Wenn das Handy zweimal klingelt

Mit Elektroschocks gegen laute Dauertelefonierer

Wer mal zu einem falschen Zeitpunkt in einem falschen Film gesessen hat, der kennt das: Plötzlich klingelt im dunklen Kinosaal ein Handy, der Besitzer nimmt wie selbstverständlich das Gespräch an, um dem Anrufer bedeutungsschwer zu sagen, dass er selbst gerade im Kino sitze. Aber auch in Theatern, bei Lesungen und anderen Kulturveranstaltung kann man ähnlich Ärgerliches erleben. Obwohl dort der Angerufene meist vor Scham am liebsten unter seinen Sitz kriechen möchte.

Betroffen von der nervigen Handyseuche ist natürlich nicht nur Deutschland. Auch in New York kennt man das Problem. Dort ist nun der Stadtrat tatsächlich tätig geworden und will zukünftig - als Beitrag zur "Verbesserung der Lebensqualität" - das Telefonieren in Konzerten, Kinos, Theatern, Vorlesungen, Tanzvorführungen, Museen, Bibliotheken und Galerien verbieten. Und wer es nicht sein lassen kann, dem droht eine Strafe von 50 Euro. Und sogar in Italien, dem Land der Dauertelefonierer, soll zumindest in Personenzügen das Gequassel durch die Einführung "handyfreier" Waggons eingeschränkt werden.

Mit der Zeit werden die Menschen, meint IDEO, beim "Klopfhandy" das Klopfen der Menschen unterscheiden können

Ob Verbote gegen die Handyseuche tatsächlich helfen werden, wird sich zeigen. Aber es gibt auch andere und weit sympathischere Möglichkeiten, um am richtigen Ort richtig für Ruhe zu sorgen. Die britische Designer-Gruppe IDEO hat nämlich jetzt gleich fünf verschiedene Prototypen von Social Mobiles, also eines sozialverträglichen Handys, vorgestellt. Und dazu kleine witzige Filmchen veröffentlicht, die zeigen, wie perfekt die Geräte funktionieren.

Eindrucksvoll und nachhaltig arbeitet das Modell SoMo1, das bei zu lautem Telefonieren mit leichten Elektroschocks reagiert. Wird die Lautstärke trotzdem nicht reduziert, dann wird aus dem leichten Schock ein heftiger Schlag. Nett ist auch SoMo3, das ausschaut wie eine Klarinette. Und gewählt wird, indem man auf dem Gerät eine bestimmte Tonfolge abspielt. Was nicht nur schreiend komisch ausschaut, sondern sich auch so dämlich komisch anhört, dass man sich jeden Anruf wohl genau überlegen wird.

Und dann ist da noch das sozial eher unverträgliche Prachtstück unter den Social Mobiles: SoMo5, ein Telefon, das wie ein Wortkatapult funktioniert. Das heißt: Wer sich durch ein Telefongespräch gestört fühlt, kann dem lauten Telefonierenden damit auf elektronischem Weg einen Satz in das Gespräch katapultieren, von dem alle Kinogänger nur träumen; und zwar: Shut up! Also im gepflegten Deutsch: Halt endlich die Klappe! (Ernst Corinth)