Willkommen auf der Achse des Bösen!

US-Schule kündigt deutschem Gymnasium die Partnerschaft

Auf der Homepage des Augustinus-Gymnasiums in Weiden/Oberpfalz ist die Welt noch in Ordnung. Schulpartnerschaften, heißt es dort, seien eine wunderbare Sache. Schüler aus verschiedenen Ländern würden sich dabei kennen lernen, dadurch würden Vorurteile abgebaut und gleichzeitig eigene Vorstellungen und Anschauungen hinterfragt. Weil das womöglich so ist und weil das vor allem so wichtig sein soll, pflegt die Schule ­ so steht es auf ihrer Homepage - folglich Partnerschaften "mit einem Gymnasium in Weidens italienischer Partnerstadt Macerata, aber auch mit unserem westlichen Nachbarn Frankreich (Collége Jules Ferry in Vichy). Ein besonderes 'Filetstück' in unserem internationalen Beziehungsnetz ist der Schüleraustausch mit der Perry Meridian Highschool in Indianapolis (USA)."

Doch das internationale Beziehungsnetz der Schule hat nun einen Riss bekommen, und ausgerecht das Filetstück ist durch die Maschen gefallen. Schuld hat kein Geringer als Saddam Hussein, der die Welt spaltet in Gute und in Böse. Seitdem der Deutsche in sich den Pazifisten entdeckt hat und deswegen gegen den bösen Saddam nicht militärisch zu Felde ziehen möchte, gehört er jetzt selbst plötzlich zu den Bösen und die Oberpfalz zur Achse des Bösen. Zumindest aus der Sicht amerikanischer Patrioten, zu denen auch der Schulleiter der Perry Meridian Highschool in Indianapolis gehört.

Nach einem Bericht von Oberpfalznetz.de wies die Schulleitung in Indianapolis die Organisatoren des Schüleraustauschs an, die Kontakte zur Oberpfalz abzubrechen, weil sich kein Student mehr für das Fach Deutsch eingeschrieben habe. Das wurde der Schule in Weiden im November 2002 kurz und knapp per E-Mail mitgeteilt. Doch in persönlichen Gesprächen nannten jetzt die verantwortlichen US-Lehrer ihren deutschen Freunden und Kollegen die wahren Hintergründe.

Obwohl sie selbst gern weitergemacht hätten, habe ihr patriotischer Schulleiter wegen des gestörten Verhältnisses zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ein Zeichen setzen wollen ­ gegen das Böse, also gegen Deutschland, gegen die Oberpfalz und gegen die Schüler aus Weiden. Und so sucht die Oberpfälzer Schule nun dringend ein neues Filetstück: in Kanada und nicht in den USA. Denn dort, meint die zuständige Lehrerin Edith Lippe, "herrscht Eiszeit!" Was zwar nicht ganz korrekt ist, denn in den USA mag es zwar gerade kalt sein, aber herrschen tun dort Leute wie George W. Bush oder Donald Rumsfeld, die bestimmt ihre Freude haben an einem Schulleiter, der so drollig-patriotisch mit dem Schwanz wedeln kann. (Ernst Corinth)