Wie Silicon Valley und Pentagon zur Supermacht verschmelzen
Das Silicon Valley Mitte 2024. Foto: Michael Vi, shutterstock
Silicon Valley und das Pentagon gehen eine historische Allianz ein. Die Tech-Giganten liefern KI-Expertise, Washington bietet Geld und Macht. Doch zu welchem Preis?
Die US-Regierung und der militärisch-industrielle Komplex verschmelzen mit den Technologiegiganten "einer wechselseitig abhängigen Superstruktur", wie Axios es beschreibt. Dabei geht es darum, auch die nächsten Generationen von KI sowie Raumfahrt- und Rüstungstechnologien weltweit zu dominieren.
Diese Verschmelzung von Washington und Silicon Valley mit dem militärisch-industriellen Komplex ist von offensichtlich dringenden Bedürfnissen motiviert.
Die US-Regierung benötigt KI-Expertise, um China in der nächsten großen technologischen und geopolitischen Veränderung dauerhaft zu dominieren oder wenigstens Paroli bieten zu können. Das kann Washington jedoch keinesfalls ohne die Hilfe von Microsoft, Google, OpenAI, Nvidia und all der anderen bewerkstelligen.
Washington vom Silicon Valley abhängig
Diese Unternehmen können ihrerseits Künstliche Intelligenz nur skalieren und gewaltiges Geld verdienen, wenn die Regierung ihnen den Weg mit mehr Energie, mehr Daten, mehr Chips und mehr wertvollen Mineralien ebnet.
Das Weiße Haus hat eine enge Beziehung zu Amerikas KI-Giganten aufgebaut. Kern der Zusammenarbeit ist das – nach der gleichnamigen Fernsehserie benannte – 500 Mrd. US-Dollar schwere Stargate-Infrastrukturprojekt. Beteiligt sind unter anderem OpenAI, Oracle, Japans SoftBank und der VAE MGX.
US-Präsident Donald Trump strebt darüber eine Hochzeit der US-Technikambitionen mit den potenten Staatsfonds der Golfstaaten an und kündigte eine Reihe von Geschäften an, um hochmoderne Chips und Datenzentren nach Saudi-Arabien und die VAE zu bringen. Dafür wurde Trump während seiner Blitzreise durch den Nahen Osten von führenden KI-Managern – darunter Sam Altman von OpenAI, Jensen Huang von Nvidia, Andy Jassy von Amazon und Alex Karp von Palantir – begleitet.
US-Dominanz bei KI
Trump und seine Technikverbündeten streben diese Allianz an, um China zu kontrollieren, die virtuelle und die reale Welt mithilfe amerikanischer KI zu dominieren und die US-Kontrolle über die Energie- und Datenpipelines der Zukunft zu festigen.
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In den USA spielt die Trump-Regierung die von KI für amerikanische Arbeitnehmer ausgehenden Risiken herunter und beseitigt regulatorische Hindernisse für eine schnellere Einführung von KI.
Laut The Intercept würde die kürzlich vom Repräsentantenhaus verabschiedete Version der Trumpschen "One Big, Beautiful Bill" ein zehnjähriges Moratorium für sämtliche staatlichen und lokalen Gesetzesinitiativen bedeuten, die KI zu regulieren suchen. Das Gesetzespaket muss jedoch erst noch den Senat passieren.
Kohle- und Atomstrom für die Rechenzentren
Um den rasant wachsenden Energiehunger nicht zuletzt der Daten verarbeitenden Industrie zu stillen, hat der US-Präsident zudem eine Reihe von Anordnungen erlassen, um den Bau neuer Atomkraftwerke mit dem Ziel zu beschleunigen, die US-Stromerzeugung aus Atomkraftwerken bis 2050 zu vervierfachen.
US-Energieminister Chris Wright geht schon länger mit der Formulierung hausieren, dass KI "das nächste Manhattan-Projekt" sei und stellte eine erhöhte Energieproduktion aus Kohle und Atom auch vor dem US-Kongress gezielt in den Zusammenhang.
Große und kleine KI-Unternehmen gewinnen die lukrativsten Verträge der US-Regierung – insbesondere im Pentagon, wo sie traditionelle Auftragnehmer als das Herz des militärisch-industriellen Komplexes teilweise sogar verdrängen.
Keine Debatte über die Risiken
Die "Große Fusion" hat neue Mittelsmänner hervorgebracht: Risikokapitalgeber, Gründer und Influencer, die zwischen Silicon Valley und Washington pendeln, Politik gestalten und die bestrebt sind, die Gewinne aus dem neuen "Manhattan-Projekt" einzustreichen.
Elon Musk und seine Firmen kennen mittlerweile jeder Zeitungsleser und Fernsehzuschauer in Deutschland. Weniger bekannt dürften Typen wie David Sacks sein. Der Mann ist aus dem Management Paypal gekommen und zum Beauftragten für KI und Kryptowährungen aufgestiegen.
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Axios beschreibt seine Funktion als "hochrangigen Übersetzer" zwischen Regierung und Silicon Valley. Sein Regierungsjob, sein Tech-Netzwerk und sein beliebter „All-In“-Podcast ermöglichen es ihm, Geschäfte einzufädeln und neue Narrative zu lancieren.
Gleichzeitig verfügen junge aufstrebende Verteidigungstechnologieunternehmen wie Palantir, Anduril und andere über mehr Einfluss im Pentagon als je zuvor. Roboterfirmen florieren und neue Branchen entstehen – darunter für die Produktion von Unterwasserdrohnen und weltraumbasierten Waffen.
Widersprüche und Risiken
In der Eile, das KI-Wettrüsten zu gewinnen, geht die öffentliche Diskussion über die steigenden Risiken unter, klagen Beobachter. Dazu zählen sie etwa das Risiko, dass Staaten und Unternehmen in Westasien, die mit US-KI-Technologie ausgestattet werden, China in diesem Wettrüsten helfen könnten. Auch bestehe die Gefahr, dass die US-Regierung von der Expertise einer relativ kleinen Gruppe von Unternehmen anhängig wird.
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Doch selbstverständlich gibt es auch Widersprüche. Hatte Silicon Valley noch gejubelt, als Trump "automatische Green Cards" für ausländische Studenten vorschlug, die an US-Colleges graduieren. Doch jetzt, wo die Trump Administration ihre Agenda in der Migrationspolitik ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht, und droht, ausländische Studenten auszuweisen, halten sich alle bedeckt.
Dabei ist völlig offensichtlich, dass die USA in einen neuen Wettlauf auch um KI-Fachleute und Forscher eingetreten sind.
Wired weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im akademischen Jahr 2023 / 2024 mehr als 880.000 internationale Studierende hauptsächlich aus Indien und China in den USA immatrikuliert waren. Besonders hoch sei der Anteil der Ausländer bei Mathematik sowie in den Natur-, Computer- und Ingenieurswissenschaften: Im akademischen Jahr 2021–2022 gingen über 36 Prozent der MINT-Masterabschlüsse und 46 Prozent der MINT-Promotionen in den USA an internationale Studierende.