Es geht nicht darum, dass Eichmann in einem rechtsstaatlich korrekteren Prozess einen anderen Ausgang hätte erwarten können oder die Israelis ihn nicht in jedem Fall zum Tode verurteilt hätten. Eichmann hat so reichlich Schuld auf sich geladen, dass das für mehrere Todesurteile gereicht hätte.
Es geht Gaby Weber, denke ich, vor allem darum, dass die BRD aktiv verhindert hat, dass der Eichmann-Prozess zu Erkenntnissen führen konnte. Mit einem sorgfältigen Prozess wären möglicherweise Netzwerke transparenter, untergetauchte Täter enttarnt und das Thema insgesamt präsenter geworden.
Das hätte etwa auch den Auschwitz-Prozessen ab 1963 helfen können, die so überhaupt nur als erste Prozessserie einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten konnten, weil Fritz Bauer als Generalstaatsanwalt nicht locker gelassen hat. Aber sie hätten mit einem erkenntnisreicheren Eichmann-Prozess effektiver und letztendlich überzeugender ausfallen können. Das wiederum hätte den Majdanek-Prozess in den 1970er-Jahren fokussiert oder auch früher ermöglicht.
Und der NSU-Prozess ist gewissermaßen ein Abziehbild davon, weil auch hier alle staatlichen Organe maximal gemauert haben, um die offensichtlichen Strukturen zu verschleiern. Eine der Folgen ist dann zum Beispiel, dass man beim Lübcke-Mord nicht wieder bei Adam und Evea hätte anfangen müssen, sondern mit einer besseren Kenntnis der Geheimdienststrukturen hier sehr viel klarer die Wirkketten und letztendlich auch die individuelle Schuld des Beschuldigten hätte bewerten können.
Und wer sich heute (noch) darüber wundert, findet in den Recherchen von Gaby Weber die Wurzeln dieser Traditionen.