene Land von außen hätte bloßstellen müssen.
Die beiden Boykotte 1980/84 haben vor allem eine Generation Sportler und (jugendliche Fans wie mich) um ihr wahres Olympia-Erlebnis gebracht. Gebracht hat diese politische Geste nichts weiter außer einer weiteren politischen Verhärtung der Fronten.