Unter "Apartheid" versteht sich historisch das Regime der Rassentrennung in Südafrika. Auch die USA etwa waren ein Apartheidregime, Schwarze Menschen und Indigene betreffend.
Da in Israel aber palestinensische Israelis wählen dürfen und es eine Partei palestinensischer Israelis gibt, die im Parlament sitzt, ist eine Gleichsetzung mit den historischen Apartheidregimen äußerst fraglich, solange zumindest Israel nicht Palestina annektiert und den Palestinensern die Staatsbürgerschaft verwehrt.
Bis dahin finden die rassistischen Diskriminierungen (in der großen Mehrheit zumindest) anhand der Linie der Staatsbürgerschaft statt, nicht anhand einer konstruierten rassischen Trennlinie. Solche Diskriminierungen gibt es in allen Ländern, auch in Deutschland.
Es gibt innerhalb Israels auch explizit rassistische Gesetze. Es gibt Siedlungen, die bestimmten jüdischen Stämmen vorbehalten sind. Dadurch werden aber nicht nur palestinensische Israelis, sondern auch alle jüdischen Israelis diskriminiert, die keine Angehörigkeit zum jeweiligen Stamm nachweisen können.
Zwar wurde mit dem neuen Nationalitätsgesetz vom Staat der Juden zum jüdischen Staat gemacht. Wenn man aber Staaten wie Polen, Ungarn, die Türkei, Quatar oder die Arabischen Emirate etc nicht auch zu Apartheidregimen erklärt, kann dies bei Israel nicht ausschlaggebend sein.
Es ist sogar kontraproduktiv, wenn gegenüber dem einzigen Staat, den Juden gegründet haben, schärfere Kriterien angewendet werden als gegenüber allen anderen Staaten. Man braucht keine Haltung der bedingungslosen Solidarität mit dem israelischen Staatshandeln einzunehmen, um in derartig einseitig angewendeten Kriterien Antisemitismus zu erkennen.
Israel steht mit seinem vom Westen tolerierten Besatzungsregime nicht allein da. Die de facto Annektion des kurdisch kontrollierten Nordsyrien durch die Türkei nannte Ex Außenminister Heiko Maas (SPD) ein "legitimes Sicherheitsinteresse" und unter Annalena Baerbock (Grüne) hat dasselbe Ministerium dazu umgeschwenkt, den völkerrechtswidrigen "Autonomieplan" der marokkanischen Regierung für die Westsahara anzuerkennen und damit die Annektion de facto anzuerkennen, was dem UN-Beschluss widerspricht, nachdem die Westsahara ein Recht auf eine eigene Staatlichkeit hat und ein Unabhängigkeitsreferendum hat.