Wetter und Demokratie verzögern Start von LNG-Terminals in Deutschland

Ein LNG-Tanker in Nahaufnahme

Anfang Dezember sollte LNG-Terminal in Lubmin in Betrieb gehen. Doch Start könnte sich um Wochen verschieben. Warum sich auch andere Projekte verzögern können.

Die deutsche Gasbranche ist stolz auf sich, beim Bau der Terminals für Flüssigerdgas (LNG) kommt sie gut voran. Die Freude war am Dienstag bei einer Konferenz des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW) deutlich zu spüren: Wenn Deutschland es will, dann können Projekte auch innerhalb kurzer Zeit fertiggestellt werden.

Gerade einmal 175 Tage hat es gedauert, bis in Brunsbüttel die Voraussetzungen geschaffen wurden, dass schwimmende LNG-Terminals an das deutsche Gasnetz angeschlossen werden können. Die Bauarbeiten für die Leitungen zum LNG-Terminal Wilhelmshaven könnten noch vor Weihnachten abgeschlossen sein. Was nun innerhalb von Monaten umgesetzt wurde, dauert im Normalfall sechs bis acht Jahre.

Angesichts dieser Erfolge erscheinen Verzögerungen unbedeutend – für die Energieversorgung des Landes spielen sie dennoch eine erhebliche Rolle. Je später die Anlagen in Betrieb genommen werden können, desto verwundbarer ist das Land. Und am Wetter könnte die Pläne scheitern, noch in diesem Monat mit dem LNG-Import zu beginnen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte kürzlich berichtet, dass einige Arbeiten an den Terminals aufgrund der Wetterlage unterbrochen wurden. Starker Wind, eisige Temperaturen, hohe Wellen – oder eine Kombination davon – könnten die Projekte demnach verzögern.

"Es gibt einen Faktor, der für uns derzeit einfach unberechenbar ist: das Wetter", sagte demnach Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsvorsitzender von Uniper. Der Energiekonzern errichtet im nordwestlichen Hafen von Wilhelmshaven ein LNG-Terminal.

Das schlechte Wetter könne der Hauptgrund für eine mögliche Verzögerung sein, so Maubach. Aber er sei immer noch zuversichtlich, dass das Projekt in diesem Jahr abgeschlossen werden könne.

Ob es gelingt, wird sich zeigen müssen. Zumindest Wettervorhersagen legen nahe, dass es schwer werden könnte: Für die nächsten zwei Wochen werden "in ganz Deutschland ungewöhnlich niedrige Temperaturen erwartet", heißt es bei Bloomberg. Und das könne die Projekte vor neue Herausforderungen stellen.

Die privat betriebene Anlage hat ebenfalls mit dem Wetter zu kämpfen, allerdings verzögern hier auch fehlende Genehmigungen die Arbeiten. Ein schwimmendes Terminal hat zwar den Hafen von Mukran bereits erreicht, doch wann es zum endgültigen Bestimmungsort in Lubmin gebracht werden kann, hängt vom Wetter ab.

LNG-Terminals und -Tanker (11 Bilder)

LNG-Terminal Ras Laffan in Katar. Bild: Matthew Smith / CC-BY-2.0

"Das Wetter spielt bei einem Offshore-Projekt immer eine nicht unerhebliche Rolle – vor allem im Winter", sagte Stephan Knabe, Aufsichtsratsvorsitzender des Betreibers Deutsche ReGas, laut Bloomberg. Das bedeute, "dass bei zu starkem Wind und zu hohem Wellengang die Arbeiten am Schiff – auch im Hafen von Mukran – nicht durchgeführt werden" könnten.

Ursprünglich sollte das LNG-Projekt in Lubmin am 1. Dezember die Arbeit aufnehmen, doch auch zwei ausstehende Genehmigungen verzögern den Start – eventuell sogar bis ins neue Jahr hinein. Einmal muss die Europäische Kommission der Ausnahmeerlaubnis der Bundesnetzagentur für das Terminal noch zustimmen.

Dann fehlt noch die Betriebsgenehmigung. Sie müsste vom Amt für Landwirtschaft und Umwelt Vorpommern erteilt werden – doch Umweltverbände, Bürger und Infrastrukturbetreiber haben insgesamt mehr als 1.000 Einwendungen vorgetragen.

Dass die Erlaubnis für das Projekt versagt wird, halten Insider laut Spiegel Online für unwahrscheinlich. Fraglich ist nur, wie lange die Einwendungen geprüft werden. Dem Bericht zufolge soll der Grundsatz "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" gelten. (Bernd Müller)

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