Man muss gar nicht den Vergleich zu Thilo Sarrazin bemühen, obwohl der sich natürlich anbietet. Das Prinzip lässt sich durch alle Bereiche der etablierten Öffentlichkeit verfolgen: Dort, wo keine wirklich tragfähigen eigenen Konzepte mehr vorhanden sind, reibt sich die zu konsolidierende Gemeinschaft an einem gemeinsamen Bösewicht, einem Feindbild, das die Anfeindungen idealerweise dann bestätigt. Weil es eventuell gar nicht anders kann, aus seiner Sicht heraus; was aber mindestens genau so viel über die eine, wie über die andere Seite aussagt. Der Gewinn ist in der Regel auf längere Sicht ein Pyrrhussieg. Die SPD hat sich nicht wegen Thilo Sarrazin, so weit nach rechts entwickelt, dass sie wirklich nicht mehr wieder zu erkennen ist, ebenso wie unsere vielzitierte westliche Wertegemeinschaft wegen ihrer kollektiven Feindbilder. Und auch der CDU wird es nach Maaßen nicht anders gehen. Friedrich Merz wird von sehr vielen CDU Wählern als eine Enttäuschung wahrgenommen und die Causa Maaßen kommt ihm sicher gelegen, um von seiner eigenen Schwäche abzulenken, auch wenn die Verteufelung Maaßens diesen Leuten aus den genannten Gründen ein Bedürfnis ist. Dass sich in dem Zusammenhang seit geraumer Zeit ganz andere Dinge tun, dass sich die Enttäuschten gesellschaftlich in anderen Organisationen finden – parlamentarisch wie es im Osten oder in Österreich geschieht, oder außerparlamentarisch wie in den massenhaften Montagsspaziergängen vor einem Jahr, das interessiert die Akteure nicht. Das ist der Trend, das sind die Kräfte, die jenseits der hier erwähnten so genannten Antifa wirklich für Veränderung sorgen werden, wenn nach Merz&Co. schon lange kein Hahn mehr kräht. Dieser Prozess ist unaufhaltbar und die CDU wäre gut beraten, sich klüger auszustellen und nicht von ihrem enttäuschenden Vorsitzenden funktionalisieren zu lassen. Das, wofür die CDU und die Phalanx der bürgerlichen Parteien einmal standen, ist dermaßen ausgehöhlt und austauschbar geworden, dass dieser Versuch einfach nur ein weiteres Symptom der Auflösung ist.
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Die harte Abgrenzung soll Identität stiften – Ideologie lebt von bösen Buben...
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Xermandi
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Kaisers Bart...
- Oerge Gorwell Re: Kaisers Bart...
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Kaisers Bart...
- Gucksel Re: Die harte Abgrenzung soll Identität stiften – Ideologie lebt von bösen Buben
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