"Worst Country"

Nach einer Umfrage eines US-Verbandes der Reisebranche gelten die USA im Hinblick auf die Einreiseprozeduren weltweit als "schlimmstes Land"

Die Discover America Partnership (DAP), ein Verband der Reise- und Tourismusindustrie, hat eine Studie bei dem Meinungsforschungsinstitut RT Strategies in Auftrag gegeben, aus der hervorgeht, dass die Einreisebestimmungen der USA von den Befragten mit Abstand als die weltweit schlechtesten angesehen werden. Das schädige nicht nur das Image der USA, sondern sei auch schlecht fürs Geschäft.

Bei der Einreise in die USA hat der Besucher einiges über sich ergehen zu lassen. Zu den Bereichen, in denen die Sicherheitsbestimmungen nach dem 11. September 2001 immer weiter verschärft wurden, gehört etwa die Flugsicherheit. Gemäß dem US-Visit-Programm werden die Einreisenden fotografiert und zwei Fingerabdrücke abgenommen.

Die Entscheidung über diese Sicherheitsmaßnahmen liegt einzig und alleine im Hoheitsbereich der US-amerikanischen Regierung. Deutschland hat hierauf keinerlei Einflussmöglichkeiten.

Auswärtiges Amt

Im Gegensatz dazu hat die US-amerikanische Regierung sehr wohl einen Einfluss nicht nur auf die deutsche, sondern auf die europäische Sicherheit. Der biometrische Pass, der auf Drängen der US-Regierung eingeführt wurde, ist nur eine der Veränderungen, die in diesem Bereich von den USA durchgesetzt wurden. Neben der Aufnahme seiner Daten und deren Speicherung hat der Reisende auf dem Weg in den Westen auch noch damit zu rechnen, mehrmals durchsucht zu werden. Dabei fühlen sich einige Besucher, als wären sie Verdächtige, Kriminelle, Verbrecher. Es wird zuweilen auch beim Umsteigen kontrolliert oder sogar beim Aussteigen und Benutzen eines Shuttlebusses. Dabei scheinen die Grenzbeamten die Besucher des öfteren auch „grob“ und „arrogant“ zu behandeln, was auch durch die Umfrage bestätigt wird.

So stellt die Transportation Security Administration (TSA) „The Screening Experience” dar, die Reisenden sehen das offenbar oft anders

Durch die Präsentation der Umfrageergebnisse am letzen Montag wird deutlich, worum es der Discover America Partnership geht. Die Mitglieder von DAP kamen 2006 zusammen, um gegen das negative Amerikabild, das sich insbesondere im Ausland immer deutlicher herausbildete, vorzugehen. Im Komitee der Geschäftsgruppe sitzen unter anderem Steven Porter von der „Intercontinental Hotels Group“, Andrew C. Taylor von „Rent-A-Car“ und Jay Rasulo von den „Walt Disney Parks and Resorts“. Ziel der Geschäftsgruppe ist, Amerika für Reisende attraktiver zu machen, wie aus ihrer Erklärung hervorgeht. Man will die Amerikaner anregen, besser mit den internationalen Besuchern umzugehen, Hindernisse zu beseitigen und mehr internationale Besucher anzulocken. Das Ziel liegt bei jährlich 10 Millionen.

Es wird kein Hehl um die wirklichen Gründe für die hehren Ziele der Geschäftsgruppe gemacht. Es sollen mehr Reisende ins Land gelockt werden, die Geld mitbringen, um es im Lande zu lassen. Damit wird das Problem in einer Sprache ausgedrückt, die von den Entscheidungsträgern in der Regierung eher verstanden wird als eine Sprache, die sich über die Behandlung der Einreisenden entrüstet zeigt. Ändert sich nichts, schlägt sich das wirtschaftlich nieder.

In der Studie wurden mehr als 2000 Menschen über ihre Erfahrungen mit der Einreise in 16 Staaten in Europe, Asien, dem Nahen Osten, Südamerika und Nordamerika befragt, wobei die USA als „worst country“ einen großen Abstand zu den Folgeländern im Nahen Osten und Asien hatten. Die Behörden erzeugen demnach bei den Einreisenden mehr Furcht als die Terroristen, zwei Drittel der Befragten gaben an, bei der Einreise befürchtet zu haben, aufgrund eines Fehlers beim Ausfüllen von Formularen oder aufgrund einer falschen Aussage nicht ins Land gelassen zu werden.

Auf zahlreichen Internetseiten finden sich Schilderungen über die Erfahrungen bei der Einreise, die einen Eindruck in das Vorgehen der Grenzbeamten geben. Dort finden sich auch Beschreibungen von Besuchern, die nicht nur schlecht behandelt wurden, sondern an der Grenze tatsächlich zurückgewiesen wurden, oder Texte von Geschäftsleuten, die aussagen, dass sie oder ihre Mitarbeiter das Land, soweit wie möglich, meiden, was die Befürchtungen von DAP zu bestätigen scheint. Geoff Freeman, ausführender Direktor von DAP, sagt:

Diese Studie sollte die US-Regierung aufwecken… Besuche der USA und die Interaktion mit Amerikanern können einen großen, positiven Effekt darauf haben, wie Menschen von außerhalb der USA unser Land sehen. Leider schreckt die Wahrnehmung eines ,groben’ und ,arroganten’ Einreiseprozesses Reisende ab und schädigt das Ansehen Amerikas.

Nach Statistiken der Reiseindustrie ist der Anteil der USA am Tourismus seit 200 von 7,4 Prozent auf 6 Prozent gefallen. Dennoch liegen die USA mit 50 Millionen Besuchern jährlich nach Frankreich und Spanien noch auf dem dritten Platz als beliebtestes Reiseziel weltweit. Die Besucher, die die Einreise bewältigt haben, so auch ein Ergebnis der Studie, kommen oft zu einem sehr positiven Bild des Landes. Wenn man erst einmal drin ist, scheint es nicht mehr so schlimm zu sein. (Markus Born)