Wladimir von Arabien
Wladimir Putin, Baschar al-Assad. Bilder: Kremlin.ru / CC-BY-4.0 / Composing: TP
Mythen über Russland. Zivilisation und Frauenwahlrecht in Syrien. Und der Konflikt zwischen Landeskunde und Drogenkonsum. Ein Essay in Wunsch- und Echt-Deutsch.
Sprachuntalentierte können auf Seite 2 gehen, da ist alles normal geschrieben.
Heute kommen wir zum wunschdeutsch fase I. Das -a am ende eines wortes stet für fraun und weibliche wesen, -i für neutral und -o für männlich, das heisst, deutshas sind fraun, deutshis sind menschen, deutshos sind männer. Dafür gab es eine merheit bei den abstimmungen, aber nur eine knappe, also is das nich ganz sicher, daher verwend ich das nur bei nationalitäten. Wer er genauer wissen will, wie das ganze funktionirt, kann bei den wunschdeutsch-regeln nachschaun.
Geografische namen mit Y, die in den meisten europäischen sprachen mit I geschriben werden, werden jetz auch mit I geschriben. Siria, Libia, Egipt. Man schrib die namen bis jetz im deutshen mit Y, um die grechish aussprache zu zeigen, aber die heutigen grechis können den Ü-laut gar nich aussprechen, wie auch die siris, libis und egiptis.
Beim kyrillischen kommt heute im ersten teil das ф zum einsatz, der buchstabe für den laut /f/. Im zweiten teil das и, das für das russish I stet. Da aber ukrainis und belarusis für den /i/-laut den buchstaben I nemen, ersetz ich nur jedes dritte mal das I durch И.
Transkriptionen aus dem kyrillischen: um genau zu sein, müsste man die end-diftonge /ij/ oder /Yj/ (/Y/ (russish ы, ukrainish и) is eine komische /i/-variante) mit einem J am ende schreiben, das tut man jetz bei Selenskyj, aber man hat es früher nich getan und schrib Tschaikowski, nich Tschaikowskij. Da dise zwilaute für auslandishe oren (und wer weiss auch für slavski oren) wie ein laut klingen, und IJ oder YJ zimlich komisch ausschaun, lassen wirs einfach: Chaikowski und Selensky.
In Siria war ich auch schon mal, lange her. Damaskus war eine moderne stadt mit einem mediterranen фlär, und sie war in der Antike schon längst eine metropole, als die germanen noch in den bäumen wonten. Ich hab aber nich фil фom land mitgekriegt, weil ein siro mich zu sich eingeladen hatte und wir tagelang nix andres taten, als uns pausenlos zu besauфen und zu bekiффen.
Jedenфalls durфten siras ab der unabhängigkeit 1949 wälen, 4 jare nachdeem die фranzas, also die фraun aus Фrankrei, dises recht erhalten hatten – фor der unabhängigkeit durфten in Siria weder männer noch фraun wälen, das hat die kolonialmacht Фrankrei nich zugelassen. Als ich da war, war die gleichberechtigung der фraun unter der sozialistischen Baath-Partei zimlich weit фortgeschritten, und religion war kein tema. Eine demokratie war es aber warlich nich, Haфiz al-Assad kannte gegenüber seinen фeinden keine gnade.
Haфiz hatte seinen ältesten son, einen mann фürs grobe, als seinen erben фür die macht auserkoren, diser starb aber an einem autounфall, und so wurde der jüngere bruder, der augenarzt Bashar al-Assad, aus England geruфen, um das land zu regiren. Er kam mit seiner wunderschönen und höxt sympatischen british-sirishen фrau Asma nach Siria, beide wollten aus dem land eine moderne demokratie nach westlichen фorbild machen.
Asma reiste sogar incognito durch das land, um den bedürфnissen und sensüchten der beфölkerung nachzuspüren, und Bashar lisz tausende politische geфangene фrei. Das jar 2011 war aber mitten im Arabishen Фrüling, und nich nur demokratie-aktivisten sondern auch religiöse bewegungen witterten morgenluфt, es gab proteste und auф die protestirenden wurde geschossen. Ob Bashar selber den beфeel gab, фreiwillig oder unter dem druck des assad-systeems, oder ob er gar nich an der entscheidung beteiligt war, is nich bekannt.
Jedenфalls entфlammte in kürzester zeit ein bürgerkrig, bei dem demokratische kräфte, aber auch kurdish und islamistische gruppirungen, фor allem фom фreund des Westens Saudi Arabia фinanzirt, gegen die regirung oder gegeneinander kämpфten. Und Assad tat, was jede regirung in so einem фall tut: er фersuchte, die territoriale integrität zu erhalten.
