Wie lässt sich beweisen, dass alle Menschen gleich sind?

Rassenmerkmale sind wie modische Kleider, weil der Phänotyp des Menschen als soziales Konstrukt benutzt wird und nicht mit der wahren Herkunft übereinstimmt

"Überall auf der Welt findest Du auch heute Führer, die es immer noch tun! Schwarz, weiß, gelb, braun: Menschen jeder Hautfarbe metzeln Menschen jeder Hautfarbe nieder. Weil Satan immer derselbe bleibt." So ein Zitat aus dem kürzlich erschienenen Buch "The Emperor of Ocean Park" von Stephen L. Carter, der das afro-amerikanische Verhältnis in eine Conspiracy-Geschichte verpackt.

Die aufgeklärten Anthropologen und Genetiker sind sich einig: der Begriff "Rasse" hat keinen biologischen Hintergrund. Die äußere Erscheinungsform, ob Hautfarbe, Haarfarbe, Haarbeschaffenheit, die Form von Lippen und Nase, Augenfarbe, und vieles mehr, sind Anpassungen an die Umgebung oder Spielereien der Natur. Zwei aktuelle Forschungsberichte geben Antwort auf die Frage: "Wie lässt sich beweisen, dass alle Menschen gleich sind?"

Die brasilianische Arbeitsgruppe von Flavia C.Parra berichtet in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Color and genomic ancestry in Brazilians) über den Vergleich von äußeren Merkmalen und dem Genotyp von Weißen, Schwarzen und Mischlingen. Der genetische Fingerprint beruht auf einer Palette von zehn Markern, aus denen der African Ancestry Index (AAI) berechnet wird, weil er mit hoher Sicherheit zwischen den Genen afrikanischer und europäischer Herkunft unterscheidet. Das Ergebnis: wollte man vom Aussehen, nämlich Hautfarbe und weiteren körperlichen Merkmalen, auf die Vorfahren schließen, käme die richtige Antwort einem Sechser im Lotto gleich.

Brasilien bietet sich für die Untersuchung an, weil die Bevölkerung auf drei Quellen zurückgeführt werden kann, nämlich Europäern, die vornehmlich aus Portugal einwanderten, Sklaven aus Afrika und den autonomen "Ameroindianern". Die Männer, so verrät die Herkunft des Y-Chromosoms, lassen sich überwiegend auf europäische und nur zum geringen Teil auf afrikanische Väter zurückführen. Deshalb ist jeder zweite "Schwarze" nicht-afrikanischer Herkunft. Für die Frauen ergibt sich ein bemerkenswert anderes Bild: der mtDNA-Pool verrät, dass die drei Gruppierungen zu nahezu gleichen Teilen vertreten sind. Was besagt die Hautfarbe? "Schwarz und weiß sind die beiden Extreme, weil unsere trihybride Gesellschaft im Farbspektrum mindestens 40 Abstufungen aufweist," antwortet Flavia C.Parra.

Die genetischen Unterschiede in einem Volk reichen von weiß nach schwarz (Bild: USDA Science)

In Science (Genetic Structure of Human Populations) hat Noah A. Rosenberg von der University of Southern California eine internationale Arbeitsgruppe zusammengebracht, die über die Welt verteilt den Fingerprint von 52 Populationen ebenfalls anhand eines Spektrums genetischer Marker, dem Humane Genome Diversity Cell Line Panel, untersuchen. Von gut 4.000 Allelen sind nahezu 50 Prozent identisch, unabhängig von der Region, in der die untersuchten Testperson leben.

Regionale Besonderheiten betreffen demgegenüber nur 7,4 Prozent der menschlichen Allele. Aus dieser Erkenntnis entwickeln die Forscher mittels ihres "clustering algorithmus" für die Weltbevölkerung sechs Hauptgruppen, von denen sie den fünf Kontinenten jeweils ein Cluster zuordnen. Innerhalb der Populationen beträgt die Varianz 93-95 Prozent, während die genetische Variation zwischen den Hauptgruppen nur um 3-5 Prozent verschieden ist. Womit bewiesen wäre, dass die Individualität einer Persönlichkeit keine Unterscheidung zulässt, ob die Vorfahren aus einem Königshaus stammen oder niedrigen Standes sind. Die Vermischung in Europa lässt keine länderspezifischen Unterschiede erkennen. Basken und die Bewohner von Sardinien weisen die größten Unterschiede auf. In Pakistan überlappen sich die genetischen Merkmale von Volksgruppen, die zur indogermanischen Sprachfamilie gezählt werden, wechselseitig mit den Gruppenkriterien von Personen anderer Sprachgruppen. Deshalb beweist das traditionell führende Element eines Volkes, nämlich seine Sprache, keineswegs die "völkische" Herkunft.

Die neuen und sehr gesicherten Einsichten erwachsen aus der stürmischen Entwicklung der Gentechnologie. Blutgruppen, Protein Polymorphismus, mitochondriale DNA Sequenzen, Y-Chromosomen Haplotypes und "Nuclear Microsatellite" Marker sind Charakteristika, die in der Summe ein detaillreiches Bild vom Genotyp vermitteln. Danach können nur wenig migrierte Randgruppen wie die Pygmäen und Bantu relativ homogenen Clustern zugeordnet werden. Im Allgemeinen überwiegt der Polymorphismus in der genetischen Herkunft. Daraus erwachsen zwei Erkenntnisse.

Auch weiße Kinder sind afrikanischer Herkunft (Bild: USDA Science)

In der medizinischen Betrachtung sind Untersuchungen, die nach Kaukasiern, Menschen mit schwarzer Hautfarbe, hispanischer oder asiatischer Herkunft unterscheiden, unnütz. Schlussfolgerungen wie "Farbige haben häufiger Bluthochdruck als Weiße" sind biologisch nicht mehr überzeugend. Das bedeutet beispielsweise für die Medizin, dass Unverträglichkeiten von Arzneimitteln individuell ermittelt werden müssen. Da fällt es schon leichter, die familiäre Häufung bestimmter Krankheiten zu bewerten, die im überschaubaren Familienkreis nach den Mendelschen Regeln weiter vererbt werden.

Im politischen Leben ist die Rassenzugehörigkeit ein soziales Konstrukt. Äußere Faktoren wie gemeinsame Sprache, Interessen, Glauben und Rechtsempfinden spielen gruppendynamisch die prägende Rolle. Dass der Phänotyp "gemacht" wird, erklärt F.C.Parra mit dem simplen Beispiel:

Der weiße Mann europäischer Herkunft heiratet eine Frau aus einer ehemaligen afrikanischen Sklavenfamilie. Die Kinder, ob schwarz oder weiß, tragen gleichermaßen die genetischen Elemente beider Elternteile. Sollten die Kinder nun Ehepartner ihrer eigenen Hautfarbe bevorzugen, entsteht in der dritten und vierten Generation künstlich ein Übergewicht, teils mit schwarzer, teils mit weißer Hautfarbe. Damit ändert sich dennoch nichts am Anteil des afrikanischen Anteils im Genotyp.

Schwarz oder weiß, reich oder arm, Christ oder Moslem: das sind Surrogate, um wirtschaftliche und politische Wünsche durchzusetzen. Satanische Macht und Machtbessenheit suchen einprägsame und vor allem "sichtbare" Argumente für das Feindbild. Biologisch, so wissen wir jetzt, sind wir ein Flickerlteppich mit gemeinsamen Ur-Eltern. (Jenny Eltermann)