Anständige krige gibt es nich mer
Es gab dann berichte über giфtgasattacken. Den beweis фür einen täter gab es nich. Die westlichen länder waren überzeugt, wie nich anders zu erwarten, dass Assad schuld war, weil das giфt aus sirishen beständen stammte, aber wenn der groszteil des landes in händen фon rebellen war, kann jeder dazu zugang gehabt haben.
Russian argumentirte, es is unlogisch, dass Siria genau das tun würde, was die americanis die "rote linie überschreiten" nannten – was фür ein interesse hätte Assad, den gröszten фeind im eigenen land zu haben und die фerachtung der internationalen gemeinschaфt auф sich zu zin? Ja, mir schin das auch unlogisch, auch wenn natürlich nich unmöglich.
Die westlichen medien widerholten es pausenlos, Assad will seine eigene beфölkerung ausrotten, was eine grenzenlose absurdität is. Wenn ein herrscher keine untertanen mer hat, is er kein herrscher mer sondern ein eremit. Da bringt ihm keiner mer die pistazien. Ein herrscher is so mächtig wie sein land, und kein herrscher will sein land kaputt machen, weil kein herrscher an macht фerliren will. Zerstört wird trotzdeem, weil das der preis des kriges is.
Bis ins 19. jarhundert gingen die soldaten ordentlich und geschnigelt auф eine wise und schlachteten sich gegenseitig ab, die zivile beфölkerung blib weitgehend фerschont. Dise zeiten sind leider längst фorbei.
Als die vom Westen unterstützten irakishen truppen städte bombardиrten und platt machten, um dem IS den garaus zu machen, war das der preis, den man zalen muss, um die terrorиsten loszuwerden. In Siria war genau dи gleiche situation, da meinte der Westen aber, schuld иs der massenmörder Assad und sonst nimand.
Dabei kämpften Assad, seine familie und sein sиsteem ums überleben, man wusste schon was man verlirt wenn man verlirt: den eigenen kopf, den seiner kиnder, tanten und freunde. Saddam musste es erfaren, Khadaffi musste es erfaren. Aber auch die fraun würden zu den groszen verlиrern gehören, wie man heute in Afghanistan sit. Dazu chrиsten, und die meisten muslime, dи nich so denken wie zum beispиl die IS-kämpfer.
Wи vile menschen in Afghanиstan und dem Irak getötet wurden, weiss man nich genau, es könnten aber locker über eine halbe mиllиon gewesen sein. George Bush kritisirte neulиch Putin in einer rede, und sprach von der "brutalen und ungerechtfertиgten invasion im Иrak – ich meine, in der Ukraina." Europäishe zeitungen mögen George Bush für seine polиtиk kritisirt haben, aber vom "brutalen mörder" George Bush war иn westlichen zeitungen nie dи rede. Kann man einfach nich bringen.
Der freund des feindes
Der Westen mag ein gewиsses verständnis für regirungen wи Saudi Arabia zeigen, dи krige im ausland fиnanzиren, oder für China, das warscheinlich mer leute hinrichtet als der rest der welt zusammen, weil man gute geschäfte mиt inen machen kann. Aber Assad wird von Russиan unterstützt, vom falschen land, vom falschen mann, also kann er nur ein brutaler mörder sein.
Und die westlichen medиen mögen ire eigenen regirungen иn der innenpolitik krиtиsиren, aber in den internazionalen bezиhungen reflektiren sie gerne dи sichtweise irer regиrungen – wir halten zusammen! Zimlich alle amerиkanиshen medien unterstützten Bush im Иrak-Krиg, zimlich alle schwörten, der Иrak hat massenvernichtungswaffen.
Wie man freunde sиt, wie man feinde sit: ein mensch, von dem man иn der zeitung liest, er hat andre leute umgebracht, is ein brutaler mörder, wärend ein mensch иn der familie oder иm freundeskreis, der zu einem mörder wurde, "plötzlich spinnt". Man spart nиch mit den schlimmsten adjektиven gegenüber feinden und fremden, bei freunden sind es schönheitsfeler.
Jedenfalls war Siria seit langem ein freund von Russиan, und Assad bat Putin um hilfe. Normalerweise иs das ein zeichen von gutem charakter und treue, wenn man dem freund hilft, aber er hat dem bösen Assad geholfen, der unser feind is, weil er Putиns freund is. Also hat er einen misen charakter. Wиr, der Westen, sind die guten, und unsere feinde sиnd die bösen. Die westlиchen medien sagen es fast mit jedem satz, und wir schlucken es gern. Иrren is menschlich, dи schuld beim andren zu suchen is noch menschlicher. Wir dи guten, sie die bösen. Mиt dem satz fängt jeder krig an.
Durch Putins aktиonen sind vile tausend menschen umgekommen, auch weil er so lange an der macht иs. Aber er hat den krig nich erfunden. Blut klebt an den händen von vиlen statsmännern, sogar von vilen, die wиr bewundern. Ja, ich bin ein whataboutist, иch stelle vergleiche. One vergleiche wären denken und sprache unmöglich, und wer vergleiche verbiten wиll, will eigentlich das denken verbиten. Wenn man hass bei den leuten produziren will, иs ir denken kontraproduktiv.
Wladimir von Arabien – normaldeutsche Version
In Syrien war ich auch schon mal, lange her. Damaskus war eine moderne Stadt mit einem mediterranen Flair, und sie war in der Antike schon längst eine Metropole, als die Germanen noch in den Bäumen wohnten. Ich habe aber nicht viel vom Land mitbekommen, weil ein Syrer mich zu sich eingeladen hatte und wir tagelang nichts anderes taten, als uns pausenlos zu besaufen und zu bekiffen.
Jedenfalls durften Syrerinnen ab der Unabhängigkeit 1949 wählen, vier Jahre, nachdem die Französinnen dieses Recht erhalten hatten – vor der Unabhängigkeit durften in Syrien weder Männer noch Frauen wählen, das hat die Kolonialmacht Frankreich nicht zugelassen. Als ich da war, war die Gleichberechtigung der Frauen unter der sozialistischen Baath-Partei ziemlich weit fortgeschritten, und Religion war kein Thema. Eine Demokratie war es aber wahrlich nicht, Hafiz al-Assad kannte gegenüber seinen Feinden keine Gnade.
Hafiz hatte seinen ältesten Sohn, einen Mann fürs Grobe, als seinen Erben für die Macht auserkoren, dieser starb aber an einem Autounfall, und so wurde der jüngere Bruder, der Augenarzt Baschar al-Assad aus England gerufen, um das Land zu regieren. Er kam mit seiner wunderschönen und höchst sympathischen britisch-syrischen Frau Asma nach Syrien, beide wollten aus dem Land eine moderne Demokratie nach westlichen Vorbild machen.
Asma reiste sogar incognito durch das Land, um den Bedürfnissen und Sehnsüchten der Bevölkerung nachzuspüren, und Baschar ließ tausende politische Gefangene frei. Das Jahr 2011 war aber mitten im Arabischen Frühling, und nicht nur Demokratie-Aktivisten, sondern auch religiöse Bewegungen witterten Morgenluft, es gab Proteste und auf die Protestierenden wurde geschossen. Ob Baschar selber den Befehl gab, freiwillig oder unter dem Druck des Assad-Systems, oder ob er gar nicht an der Entscheidung beteiligt war, ist nicht bekannt.
Jedenfalls entflammte in kürzester Zeit ein Bürgerkrieg, bei dem demokratische Kräfte, aber auch kurdische und islamistische Gruppierungen, vor allem vom Freund des Westens Saudi-Arabien finanziert, gegen die Regierung oder gegeneinander kämpften. Und Assad tat, was jede Regierung in so einem Fall tut: Er versuchte, die territoriale Integrität zu erhalten.
Anständige Kriege gibt es nicht mehr
Es gab dann Berichte über Giftgasattacken. Den Beweis für einen Täter gab es nicht. Die westlichen Länder waren überzeugt, wie nicht anders zu erwarten, dass Assad schuld war, weil das Gift aus syrischen Beständen stammte, aber wenn der Großteil des Landes in Händen von Rebellen war, kann jeder dazu Zugang gehabt haben.
Russland argumentierte, es ist unlogisch, dass Syrien genau das tun würde, was die Amerikaner die "rote Linie überschreiten" nannten – was für ein Interesse hätte Assad, den größten Feind im eigenen Land zu haben und die Verachtung der internationalen Gemeinschaft auf sich zu ziehen? Ja, mir schien das auch unlogisch, auch wenn natürlich nicht unmöglich.
Die westlichen Medien wiederholten es pausenlos, Assad möchte seine eigene Bevölkerung ausrotten, was eine grenzenlose Absurdität ist. Wenn ein Herrscher keine Untertanen mehr hat, ist er kein Herrscher mehr, sondern ein Eremit. Da bringt ihm keiner mehr die Pistazien. Ein Herrscher ist so mächtig wie sein Land, und kein Herrscher will sein Land zerstören, weil kein Herrscher an Macht verlieren will. Zerstört wird trotzdem, weil das der Preis des Krieges ist.
Bis ins 19. Jahrhundert gingen die Soldaten ordentlich und geschniegelt auf eine Wiese und schlachteten sich gegenseitig ab, die zivile Bevölkerung blieb weitgehend verschont. Diese Zeiten sind leider längst vorbei.
Als die vom Westen unterstützten irakischen Truppen Städte bombardierten und plattmachten, um dem IS den Garaus zu machen, war das der Preis, den man zahlen muss, um die Terroristen loszuwerden. In Syrien war genau die gleiche Situation, da meinte der Westen aber, schuld ist der Massenmörder Assad und sonst niemand.
Dabei kämpften Assad, seine Familie und sein System ums Überleben; man wusste schon, was man verliert, wenn man verliert: den eigenen Kopf, den seiner Kinder, Tanten und Freunde. Saddam musste es erfahren, Gaddafi musste es erfahren. Aber auch die Frauen würden zu den großen Verlierern gehören, wie man heute in Afghanistan sieht. Dazu Christen, und die meisten Muslime, die nicht so denken wie zum Beispiel die IS-Kämpfer.
Wie viele Menschen in Afghanistan und dem Irak getötet wurden, weiß man nicht genau, es könnten aber locker über eine halbe Million gewesen sein. George W. Bush kritisierte neulich Putin in einer Rede, und sprach von der "brutalen und ungerechtfertigten Invasion im Irak – ich meine, in der Ukraine." Europäische Zeitungen mögen George W. Bush für seine Politik kritisiert haben, aber vom "brutalen Mörder" George W. Bush war in westlichen Zeitungen nie die Rede. Kann man einfach nicht bringen.
Der Freund des Feindes
Der Westen mag ein gewisses Verständnis für Regierungen wie Saudi-Arabien zeigen, die Kriege im Ausland finanzieren, oder für China, das wahrscheinlich mehr Leute hinrichtet als der Rest der Welt zusammen, weil man gute Geschäfte mit ihnen machen kann. Aber Assad wird von Russland unterstützt, vom falschen Land, vom falschen Mann, also kann er nur ein brutaler Mörder sein.
Und die westlichen Medien mögen ihre eigenen Regierungen in der Innenpolitik kritisieren, aber in den internationalen Beziehungen reflektieren sie gerne die Sichtweise ihrer Regierungen – wir halten zusammen! Ziemlich alle amerikanischen Medien unterstützten Bush im Irak-Krieg, ziemlich alle schwören, der Irak hat Massenvernichtungswaffen.
Wie man Freunde sieht, wie man Feinde sieht: Ein Mensch, von dem man in der Zeitung liest, er hat andere Leute umgebracht, ist ein brutaler Mörder, während ein Mensch in der Familie oder im Freundeskreis, der zu einem Mörder wurde, "plötzlich spinnt". Man spart nicht mit den schlimmsten Adjektiven gegenüber Feinden und Fremden, bei Freunden sind es Schönheitsfehler.
Jedenfalls war Syrien seit Langem ein Freund von Russland, und Assad bat Putin um Hilfe. Normalerweise ist das ein Zeichen von gutem Charakter und Treue, wenn man dem Freund hilft, aber er hat dem bösen Assad geholfen, der unser Feind ist, weil er Putins Freund ist. Also hat er einen miesen Charakter.
Wir, der Westen, sind die Guten, und unsere Feinde sind die Bösen. Die westlichen Medien sagen es fast mit jedem Satz, und wir schlucken es gerne. Irren ist menschlich, die Schuld beim Anderen zu suchen noch menschlicher. Wir die Guten, sie die Bösen. Mit dem Satz fängt jeder Krieg an.
Durch Putins Aktionen sind viele tausend Menschen umgekommen, auch weil er so lange an der Macht ist. Aber er hat den Krieg nicht erfunden. Blut klebt an den Händen von vielen Staatsmännern, sogar von vielen, die wir bewundern. Ja, ich bin ein Whataboutist, ich stelle Vergleiche an. Ohne Vergleiche wären Denken und Sprache unmöglich, und wer Vergleiche verbieten will, will eigentlich das Denken verbieten. Wenn man Hass bei den Leuten produzieren will, ist ihr Denken kontraproduktiv.
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